Schrotthändler zu Bewährungsstrafe verurteilt

Bad Arolser Kupferdieb setzt sich nach Russland ab

+
Kupfer ist ein begehrtes Edelmetall: Das Foto zeigt das Ausgangsmaterial, unbehandelten Rohdraht, mit einem Durchmesser von acht Millimetern. 

Bad Arolsen. Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten hat das Amtsgericht in Korbach einen Schrotthändler aus Bad Driburg verurteilt, der tonnenweise gestohlenen Kupferdraht auf Spulen im Wert von mindestens 50 000 Euro angekauft und zur Wiederverwertung weiterverkauft hat.

Der ebenfalls angeklagte Kupferdieb hatte sich kurz vor Prozessbeginn in seine russische Heimat abgesetzt. Er wird jetzt per Haftbefehl gesucht.

Der 36-Jährige war Mitarbeiter eines Partnerunternehmens der Firma Essex, die lackisolierte Runddrähte herstellt und auf großen, rund 800 Kilogramm schweren Spulen an ihre Kunden ausliefert. Mindestens zwölf dieser Spulen hatte der Kupferdieb zwischen März und Juni 2016 abgezweigt und in seiner Garage gelagert. 

Wahrscheinlich war er über Flugblätter auf den aus Kirgisien stammenden Schrotthändler in Bad Driburg aufmerksam geworden. Der kam mehrfach nach Bad Arolsen, um die Ware abzuholen und an seinen Zwischenhändler zu verkaufen.

Wie kam die Kripo dem Kupferdieb auf die Schliche?

Der Geschäftsführer des Schrott-Großhändlers berichtete, dass in der Branche Barzahlung üblich sei. Weil allen bewusst sei, dass hier auch leicht Hehlerware verkauft werde, müsse jeder Händler bei Anlieferung schriftlich versichern, dass er rechtmäßig Eigentümer der verkauften Ware sei. Um das zu beweisen, habe der Angeklagte gefälschte Herkunftsnachweise vorgelegt. 

Aufgeflogen war der Handel durch einen anonymen Hinweis an die Kripo Paderborn. Bei den Ermittlungen stießen die Beamten schließlich auf den Dieb aus Bad Arolsen und seine beruflichen Kontakte zur Firma Essex. Die Zuordnung der gestohlenen Kupferspulen war vergleichsweise einfach über Produktionsaufkleber möglich. Nur über die genaue Schadenshöhe gab es abweichende Angaben: 16 bis 23 Tonnen im Wert von 47.000 bis 98.000 Euro.

Was war das für ein Deal vor Prozessauftakt?

Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Hehlergeschäft, rund 11 000 Euro, habe er dazu verwendet, seiner schwerkranken Mutter in Kirgisien zu helfen, erklärte der Angeklagte am Donnerstag vor dem Korbacher Amtsgericht. Er habe Medikamente gekauft, den Arzt bezahlt und dann sei die Mutter dennoch gestorben.

Doch er kam zurück nach Deutschland und stand zu seiner Schuld. So präsentierte sich der 52-jährige Schrotthändler aus Bad Driburg gestern als in vollem Umfang geständiger Angeklagter.

Mit der Aussicht auf dieses Geständnis hatten sich Staatsanwalt und Richterin vor Prozessauftakt mit dem Strafverteidiger auch auf ein maximales Strafmaß von einem Jahr und sechs Monaten für den Fall verständigt, dass der Angeklagte alle Hintergründe der Tat aufdecken würde.

Haftbefehl für flüchtigen Kupferdieb erlassen

Und so kam es, dass es am Ende sogar noch einen Monat „Rabatt“ für die Bereitschaft gab, wenigstens den eigenen Gewinn in Monatsraten von 250 Euro an die bestohlene Firma Essex wieder abzustottern.

Der flüchtige Kupferdieb jedoch, der es vorgezogen hatte, sich am 4. Juni im Arolser Rathaus korrekt abzumelden, steht nun auf der Fahndungsliste. Gegen ihn wurde noch während der Verhandlung ein Haftbefehl erlassen.

Unmittelbar nach Aufdeckung der Tat hatten führende Mitarbeiter der Firma Essex Kontakt mit ihrem Partnerunternehmen aufgenommen und dann gemeinsam ein Gespräch mit dem Verdächtigen geführt. Der Kupferdieb gab seine Taten vor Zeugen zu und zeigte den Vertretern der Firma auch, an welcher Stelle er die Kupferspulen über den Zaun gehoben hatte. Eine weitere Zeugin hatte beobachtet, wie der Kupferdieb einige Tage später die Spulen mit einem Hubwagen aus seiner Garage in den Lieferwagen des Schrotthändlers einlud.

Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren

Beim Schotthändler fand die Kripo Paderborn jede Menge Abrechnungsbelege seines Großabnehmers. Daraus lassen sich die meisten Kupferlieferungen und Bargeldauszahlungen nachweisen.

Belegbar waren danach 16 Tonnen Kupferverkauf zum Preis von rund 47 400 Euro. Davon gingen 36.300 Euro an den Kupferdieb und es bleiben 11.100 Euro Gewinn beim Hehler. Ursprünglich angeklagt waren von der Staatsanwaltschaft Kassel der Diebstahl von knapp 23 Tonnen Kupfer mit einem Verkehrswert von 98.000 Euro.

Die Firma Essex ist in der Vergangenheit schon mehrfach Opfer von Einbrüchen und Diebstählen geworden. Besonders groß war der Anreiz, als Kupfer an den Warenterminbörsen fast so teuer gehandelt wurde wie Gold. Inzwischen ist der Preis wieder etwas gesunken und die Firma Essex hat ihre Sicherheitsvorkehrungen drastisch hochgefahren.

Warum hat die Staatsanwaltschaft die 37.000 Euro Bargeld wieder herausgegeben?

Besonders ärgerlich in diesem Fall:  Hier war es der Polizei gelungen, bei einer Hausdurchsuchung genau die Summe Bargeld zu finden, die der Hehler dem Dieb gezahlt hatte. Ein findiger Anwalt schaffte es dennoch, die Staatsanwaltschaft Paderborn per Beschluss des dortigen Amtsgerichts zur Herausgabe des beschlagnahmten Geldes zu verpflichten. 

Angeblich hatte der geständige Kupferdieb das Geld von einem Freund für den Kauf eines Autos erhalten. Bei Eröffnung des Strafverfahrens jedenfalls waren nicht nur das gestohlene Kupfer und das Hehlergeld weg, sondern auch der Kupferdieb: Der hatte sich am 4. Juni im Rathaus abgemeldet und nach Russland abgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare