WETTERBURG

Bouffier zum Ehrenamt: Freizeit opfern für gute Sache

- Bad Arolsen-Wetterburg (-es-). Innenminister Volker Bouffier ist ein „alter Hase“ im Polit-Geschäft. Er wundert sich nicht mehr, wenn bei einer Wahlveranstaltung wie in der Wetterburger „Twisteseehalle“ nur 60, 70 Zuhörer sitzen. Aber die, die kommen, weiß er zu fesseln mit seiner Art zu reden.

Als oberster Dienstherr der hessischen Polizei begrüßt er per Handschlag zunächst die Beamten, die zu seinem Schutz hierher bestellt wurden. Das Signal kommt an: Ich weiß, dass sie einen schwierigen Dienst absolvieren. Danke dafür. Ähnlich sein Auftreten vor Publikum: Das Thema lautet Ehrenamt: „Der Ehrenamtler ist es gewohnt, gelobt zu werden. Aber das allein reicht nicht“, sagt Bouffier und plaudert aus seinem gut sortierten Nähkästchen, was Vereinsvorstände so alles zu ertragen haben. Da ist der Ärger mit dem Finanzamt, wenn beim Turnier weniger Würstchen umgesetzt wurden als der Finanzbeamte nach der Gästeliste auf dem Plakat errechnet hat. Drei Jahre habe es gedauert, bis akzeptiert wurde, dass weniger Gastmannschaften angetreten seien als ursprünglich angemeldet. Wegen Fällen wie diesem habe sein Ministerium zusammen mit dem Sportbund und den Finanzämtern Informationsveranstaltungen organisiert. Schließlich müsse man die Vereinsvorstände nicht von Amts wegen frustrieren und zur Aufgabe ihrer Posten drängen. Bouffier rechnet vor, wie unbezahlbar der Einsatz von ehrenamtlichen Jugendbetreuern abends und an den Wochenenden für die Gesellschaft ist. Das Gleiche gelte für die Rettungsdienste. Wenn im Zuge des demografischen Wandels die Nachwuchssorgen der Feuerwehren größer würden, müssten neue Lösungen gefunden werden. Vor allem müsse es gelingen, auch Neubürger mit Migrationshintergrund zum ehrenamtlichen Engagement zu motivieren. Und schließlich bricht Bouffier eine Lanze für die Kommunalpolitiker, die lange Abende über Haushaltsplänen brüten und dann nur daran gemessen werden, ob sie der einen oder anderen Interessengruppe ihre Wünsche erfüllten. Dabei müssten gerade in Zeiten knappen Geldes unangenehme Entscheidungen durchgesetzt werden. Dazu gehöre auch die interkommunale Zusammenarbeit, die Zusammenlegung von Standesämtern, Ordnungsämtern, Personalämtern. All das werde von Ehrenamtlichen entschieden, die damit einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der demokratischen Gesellschaft leisteten. So ganz ohne Wahlkampf konnte die Veranstaltung drei Wochen vor der Bundestagswahl nicht zu Ende gehen: Die Wahl sei noch längst nicht gelaufen. Die Landtagswahlen vom Wochenende hätten allen in der CDU gezeigt: „Im Schlafwagen wird das nichts.“Für Bouffier jedenfalls steht fest: „Wer in schweren Zeiten politische Stabilität will, kommt nicht ohne die CDU aus.“ – Der Applaus war ihm sicher bei der CDU-Wahlveranstaltung in Wetterburg.

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