Neue Ausstellung im Residenzschloss bietet Schätze

Künstlerischer Blick auf Arolsen in drei Jahrhunderten 

Arolser und ihre Ansichten: Die Installation von Natascha Karl und Fabian Behlen lockte zahlreiche Besucher der Vernissage im Schlos Bad Arolsen. Auf dem Bild Christine Beine vom Jugendzentrum.

Bad Arolsen – Bad Arolsen, wie es sein sollte, wie es gesehen wird und wie es sich präsentiert, wird in der am Freitag eröffnete Ausstellung „Ansichten von Arolse(r)n“ zum 300. Stadtgründungsjubiläum gezeigt.

Unter der Regie von Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel entstand eine informative, künstlerisch inspirierte und auch unterhaltsame Zusammenstellung, die von der Zeit vor der Stadtgründung 1719 bis in die Gegenwart reicht.

Berühmte Schriftstellerin

Mit einem Hörspiel, bei dem die aus Schmillinghausen stammende Schriftstellerin Christine Brückner über ihr Verständnis von Heimat spricht, bekam zumindest die Vernissage in dem voll besetzten Steinernen Saal des Residenzschlosses eine literarische Dimension hinzu. Der Mensch sei ein mobiles Wesen, bringt die Autorin ihren Heimatbegriff auf den Punkt. Das Hörspiel kann im Historicum 20-Gebäude weiter gehört werden.

Ohne Anregungen von außen wäre die Stadt Arolsen so nicht geplant und gebaut worden, wie wir sie jetzt kennen. Gebührenden Raum nehmen daher Zeichnungen des aus dem Elsass stammenden Erbauers der Stadt, Julius Ludwig Rothweil, und seines Sohnes Franz Friedrich ein.

Historische Fotografien

Hinzu kommen die Veduten des 19. Jahrhunderts, an der Realität orientierte, informative Ansichten von Städten und Landschaften. Der Bad Arolser Kaufmann und Sammler Paul Jäger stellte Bildpostkarten zur Verfügung, die ab Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt in Umlauf kamen. Fotografien, die zum Teil Mitglieder er fürstlichen Familie zeigen bilden den historischen Teil.

Lithographien des Hof-, Tanz- und Zeichenlehrers Alfred Yark, Landschaftsbilder der „Meisterin des Lichts“ (Kümmel) Toni Schulz oder die „melancholischen Zauber“ verströmenden Winter-Ansichten von Hans Seyppel illustrieren die Perspektiven des 19. Jahrhunderts auf Bad Arolsen. Arbeiten des Arolser Malers Dieter Blum oder des verstorbenen früheren Landrats Dr. Horst Bökemeier dürfen nicht fehlen.

Malender Landrat

Den vergangenen Ausstellungen von Museum und Museumsverein hat die Arolsen-Schau viel zu verdanken. Unvergessen und weltweit zu sehen war der 1992 parallel zur Documenta aufgebaute zwölf Meter hohe Blumenhund „Puppy“ des amerikanischen Künstlers Jeff Koons. Fotos von Udo Reuter aus der Zeit illustrieren Entstehung und Wahrnehmung.

Frank Rödel ist mit Tuschebildern, Ingolf Timpner sowie Eva Witter und Harald Mante sind mit fotografischen Experimenten zu sehen, Dieter Schwerdtle mit überdimensionalen Portraitfotos von Arolser Bürgern.

Arolser und ihre Ansichten: Die Installation von Natascha Karl und Fabian Behlen lockte zahlreiche Besucher der Vernissage im Schloss Bad Arolsen. Auf dem Bild Christine Beine vom Jugendzentrum.

Für die Leihgaben dankte Museumsvereins Vorsitzende Ulrike Hesse und für die finanzielle Unterstützung unter anderem dem Land Hessen. Den beiden Praktikanten Natascha Karl und Fabian Behlen (siehe nebenstehenden Bericht) dankte sie für die aktuellen Foto-Installationen. „Viele Arolser Bürger erlaubten uns, in ihr Nähkästchen zu schauen“, freute Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Auf den letzten Drücker ist die Foto-Installation der Graphikdesignerin Natascha Karl aus Mengeringhausen und des Historikers Fabian Behlen aus Welleringhausen für die Ausstellung „Ansichten von Arolse(r)n“ fertig geworden.. Zwei Wochen vor der Vernissage am Freitag wurde sie vollendet. 

30 Menschen interviewt

30 Arolser oder mit Arolsen verbundene Menschen sind in einem kleinen Raum via Bildschirm zu sehen und einem kurzen Statement über ihre Beziehung zu 300-jährigen Stadt. 

Beide sind derzeit als Praktikanten im Museum tätig  und haben im März auf Anregung von Museumsleiterin Birgit Kümmel mit dem Projekt begonnen. Umso erstaunlicher, wie umfangreich und ansprechend die in einer Dauerschleife zu sehen Portraits von Menschen geworden sind, die zwischen 14 und über 80 Jahre alt sind. 

"Viel Herzblut"

Natascha Karl hat zusammen mit Fabian Behlen die Interviews geführt. Die Texte stammen von ihm, ihre Digitalfotos hat sie am PC mithilfe eines Bearbeitungsprogramms künstlerisch gestaltet. „Darin steckt viel Herzblut und Arbeit“, schildert Natascha Karl den Schaffensvorgang. Kein Wunder, dass dieses Arolser Fernsehprogramm bei der ohnehin bestens besuchten Vernissage sich zahlreicher Zuschauer erfreute.

 „Ansichten von Arolse(r)n“, Ausstellungen im Schloss, bis 7. Juli. Geöffnet mittwochs bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr; sonntags 11 bis 17 Uhr. Sonntagsführungen um 11.15 Uhr. Telefon: 05691/625734, www.museum-bad-arolsen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare