Ausstellung mit Werken von Dekan i.R. Heinz Gerlach in der Stadtkirche

Biblische Botschaften in Holz

Dekan i.R. Heinz Gerlach vor seinem Werk zu den zehn Geboten. Jedem Gebot ist ein hölzernes Quadrat mit einer Schnitzerei voll tiefer Symbolik zugeordnet. Fotos: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Seine Kreativität ist bewundernswert: Dekan i.R. Heinz Gerlach lädt zum siebten Mal zu einer großen Ausstellung neuer Werke aus seiner Künstlerwerkstatt in die Stadtkirche ein.

„Ich war Waldorf-Schüler und habe in der Oberstufe Plastiken geschnitzt“, verrät der engagierte Theologe auf die Frage nach der Quelle seiner immer neuen Schöpfungen.

Handwerkliches Schaffen hat ihm schon immer Freude bereitet, aber seit seiner Pensionierung ist er besonders eifrig damit beschäftigt, theologische Aussagen in Kunstwerke zu übersetzen. Gerlach hat gemalt und geschnitzt, seine Werke waren außer in Bad Arolsen auch in Wolfhagen, Kassel, im Kloster Engelhard in der Wetterau und im Kloster Kirchberg in der Schwäbischen Alb zu sehen.

Hauptstücke des Glaubens

„Manchmal muss ich darauf warten, dass die Muse mich küsst“, erzählt der 75-Jährige schmunzelnd. Wenn sich der kreative Gedanke abermal verfestigt habe, dann mache er sich selbstständig und produziere ganze Serien von Kunstwerken. „Dabei geht es mir nicht um handwerkliche Vollkommenheit. Das können andere besser. Ich will Handwerkliches mit Theologischem verbinden.“ So war es auch diesmal: „Hauptstücke des Glaubens in Holz“ lautet der Titel der neuen Ausstellung, die nicht zufällig zum Luther-Jubiläum fertig geworden ist. Die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, das Abendmahl und die Taufe sind nicht nur als Luthers „Kleiner Kathechismus“ ein Begriff, sondern auch Titel von Gerlachs neuen Kunstwerken aus Holz. Lindenholz, um genau zu sein.

Heinz Gerlach hat 20 mal 20 Zentimeter große Quadrate aus Lindenholz mit dem Schnitzmesser bearbeitet und damit Bildgeschichten zu jedem einzelnen Gebot, jedem sinntragenden Terminus aus dem Glaubensbekenntnis und dem Vaterunser geschaffen.

Sprechende Bilder

Das Glaubensbekenntnis in Bildern etwa sieht nicht nur aus wie eines jener aufwendig gestalteten Kirchenfenster aus dem Mittelalter. Es liest sich auch so. Von unten nach oben in drei Kolumnen, die in Gottvater, Sohn und Heiligem Geist münden. Das Vaterunser ist dargestellt als Davidstern, zwei Dreiecke. Eines, das nach unten gerichtet ist, von Gott zu den Menschen. Eines, das nach oben strebt, von den Menschen zu Gott. Dazwischen die Bildaussagen des wichtigsten Gebetes aller Christen.

Von Salomo bis Kreuzweg

Als hölzernen Kreis mit neun innen liegenden Bildquadraten interpretiert Gerlach die Zehn Gebote. Systematisch gegliedert in jene Gebote, die das Verhältnis der Menschen zu Gott regeln, und jene, die das menschliche Zusammenleben regeln.

Bemerkenswert hier: Das siebte Gebote ist dargestellt als ein Mensch in Fesseln. Dazu Gerlach: „Im Urtext wird hier das Wort für Versklaven verwendet. Gemeint ist das Berauben der Freiheit. Daraus wurde später: Du sollst nicht stehlen. Das ist eigentlich auch im zehnten Gebot enthalten.“

Auch die Urgeschichten der Bibel, die ersten elf Kapitel, hat Gerlach in Holz geschnitzt, und zwar unter dem Blickwinkel: „Wie wird Start und Ziel der Geschichte in der Bibel gesehen?“

Weitere Themen sind das Leben Jesu - wahrer Gott und wahrer Mensch, die Auferstehung, Werke der Barmherzigkeit und Gottes Bündnisse mit ausgewählten Menschen. Dazu gibt es Bilder zu zwölf Sprüchen Salomos und zehn Kreuzwegstationen. Sechs abstrakte Vollplastiken aus ganz unterschiedlichen Holzarten und Formen regen die Fantasie an.

Für alle diejenigen, die Gerlachs Gedanken auf den Grund gehen wollen, hat der Künstler kleine Handreichungen zu jedem seiner Werke vorbereitet. Außerdem hat er sich vorgenommen, vom 31. Mai bis 14. Juni täglich von 15 bis 18 Uhr in der Stadtkirche präsent zu sein, um Fragen zu beantworten und Anregungen aufzunehmen.

Bei Interesse bietet Gerlach auch Gruppenführungen, etwa während der Barock-Festspiele, an.

Die Ausstellung mit Holztafeln und Vollplastiken wird am Sonntag, 31. Mai, um 10 Uhr im Gottesdienst von Pfarrer Gerhard Lueg eröffnet.

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