Interview mit Bloggerin Laura Scheffczyk über Corona-Auswirkungen

In Thailand gestrandet: „Ich fühle mich hier sicher“

+
Die Bloggerin Laura Scheffczyk verdient unter anderem durch das Veröffentlichen von Fotos auf Instagram Geld. Ihre Basis ist auf Bali, von dort aus ist sie viel unterwegs. Die Coronakrise erlebt sie in Thailand.

Bali ist seit fast zwei Jahren die neue Heimat von Bloggerin Laura Scheffczyk. Derzeit ist die gebürtige Mengeringhäuserin allerdings in Thailand gestrandet.

Wie die 27-Jährige dort die Corona-Auswirkungen erlebt und wie die Pandemie Reisen verändern wird, darüber spricht sie im Interview.

Laura, hattest Du Reisen geplant, die du aufgrund des Coronavirus stornieren musstest?

Ich hatte einige Reisen geplant, unter anderem bezahlte Trips und Kooperationen zum Himalaya und nach Tunesien. Das wird verschoben. Es kommt mir gerade zugute, dass ich nicht sonderlich gern lange im Voraus plane, was meine Reisen angeht. Mein Job erlaubt es mir, morgen spontan meinen Koffer zu packen und ans andere Ende der Welt zu fliegen. Geplant war es aber, im April nach Europa zu kommen und den Sommer über zu bleiben. Dann hätte ich auch zum ersten Mal, seit ich mich vor anderthalb Jahren selbstständig gemacht habe, meine Oma in Mengeringhausen besucht. Aber ich denke, dass das auf jeden Fall dieses Jahr noch passieren wird.

Du bist derzeit in Thailand. Wie lange wirst Du dort noch bleiben und wie frei kann man sich bewegen?

Ich bin seit Januar hier, eigentlich waren nur ein bis zwei Monate geplant. Ich muss sagen, dass ich mich sehr unwohl gefühlt habe zu der Zeit, als in Deutschland die Zahl der Infizierten gestiegen ist. Wir Deutschen haben eigentlich einen sehr priviligierten Reisepass, aber immer mehr Länder im Umkreis haben Einreisestopps gegen andere Länder verhängt, und darunter waren Italien und Deutschland ganz oben. Ich bin Anfang März von Kambodscha nach Thailand gereist und hatte ein mulmiges Gefühl, als Deutsche vielleicht nicht einreisen zu dürfen.

Aber ich fühle mich jetzt hier sicher und finde, dass vieles einfacher ist, als es in Deutschland wäre. Die großen Shopping-Malls sind geschlossen, aber Cafés und Restaurants sind geöffnet und bieten fast alle eine Abholung an, einen Lieferservice über die sozialen Medien oder verschiedene Liefer-Apps. Man kann sich hier frei bewegen, es gibt nur eine Ausgangssperre zwischen 22 und 4 Uhr. Ich denke, ich werde noch hier bleiben, bis sich die Situation etwas beruhigt hat.

Gibt es einen Sicherheitsabstand und die Pflicht, Mundschutz zu tragen?

Ehrlich gesagt war Corona hier schon ein Thema, bevor es in Deutschland ankam. Das war im Januar, und seitdem gibt es an jedem Eingang einen Desinfektionsspender und Securitymitarbeiter, die jedem ein Fieberthermometer an die Stirn halten. Mundschutz wird seit Januar getragen, allerdings ist das in Asien generell nicht so ungewöhnlich wie vielleicht in Deutschland. Im Fahrstuhl meines Appartement-Hauses gibt es Einweg-Wattestäbchen, um die Tasten für die Etage zu drücken, und in Restaurants sind Stühle meist mit einem Sicherheitsabstand von zwei Metern in Zweier-Reihen aufgestellt. Hier war von Anfang an alles relativ gut organisiert.

Bedeutet das Virus eine Umsatzeinbuße für dich?

Bei vielen Influencern und Bloggern beobachte ich das, da viele Firmen in der Reisebranche das Marketingbudget runtergeschraubt haben. Ich habe aber mehrere Online-Einkommensströme, daher ist es für mich nicht weiter schlimm. Ich habe sogar mehr zu tun als vorher, denn ich unterstütze auch Firmen und Selbstständige bei ihrem Social-Media-Auftritt und Menschen, die sich online ein zweites Standbein aufbauen wollen. Beides ist momentan sehr gefragt.

Wie gehst Du persönlich mit Corona um, machst Du dir Sorgen um deine Gesundheit?

Für mich hat sich nicht viel geändert, da ich mit Kunden und privaten Kontakten online kommuniziere. Ich habe keine Sorge um meine Gesundheit, ich halte mich einfach an die Regeln. Es bringt nichts, zuhause zu sitzen und sich auszumalen, was alles passieren könnte. Man sollte versuchen, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Wie werden Fernreisen in Zukunft aussehen?

Das ist eine spannende Frage. Ich denke, wir werden es generell mehr zu schätzen wissen, ich denke aber auch, dass bei diesem Thema wieder Normalität einkehren wird. Die Frage ist nur, wann. Ich hoffe, dass sich alles schnell beruhigt, denn in vielen Ländern Südostasiens leben viele Menschen ausschließlich vom Tourismus. Und diese Länder sind nicht so gut aufgestellt, dass sie kleine Betriebe finanziell unterstützen können. Viele Hotelangestellte werden entlassen. Ich beobachte seit Wochen, dass hier an den Tempeln kostenlos Mahlzeiten ausgegeben werden, da sich die Menschen nichts mehr zu essen leisten können.

Unbeschwerte Fernreisen wird es 2020 nicht geben. Für die Zeit danach sollte man sich überlegen, ob man für die nächste Reise nicht mal ein kleines, familiengeführtes Hotel bucht und nicht einen großen All-inclusive-Hotelbunker. Was ich sehr hoffe, ist, dass bestimmte Hygienemaßnahmen beim Reisen und Fliegen beibehalten werden. Zum Beispiel, dass sich jeder in regelmäßigen Abständen die Hände wäscht.

Das ist Laura Scheffczyk

Die 27-Jährige kommt gebürtig aus Bad Arolsen-Mengeringhausen, wo ihr Vater und ihre Oma noch immer leben. Aufgewachsen ist Scheffczyk in Kassel. Sie hat dort die Waldorfschule und die Walter-Hecker-Schule (heute Arnold Bode Schule) besucht und anschließend eine Ausbildung zur Hotelkauffrau im Schlosshotel in Kassel absolviert. 

Bei einem Urlaub auf Bali vor gut zwei Jahren entschied sie spontan, einfach zu bleiben. Seitdem arbeitet sie in Asien und verdient unter anderem ihr Geld damit, Fotos für Hotels zu machen, die sie auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare