Tückischer Pilz zieht Spur der Zerstörung durch die Barockstadt

Brandkrustenpilz: Zwei Linden auf dem Bad Arolser Kirchplatz gefällt

Baumpfleger mit Schutzanzügen und Kettensägen arbeiten an zwei großen Linden auf dem Bad Arolser Kirchplatz.
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Eine etwa 120 Jahre alte Linde musste auf dem Bad Arolser Kirchplatz gefällt werden, weil sie vom Brandkrustenpilz befallen war und nicht mehr sicher stand.

Der Brandkrustenpilz zieht seine zerstörerischen Spuren durch die barocke Altstadt: 2017 musste die stolze, 250 Jahre alte Buche vor dem Residenzschloss fallen, weil der Pilz ihre Wurzeln befallen und die Standsicherheit des Naturdenkmals gefährdet hatte.

Bad Arolsen - Nun traf es zwei Linden auf dem Kirchplatz, eine von ihnen gut und gerne 120 Jahre oder älter.

„Der Brandkrustenpilz befällt zuerst die Wurzeln und frisst sich dann in den Stamm vor“, erläutert der städtische Baumpfleger Mihael Daruk. Auffällig seien die deutlichen Bodenbewegungen im Bereich der Wurzeln gewesen. Und tatsächlich: Sobald die von der Stadt beauftragten Baumpfleger vom Hubsteiger aus an den Kronen wackelten, bewegten sich auch die auf der Baumscheibe gepflanzten Stiefmütterchen. Außerdem deutet Daruk zielsicher auf weiße Ausblühungen am Stamm: „Das sind die Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes.“

Das Fällen tut weh, muss aber sein

Nach einer Viertelstunde Motorsägeneinsatz und sieben abgestumpften Sägeketten kann der dicke Stamm mit seinen rund zweieinhalb Metern Umfang am Boden per Kran angehoben werden.

Die Baumpfleger greifen zum Besen und kehren das Sägemehl zur Seite. An der Schnittkante sind sie nun deutlich zu sehen, die schwarzen „Brandkrusten“, die dem Pilz seinen Namen geben. Daruk bekräftigt: „Es fällt uns allen nicht leicht, diese Bäume zu fällen. Stünden sie mitten im Wald könnten sie noch ein paar Jahre stehen bleiben, bis Wind sie umwirft. In der Stadt geht das nicht. Wir müssen genau dokumentieren, was wir tun, um die Verkehrssicherheit auf Wegen und Plätzen zu gewährleisten.“

Baumfällarbeiten auf dem Kirchplatz von Bad Arolsen. Zwei altersschwache Linden müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit fallen.

Regelmäßig gebe es Schadensersatzforderungen, wenn ein Ästchen ein Autodach zerkratzt habe. Nicht auszudenken, welche Folgen es hätte, wenn ein Passant am Kirchplatz von einem schweren Ast getroffen würde.

Konzept zur Neugestaltung des Kirchplatzes ist nötig

Im Falle des Brandkrustenpilzes sei auch weniger mit einzelnen, herabfallenden Ästen zu rechnen. Daruk: „Weil die Wurzeln zunehmend vom Pilz zersetzt werden, können die befallenen Bäume jederzeit ohne Vorwarnung umfallen. Eine große Gefahr, die in der Innenstadt nicht geduldet werden kann.“

Wer genau hinsieht, erkennt auf diesem Stück einer Baumscheibe vom Kirchplatz die schwarzen Brandkrusten, die dem Brandkrustenpilz seinen Namen gaben.

Als Nächstes sei geplant, die leeren Baumscheiben provisorisch mit Blumen, später auch Büschen zu bepflanzen. Vor der Neuanpflanzung großer Bäume müsse ein kompletter Bodenaustausch des Wurzelraums erfolgen. Im Gespräch sei auch ein umfassendes Konzept zur Neugestaltung des Kirchplatzes.

Im Übrigen rechnet Daruk damit, dass auch weitere Bäume im Bereich des Kirchplatzes und der Bahnhofstraße gefällt werden müssen. Die Bäume hätten zu lange unter den Bedingungen der autogerechten Stadt leiden müssen. Dazu gehöre Streusalz genauso wie ständige Bauarbeiten im Untergrund. (Elmar Schulten)

Baumfällarbeiten auf dem Arolser Kirchplatz: Brandkrustenpilz gefährdet Standsicherheit

Baumpfleger mit Schutzanzügen und Kettensägen arbeiten an zwei großen Linden auf dem Bad Arolser Kirchplatz.
Baumpfleger mit Schutzanzügen und Kettensägen arbeiten an zwei großen Linden auf dem Bad Arolser Kirchplatz.
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