Talbrücken im Verlauf der Bundesstraße B252 unter der Lupe

Brückenkontrolle: Hohlräume im Beton sind gefährlich

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Harmloser Anfahrschaden: Mit dem Hammer lassen sich weitere Betonstücke lösen. Hier muss geflickt werden.

Wer sich mit dem Auto von Diemelstadt nach Korbach auf den Weg macht, der denkt an alles, aber wahrscheinlich nicht an die Standsicherheit der Brücken auf dem Weg in die Kreisstadt. Gut, dass es dafür Spezialisten gibt.

Bad Arolsen. Elastomerlager, Betonauflagen, Hohlstellen, Übergangskonstruktionen und Korrosionsschutz sind das Metier des zertifizierten Bauwerkskontrolleurs Christian Preising. Gemeinsam mit seinen Kollegen Sandra Böhle und Ansgar Schabrich ist er für die Sicherheit der rund 1000 Brückenbauwerke im Verlauf der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Landkreis Waldeck-Frankenberg zuständig.

Alle drei Jahre müssen die Brücken einer Sichtkontrolle unterzogen werden, alle sechs Jahre einer „handnahen Prüfung“. Im Februar 2020 sind die Brücken im Verlauf der Bundesstraße B252 an der Reihe. Mit rund 180 Metern eine der längsten ist die Bicketalbrücke bei Helsen.

Mit dem Hammer auf Hohlstellensuche

Erst 1997 fertiggestellt, ist sie vergleichsweise jung, schließlich wurde sie für eine Lebensdauer von 100 Jahren konstruiert. So alt kann sie aber nur werden, wenn sie regelmäßig kontrolliert und gut gepflegt wird. Die Bauwerksprüfer nehmen jeden Riss im Beton ins Auge.

So kommen die Prüfer an jeden Brückenabschnitt: Am Ende des 16 Meter langen Auslegers gibt es noch eine Hubeinrichtung, mit der jede Ecke erreichbar wird.

Feine Schwundrisse sind normal, aber sobald die Risse größer werden, kann Feuchtigkeit eindringen und den Bewehrungsstahl korrodieren lassen. Rostender Stahl dehnt sich aus und lässt den Beton abplatzen. Und dann wird’s gefährlich.

Bevor der Beton abplatzt, bilden sich Hohlräume. die fallen nur bei einer sorgfältigen, „handnahen Prüfung“ auf. Dabei klopfen die Bauexperten mit einem Hammer alle Oberflächen ab.

Standsicherheit,  Verkehrssicherheit, Dauerhaftigkeit

Hohlstellen fallen dabei sofort durch ihren Klang auf und werden dann schonungslos freigelegt. Genau dokumentiert mit Foto, Lageangabe und Beschreibung der Abmessungen werden die Abplatzungen schnellstmöglich von Betonexperten repariert. An der jungen Bicketalbrücke fanden sich diesmal nur zwei Beton-Abplatzungen.

Und die waren offenbar durch äußere Einwirkung entstanden: Vieles deutet darauf hin, dass ein zu hoch beladendes Fahrzeug auf dem Feldweg, vielleicht ein Holztransporter oder ein zu hoch ragendes landwirtschaftliches Arbeitsgerät die Unterseite der Brücke an zwei Stellen berührt hat.

Dabei sind Betonstücke abgebrochen. Der umgebende Beton hatte Risse, musste ebenfalls abgeklopft werden, um Schäden durch herabfallende Steine zu verhindern.

Wer sich mit dem Auto von Diemelstadt nach Korbach auf den Weg macht, der denkt an alles, aber wahrscheinlich nicht an die Standsicherheit der Brücken auf dem Weg in die Kreisstadt. Gut, dass es dafür Spezialisten gibt.

So kommen die Prüfer an jeden Brückenabschnitt: Am Ende des 16 Meter langen Auslegers gibt es noch eine Hubeinrichtung, mit der jede Ecke erreichbar wird.

Auch hier gilt: Foto machen, vermessen, Lage notieren, zur Reparatur anmelden. Damit sie auch wirklich an jede entlegene Ecke der Spannbetonbrücke mit ihren weit geschwungenen Bögen heranreichen können, haben die Brückenprüfer ein Spezialfahrzeug angemietet. Befestigt an einem Lastwagen, der auf Kommando auf der Brücke vor- und zurücksetzt, hängt ein Brückenuntersichtsgerät mit 16 Metern Steglänge.

Über eine Leiter in schwindelerregender Höhe erreichen Sandra Böhle und Ansgar Schabrich ihren Arbeitsplatz auf der voll beweglichen Arbeitsbühne. Eine Hubbühne am Ende des Auslegers ermöglicht es auch auf der gegenüberliegenden Brückenseite auf und ab zu fahren. So kann zügig gearbeitet werden und die Behinderungen auf der Bundesstraße sind nur kurz.

Am Ende gibt es Schulnoten

Aktuell werden auf den Autobahnen A44 und der A7 viele Brücken Saniert oder komplett ausgetauscht, die in den 60er Jahren errichtet wurden.

Auch sie waren einst für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt. Doch inzwischen sei die Verkehrsbelastung erheblich gestiegen, weiß der Brückenprüfer.

Außerdem habe man in den 60er Jahren bei dem noch relativen neuen Spannbetonverfahren anders gearbeitet als heute. Eine Lehre der kaputten Autobahnbrücken sei, dass heute die Betonauflage auf dem Bewehrungseisen mindestens fünf Zentimeter dick sein müsse.

Christoph Preising prüft den Zustand der Puffer.

Um das zu überprüfen, setzen die Brückenkontrolleure spezielle Messgeräte eine, die auf Induktionsbasis die Betondicke messen. Am Ende einer jeden Bauwerksprüfung gibt es Noten.

Bewertet wird unter den Gesichtspunkten Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Bauwerksprüfer Christian Preising: „Die Noten sind aber nicht verlgeichbar mit Schulnoten, sondern nach einem eigenen Notensystem, erarbeitet von Fachleuten für Fachleute.“

Das Spektrum reicht von 1,0 für einen fehlerfreien Neubau bis 5,0. Bei einer 4,0 besteht sofortiger Handlungsbedarf: Dann spätestens wird gesperrt.

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