Projekt in Stadtverordnetenversammlung umstritten

Beschluss für Umgehung Wetterburg verschoben

Die Wetterburger Straße soll nach dem Willen der Bad Arolser Stadtverordneten durch den Bau einer Ortsumgehung Wetterburg nicht stärker belastet werden. Foto: Armin Haß

 Bad Arolsen-Wetterburg – Die Stadtverordnetenversammlung Bad Arolsen hat einen Beschluss über den Bau einer Ortsumgehung von Wetterburg verschoben. Vorher sollen noch Verhandlungen geführt werden, die doch noch eine zusätzliche Umgehung der Kreisstraße 7 erreichen sollen.

Die war von Hessen Mobil im Frühjahr verworfen worden, weil sie wegen der Belastungen für Mensch und Natur nicht genehmigt würde. Allein eine Ortsumgehung im Zuge der Landesstraße 3080 mit Anbindung der Ortsdurchfahrt in der Nähe der Wetterburg könne den Ort und die Kernstadt effektiv entlasten.

Im Laufe des Sommers hatte sich jedoch eine Diskussion hoch geschaukelt, bei der Befürworter und Gegner der Umgehung und speziell dieser Trasse sich zu Worte meldeten. Bürgermeister Jürgen van der Horst, Befürworter einer Umgehung, hatte sich noch um eine Klarstellung von Fakten und Zahlen bemüht.

Mehr Verkehr in der Kernstadt

Aus der Wetterburger Straße in Bad Arolsen äußern die Anwohner die Befürchtung, dass dann erheblich mehr Verkehr in die Kernstadt rollen werde,

Nun soll Bürgermeister Jürgen van der Horst Verhandlungen für eine „voll umfängliche“ Umfahrung mit Alternativtrasse zur K 7 führen. Dafür haben sich Landrat Dr. Reinhard Kubat und sein früherer Stellvertreter, der heutige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Jens Deutschendorf, vor fünf Jahren eingesetzt.

 Die Pläne sollten auch zum Ziel haben, dass sowohl Wetterburg entlastet, als auch ín der Kernstadt die Wetterburger Straße und die Große Allee nicht weiter belastet werden, so die Forderung für die Gespräche. Im kommenden Frühjahr, so die Erwartungen aus der Stadtverordnetenversammlung, sollte es dann zu einem Beschluss kommen.

Beim Wort nehmen

Kubat und Deutschendorf hätten die Umgehung von K 7 und L 3080 angepriesen, nun müssten sie beim Wort genommen werden, sagte CDU-Sprecher Gerd Frese. In der CDU-Fraktion gebe es wegen der Belastungen der Landwirte und der Anwohner in Bad Arolsen keine einheitliche Meinung. Deswegen sei es momentan schwierig, mit der CDU einen Beschluss für eine Fortsetzung der Planungen durch Hessen Mobil zu fassen.

Stefan Massenkeil (CDU) forderte, auch eine Trasse durch das Wetterholz oberhalb vom Twistesee und verkehrslenkende Maßnahmen zu prüfen. Auch die Interessen der Landwirte seien zu beachten, und es sei „hirnrissig“, noch mehr Verkehr in die „grüne Lunge“ von Arolsen, die Große Allee, zu lenken. „Einer Umgehung ohne neue K 7 kann ich nicht zustimmen. Wenn Bürgermeister van der Horst etwas aus dem Hut zaubert, dann gerne“, sagte Uwe Gottmann (CDU).

"Landwirte unsere Freunde"

Er habe 2014 nur „mit Bauchschmerzen“ für beide Trassen die Hand gehoben. Schließlich seien „die Landwirte unsere Freunde“, allerdings müssten auch die Anwohner der Burgstraße berücksichtigt werden. Eine Trasse durchs Wetterholz ziehe nach Expertenangaben noch mehr Verkehr in die Region an.

Eine Ortsumgehung von Wetterburg sei unabdingbar und dringlich, sagte Ludger Brinkmann (SPD). Gefordert sei aber eine Gesamtlösung, die die Kernstadt nicht weiter belaste und Wetterburg entlaste. Die Nutzung des Wetterholzes mit seinem intakten Wald und in der Nähe zu dem Touristenzentrum Twistesee könne niemand ernsthaft wollen, gab Brinkmann zu bedenken. 

Enteignung?

Bernd Meier (FWG/OL) wies auf die Schäden im Wetterholz hin. „Wir eiern hier schon lange herum“, kritisierte der von einer Umfahrung betroffene Landwirt. Es laufe alles „auf eine Enteignung hinaus.“ Die Meinung in der Fraktion seien 50:50, sagte Thorsten Reuter (FWG/OL). Besser sei es, „in eine neue Runde zu gehen und genaue, neue Zahlen zu bekommen.“

 „Die Umgehungsstraße darf nicht zur Fußnote der Geschichte werden“, sagte Helga Schlattmann (FDP). Deswegen stimme sie dem Vorschlag zu. Die geplante Trasse sei nur eine Teillösung, sie bezweifele aber, dass die anvisierten Gespräche etwas bringen könnten. 

So stark ist die Lärmbelastung

Fraktionskollege Jürgen Säuberlich sprach ebenfalls von einer „historischen Chance“, fordert aber eine Lösung, die den Anwohnern der Wetterburger Straße eine Entlastung bringe. Dieser Bereich der L 3080 stehe im Lärmaktionsplan des Landes im Landkreis als Lärmkonfliktpunkt an dritter Stelle hinter Berndorf und Twiste . 

Zugleich solle etwas gegen den schlechten Zustand der Straße unternommen werden. Weder der geplanten Umgehung noch weiteren Verhandlungen über eine größere Variante könnten die Grünen zustimmen, sagte Werner Stibbe. 

"Schwarzer Peter" an Landrat

Zum einen müssten die Landwirte geschont werden, zum anderen werde in ein Flora-Fauna-Habitat, ein unter Naturschutz stehendes Gebiet, eingegriffen: Woher soll dann der Ausgleich kommen?“ Hessen Mobil habe schon deutlich gemacht, was geht und was nicht, sagte Stibbe. Jetzt würde nur ein Thema verschoben und erhielten Landrat Kubat und Deutschendorf den „Schwarzen Peter“ zugeschoben.

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