Städtepartnerschaft sorgt für Austausch über den großen Teich hinweg

Wir bleiben in Kontakt

Deutsche Auswanderer haben Mitte des 19. Jahrhunderts im „Wilden Westen“ eine neue Heimat gefunden. Das Foto aus den 1920er-Jahren zeigt eine Werbeaktion für ein Fest in Hermann.

Bad Arolsen / Hermann. - Nach fast 30 Jahren zeigt sich die Städtepartnerschaft zwischen Bad Arolsen und Hermann im US-Bundesstaat Missouri noch immer lebendig und aktiv. Viele Begegnungen überwanden die 7000 Kilometer und wurden zu Freundschaften, die ebenso alt sind wie die Partnerschaft.

Einmal mehr hatte Bernd Radeck, vor einer großen Tour durch Norddeutschland, für rund 25 amerikanische Gäste aus Hermann ein langes Wochenende in Bad Arolsen organisiert. Der Empfang im Schützenhaus glich denn auch einem kleinen Familientreffen, denn für viele war es ein Wiedersehen mit Freunden und einer Stadt, die ihnen ans Herz gewachsen ist. Mit Anekdoten von seinen eigenen Besuchen in Hermann und in gekonntem Englisch begrüßte der Arolser Landtagsabgeordnete Armin Schwarz die Gäste.

Selbstverständlich waren alle bei Gastfamilien untergebracht, auch das hatte Bernd Radeck organisiert, der mit einem strammen Programm den Gästen manche interessante Entdeckung bot. Eine Stadtführung, ein Besuch beim Internationalen Suchdienst, eine Fahrt zum Herkules, eine Besichtigung im Kasseler VW-Werk und schließlich ein Abendessen auf der Königsalm in Nieste - die Gruppe hatte einen straffen Zeitplan, der einige allerdings auch nicht von Kneipenbesuchen in Arolsen abhielt.

Mit dabei auch die beiden ehemaligen Bürgermeister, Bob Kirchhofer und Ernst Hubert von Michaelis, die damals ihr Parlament von der Gründung der Städtepartnerschaft überzeugen konnten.

Hermann, benannt nach Herrmann dem Cherusker, wurde 1836 von deutschen Auswanderern gegründet und so hat bis heute jeder dort deutsche Wurzeln. Darauf ist man stolz und pflegt Erinnerungen und Traditionen. Deutsch allerdings wird kaum noch gesprochen. „Nach nun fast vier Generationen“, erklärt Bob Kirchhofer, „ist es schwer, die deutsche Sprache zu pflegen. Aber unser Zusammenhalt ist groß und wenn wir zusammensitzen, haben wir von vielen schönen Erinnerungen zu berichten.“

Offizielle Städtepartnerschaften sind eigentlich ein Produkt der Nachkriegsgeschichte des 2. Weltkriegs, um die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Staaten zu fördern. Wie das Beispiel Hermann zeigt, geht ihre Bedeutung durchaus weiter zurück und natürlich auch in die Zukunft.

„Ich habe keine Zweifel an der Perspektive“, sagt Ernst Hubert von Michaelis, „diese Städtepartnerschaft bietet Schülern und Erwachsenen so viele Möglichkeiten, etwas über den Alltag der Amerikaner zu lernen, mit ihnen zu sprechen und dadurch häufig auch Freunde zu finden. Eine Chance, die von Jung und Alt immer wieder genutzt wird. Nicht zuletzt natürlich auch durch das Engagement von Bernd Radeck, der unermüdlich unterwegs ist.“

Städtepartnerschaften sind immer auf das freiwillige Engagement der Bürger angewiesen. Bernd Radeck hatte schon als Präsident des Deutsch-Amerikanischen Clubs viele Begegnungen und Reisen nach und mit Amerika organisiert. Und noch immer ist er der Motor der Freundschaft zwischen Hermann und Bad Arolsen.

„Es ist allerdings schade, dass es weniger Schüler sind, die aus Hermann hierherkommen, aber Deutsch ist eben nicht die Hauptsprache in der Schule und so müssen wir auf sie warten, bis es junge Erwachsene sind.“ In Hermann ist es vor allem Steve Miller, der mit seinem Engagement für „Deutschheim“, einem liebevoll angelegten Museum, dafür sorgt, dass die Geschichte des „Good Old Germany“ nicht vergessen wird. „I’m proud to be a German“ sagt er, der eigentlich Müller heißt, und weiter auf Englisch: „Wir haben große Hochachtung vor dem, was die Deutschen hier geleistet haben.“

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