Festakt des Geschichtsvereins für den 100. Band der Geschichtsblätter für Waldeck

Nur Bibel ist weiter verbreitet

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Festakt zur Veröffentlichung des 100. Bandes der Geschichtsblätter für Waldeck: v.l. Vorsitzender Dr. Klaus Wendt, Bürgermeister Jürgen van der Horst, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Museumsleiterin und Mitglied der Schriftleitung Dr. Birgit Kümmel

Bad Arolsen - Ein buntes Potpourri der waldeckischen Geschichte bieten die Geschichtsblätter des Waldeckischen Geschichtsvereins. Zur Würdigung des soeben erschienenen 100. Bandes hatte der Verein am Sonntag zu einem Festakt ins Rauch-Museum geladen.

Als wertvolles Nachschlagewerk für die Geschichte des Fürstentums Wal­deck würdigte Bürgermeister Jürgen van der Horst die traditionsreiche Buchreihe des Wal­deckischen Geschichtsvereins und unterstrich den hohen wissenschaftlichen Maßstab der von Anfang an für alle Textbeiträge gegolten habe.

Als Vorsitzender des Geschichtsvereins verwies Dr. Klaus Wendt auf die über viele Jahrzehnte hochkarätig besetzte Schriftleitung: „Die Namen lesen sich wie ein ‚Who’s who‘ der bürgerlichen Oberschicht von Waldeck.“

Über Kaiserzeit, Weimarer Republik, Drittes Reich, Wiederaufbau in der jungen Bundesrepublik bis hin zur modernen Demokratie im wiedervereinten Deutschland sei es den Machern immer gelungen, den Zeitgeschmack der Leser zu treffen, stellte Dr. Wendt fest. Dabei seien die Geschichtsblätter nur eine von mehreren sehr beliebten Schriftenreihen: 19 Bände seien in der Reihe der Waldeckischen Forschungen erschienen, außerdem neun Waldeckische Historische Schriften, 90 Ortssippenbücher und elf Sonderveröffentlichungen zu ausgewählten Themen.

Und Landrat Dr. Reinhard Kubat ergänzte: Als einer der mitgliederstärksten Vereine in Waldeck garantiert der Geschichtsverein seinen jährlichen Veröffentlichungen eine hohe Auflage: „Nur die Bibel dürfte in Waldeck weiter verbreitet sein als die Geschichtsblätter.“

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke würdigte die Leistung des Geschichtsvereins, die Vergangenheit für breite Massen begreifbar zu machen. Der Verein habe in den 150 Jahren seit Gründung seines Vorgängervereins vieles bewegt und vergessene Schätze gehoben. Die Geschichtsbände seien ein unentbehrliches Nachschlagewerk, das kleine Begebenheiten ebenso beleuchte wie die großen Ereignisse der Weltgeschichte.

Der erste Band der Geschichtsblätter erschien 1901. Das Ziel, jedes Jahr einen neuen Band zu publizieren, sei wegen zweier Weltkriege nicht erreicht worden, machte der aktuelle Vorsitzende der Schriftleitung, Dr. Jürgen Römer, deutlich.

In seinem Rückblick auf mehr als 100 Jahre systematische Geschichtsforschung in Waldeck erinnerte Dr. Römer an Pfarrer Varnhagen als Vater der Waldeckischen Geschichtsschreibung. Ihm sei es zu verdanken, dass Waldecker Traditionspflege mehr sei als Fürstenverehrung und „Mein Waldeck lebe hoch“.

Der Festvortrag zeichnete die inhaltliche Entwicklung der Geschichtsblätter und die personellen Veränderungen in der Schriftleitung nach. Bei aller Modernität setze man aber auch in Zukunft auf gedruckte Geschichtsblätter und widerstehe allen Bestrebungen nach einer Online-Veröffentlichung. Das habe nichts damit zu tun, dass der Verein längst unter der Adresse www.waldeckischer-geschichtsverein.de im Internet präsent sei. Von Elmar Schulten

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