Rund 200 interessierte Arolser verfolgen Informationsveranstaltung

Brauhaus-Projekt im Bürgerhaus präsentiert: Viel Beifall und einige kritische Fragen

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Hofbrauhaus-Investor Alexander Fitz und Bürgermeister Jürgen van der Horst präsentieren Architekten-Modelle, die zeigen, wie das Quartier zwischen Kaulbachstraße und Violinenstraße einmal aussehen soll.

Dieses Projekt bewegt die Arolser, ist hoch emotional: Es geht um Bier, um die drittälteste Braustätte der Welt und es geht um Arbeitsplätze.

30 bis 35 Arbeitsplätze könnten es werden, 15 in der neuen Brauerei und 15 bis 20 in der Gastronomie des alten Hofbauhauses.

All das erfuhren die mehr als 200 interessierten Bürger, die am Dienstagabend zur Informationsveranstaltung ins Bürgerhaus gekommen waren. 

Eingeladen hatten der Magistrat und der Brauhausinvestor, und das, obwohl eine Öffentlichkeitsbeteiligung rein formell gar nicht nötig wäre, denn bei der Sanierung des alten Hofbrauhauses und für den Abriss der nicht ganz so alten Abfüllanlage reicht eine einfache Baugenehmigung.

Brauhaus-Projekt im Bürgerhaus präsentiert

Ein neuer Bebauungsplan ist allerdings für den Neubau der Brauerei auf der Wiese an der Violinenstraße nötig, denn hier soll eine rund 3075 Quadratmeter große Halle entstehen. Die versiegelte Fläche ist also in etwa so große wie die Fläche, die durch den Abriss an der Kaulbachstraße frei wird.

Bürgerversammlung im voll besetzten Bürgerhaus: Rund 200 interessierte Besucher ließen sich von Investor, Planer und Stadtverwaltung die Pläne für das Brauhaus-Projekt zwischen Mannel- und Violinenstraße erläutern. 

Hier will der Investor, der Chef der H-Hotels-Kette Alexander Fitz, den früheren Pferdeteich wieder entstehen lassen. Dazu soll der vor Jahrzehnten verrohrte Leitegraben teilweise wieder freigelegt werden. 

Viel Beifall und einige kritische Fragen

Eine regelrechte Parkanlage soll hier entstehen, die mit Biergarten und Spielplatz zum Verweilen einlädt. Direkt am Teich soll ein Pavillon aus Stahl und Glas entstehen. Dazu ein Steg, der auf das Wasser führt.

Das Haus Poncelet, das stark vernachlässigte Eckhaus an Kaulbachstraße/ Mannelstraße will Fitz fachgerecht sanieren lassen und und hier sechs Ferienwohnungen einrichten.

Die Hotelzimmer im Obergeschoss des Hofbrauhauses will der Hotelkaufmann ebenfalls modernisieren und auf 26 verdoppeln lassen.

Brauerei-Neubau ist gut für das touristische Angebot von Bad Arolsen

Eine Aufwertung für das ganze Quartier und ein Gewinn für das touristische Angebot der Stadt“, schwärmte daher auch Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Und auch die Zuhörer im Saal schienen begeistert. Mehrfach gab es Applaus für die Pläne. Viele Nachfragen drehten sich um das künftige Bier. Es wurden aber auch besorgte Fragen zum künftigen Verkehrsaufkommen, den derzeit noch fehlenden Parkmöglichkeiten und möglichen Emissionen gestellt.

Das Hofbrauhaus vor Beginn der Umbauarbeiten im Sommer 2019.

Für die städtische Verwaltung ist das Brauhaus-Projekt eine Herausforderung, weil der komplette Neubau der Brauerei ein kompliziertes Planverfahren nötig macht. Konkret muss ein Bebauungsplan entwickelt werden. Der Brauerei-Neubau soll sich möglichst in die vorhandene Bebauung einpassen. Deshalb sind klare Vorgaben zu möglicherweise störenden Emissionen nötig. Das betrifft Geruch, Lärm, Autoverkehr. 

Produktionsstätte komplett abgekapselt

Aus naturschutzrechtlicher Sicht muss ein Ausgleich für die Versiegelung der Wiesenfläche geregelt werden. Was die Geruchsbelästigung betrifft, so hat der Anlagenplaner schon gut vorgearbeitet. Gerüche entstehen nur beim Aufkochen des Suds. Deshalb wird der Dampf aufgefangen, gefiltert und aufgefangen, um in einer kurzen Stoßlüftung quasi „als Pfropfen“ abgelassen zu werden. 

Lärm sollte nicht zu hören sein, weil die Flaschensortierung und die Ausgabe von Bierbänken und Bierwagen in das Kasernengelände auf dem Mengeringhäuser Hagen ausgelagert werden. Abfüllung und alle anderen Produktionsprozesse erfolgen in einem komplett geschlossenen Gebäude.

Den zusätzlichen Lkw-Verkehr haben die Anlagenplaner bei einer angestrebten Produktionsmenge von 30 000 Hektolitern auf acht bis zwölf Lkw werktags zwischen 7 und 20 Uhr hochgerechnet. In den ersten Jahren sei aufgrund der geringeren Produktionsmengen nur mit vier bis sechs Lastwagen am Tag zu rechnen. Gefahren wird ausschließlich mit Lastwagen bis maximal 26 Tonnen.

 Für sie wird eine verpflichtende Fahrstrecke von der Mannelstraße über den „Platz der Steinmetze“ zur Violinenstraße und zurück zur Mannelstraße ausgewiesen. Die Wohngebiete im Bereich Pyrmonter Straße und Helisosteig würden überhaupt nicht befahren. Eng wird es in einem kurzen Teilstück der Mannelstraße, das bisher als Einbahnstraße ausgewiesen ist, deshalb soll hier wahrscheinlich künftig Gegenverkehr zugelassen werden. Außerdem könnten in der Mannelstraße bis zu sieben Stellplätze wegfallen. 

Wo sollen die künftigen Brauhaus-Gäste parken?

Die wahrscheinlich größte Herausforderung stellt die Bereitstellung von Parkflächen für die Besucher der Gaststätte dar. Dazu sollen Flächen im Bereich des Spazierweges zum Schlossteich sowie entlang des Zaunes zum Schlossgelände ausgewiesen werden. Ein Parkplatzkonzept ist in der Mache.

Laut Stellplatzsatzung muss das Brauhaus 55 Parkplätze auf seinem Grundstück nachweisen. Positiv für die Umweltbilanz ist dies: Der verrohrte Leitegraben soll teilweise freigelegt, der alte Pferdeteich neu angelegt werden.

Helser Schützen melden schon mal großen Durst an

Die Erwähnung in einer Urkunde aus dem Jahr 1131 macht das Arolser Hofbrauhaus zur drittältesten Braustätte der Welt. Auf die Brautration, die bis zu den Anfängen des Klosters Aroldessen zurückreicht, wird das Vermarktungskonzept aufgebaut sein. 

Die Grundauslastung von 7000 Hektolitern im Jahr sollen die rund 60 H-Hotels abnehmen. Der Rest der bis zu 30 000 Hektoliter Jahresproduktion ist für das Waldecker Land reserviert. Bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend signalisierte bereits Albert Neumann von der Schützengesellschaft Helsen Interesse an einem Bierlieferungsvertag für das Freischießen 2022. Das sollte machbar sein.

Wie sieht der Zeitplan für das Brauhaus-Projekt aus?

 Der Zeitplan sieht derzeit so aus: In der Dezembersitzung des Stadtparlaments soll der Offenlegungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgen. Im Januar könnten die Pläne offengelegt werden, so dass im März über die Anregungen und Einwendungen entschieden werden kann. Bestenfalls kann dann auch schon der Satzungsbeschluss erfolgen.

 Die Projektplanung für den Brauerei-Neubau sind weit fortgeschritten. Mit der Freilegung der historischen Bausubstanz im Hofbrauhaus wurde begonnen. Ziel ist, dass Ende 2021 das erste frisch gebraute Bier fließt.

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