Immanuel Brand zieht Bilanz der mexikanischen Parlamentswahlen

Bleichgesicht erringt Achtungserfolg

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Bad Arolsen/Puebla. - Im fernen Mexiko ist der ehemalige CRS-Schüler Immanuel Brand bei den Parlamentswahlen angetreten. Den Parlamentssitz in seinem Wahlkreis Puebla konnte der 25-Jährige nicht gewinnen, dafür aber jede Menge Erfahrung.

Immanuels Mutter ist Mexikanerin und so stand dem Politikstudenten an seinem Studienort Puebla die Kandidatur offen. Für die WLZ fasst er seine Erfahrungen so zusammen: „Mit 4094 Stimmen landete ich auf dem vierten Platz bei neun im Wahlkreis angetretenen Kandidaten. Die Mehrheit erzielte die Kandidatin der Regierungspartei PRI, der auch der Präsident Peña Nieto angehört.“

Trotz der Niederlage könne er positiv auf seinen Wahlkampf zurückblicken: „Ich habe meinen gesamten Wahlkampf mit exakt 15000 Pesos (900 Euro) bestritten, die mir die Partei zu Beginn des Wahlkampfs zur Verfügung gestellt hatte. Andere Kandidaten investierten über eine Million Pesos.

Ich habe einen Wahlkampf der Inhalte geführt, habe zu jedem Themenschwerpunkt (Ins­titutionen, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Technologie) eine legislative Agenda zusammengestellt.

Ich habe an vier Debatten teilgenommen, zwei von der Universität und je eine von der Industrie- und Handelskammer von Puebla und von einer Bürgergesellschaft organisiert.“

Die Podiumsdiskussionen drehten sich um Bildungspolitik, Familien- und Sozialpolitik, Steuerpolitik und Sicherheitsagenda. Brand: „Bei allen vier Debatten wurde ich mit zwischen 43 und 47 von 50 Punkten bewertet, als bester Teilnehmer. Diese wurden auch im Lokalfernsehen übertragen.“

Stolz ist Brand auf das verstärkte Medieninteresse in Pueb­las wichtigster Zeitung (Sol de Puebla) und bei Radiointerviews zu Nichtraucherschutz und urbaner Entwicklung.

Finger in die Wunde

Auch zu kritischen Themen wie Korruption und Straflosigkeit in den oberen Etagen der Staatsverwaltung hat der junge Mann Stellung bezogen und die Schwäche und Abhängigkeit der Justizinstitutionen angeprangert.

Im Sektor Wirtschaftspolitik legte er Vorschläge zur Bekämpfung von Kriminalität und Korruption vor. Diese Probleme sind laut mexikanischem Wirtschaftsministerium die größten Entwicklungshemmnisse.

Der Wahlkampf war nach Einschätzung des jungen Bad Arolsers von inhaltlosen Massenveranstaltungen der großen Parteien geprägt: „Die PRD (Linkspartei) hat auf dem Zócalo (Zentralplatz) eine riesigen Aufmarsch organisiert; mit lauter Musik, Schlachtrufen und allem, was zum Krachmachen gut ist; interessant: Ich habe fast doppelt so viele Stimmen erhalten wie meine Gegenkandidatin von der PRD.“

Es gab viele Wahlgeschenke, vom Kochtopf bis zur Waschmaschine war alles dabei, die Parteien scheuten keine Kosten. Da konnte der Quereinsteiger aus Deutschland nicht mithalten

Und was hat Immanuel Brand neben seinem Studium als Nächstes vor?

„Ich habe von den Kandidaten meiner Partei im Bundesstaat die meisten Stimmen erhalten, das gibt mir eine gute Basis für die nächsten Wahlen. Ich habe einen beachtlichen Verhandlungsspielraum, kann also 2018 auf eine mögliche erneute Kandidatur hoffen. Allerdings habe ich auch schon ein Angebot von der PRI erhalten, mich denen anzuschließen.“

In Puebla wird 2016 der Gouverneur gewählt und 2018 Bundes- und Landesparlamentarier. Es bleibt also spannend. Brand: „Ich kann mich jedenfalls nicht mehr so einfach aus der Politik zurückziehen. Dafür habe ich bei diesen Wahlen zu viel Aufmerksamkeit gewonnen. Ich bekam sogar Spitznamen in der politischen Presse: Das Weißgesicht, der Deutsche, der Akademiker, der Besserwisser, der Choleriker.“

Damit kann Immanuel Brand umgehen. In Bad Arolsen war er Schulsprecher der Christian-Rauch-Schule und Mitglied der Jungen Union. Als Sohn eines deutschen Vaters und einer mexikanischen Mutter besitzt Immanuel Brand Rivas y Taboada beide Staatsangehörigkeiten. In Bad Arolsen ist er zweisprachig aufgewachsen.

In beiden Ländern zu Hause

2009 legte er an der Christian-Rauch-Schule die Abiturprüfung ab. Nach einem Jahr Zivildienst in einer Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Thüringen nahm er ein Politikstudium an der Universität von Puebla auf. In der Industriestadt Puebla dreht sich fast alles um das dortige große Volkswagenwerk.

Brands Studienschwerpunkte an der Uni sind Entwicklungspolitik und institutionelle Entwicklung. Aktuell arbeitet er an seiner Diplomarbeit zur deutsch-mexikanischen Zusammenarbeit. Nebenbei arbeitet er als Hilfswissenschaftler im Bereich Internationale Entwicklungspolitik und als Übersetzer für die Staatsanwaltschaft von Puebla.

Mit seinem angestrebten Abschluss kann er sich um die Aufnahme an der Diplomaten-Akademie des mexikanischen Außenministeriums bewerben. Damit stehen ihm Karrieren in der Landesverwaltung, in der Politik oder gar auf diplomatischem Parkett offen. Aber vielleicht klappt es ja doch noch mit einer Karriere in der mexikanischen Innenpolitik.

Von Elmar Schulten

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