Anwohner der Trasse in Twiste gründen Bürgerinitiative

Bürger gegen Umgehungsstraße

Sie protestieren gegen den Bau der geplanten Umgehungsstraße von Twiste: v.l.Hartmut Seidler, Marina Ploghaus, Ümit Kahyar-Tandler und Britta Tandler. Foto: Elmar Schulten

Twistetal-Twiste - Ihr Garten ist eine Idylle unmittelbar an einem Kornfeld und dahinter ein bewaldeter Hügel. Hier soll also die Umgehungsstraße Twiste verlaufen. Kein Wunder, dass Anwohner wie Britta Tandler und Ümit Kahyar-Tandler hiergegen protestieren.

Twistetal-Twiste. „Mensch und Natur - Gegen eine ortsnahe Südumgehung von Twiste“ lautet der Titel der neuen Bürgerinitiative, die sich gestern offiziell formiert hat. Die Tandlers sind dabei. Und sie sind nicht die Einzigen.

Zusammen mit vielen Anwohnern der Straßen Auf dem Lohne, Auf dem Schilling, Katmel, Hingel, Wilhelm-Emde-Straße haben sie die Auslegungsphase der Straßenpläne im Rahmen des laufenden Planfeststellungsverfahrens dazu genutzt, ihre Einwände zu formulieren. Die werden jetzt zusammen mit anderen Stellungnahmen ausgewertet, bewertet und abgewogen.

Naturidylle erhalten

Dieses Verfahren wollen die Anwohner der Umgehungsstraßentrasse nicht abwarten. Deshalb haben sie eine Bürgerinitiative gegründet.

Mit dabei ist Marina Ploghaus. Aufgewachsen in Twiste, wohnt sie jetzt überwiegend in Frankfurt, hat aber noch Grundeigentum entlang der Trasse und will, dass ihr Fleckchen Land das herrliche Refugium bleibt, das es immer war.

„Das ist eine ruhige Idylle hier“, schwärmen die Tandlers. Das ist der Grund, warum wir vor neun Jahren von Korbach hierhergezogen sind.“

Ja, von der Umgehungsstraße sei damals zwar gesprochen worden, aber das habe niemand so richtig ernst genommen. Nun aber steht das Planfeststellungsverfahren in einer entscheidenden Phase. Es ist die letzte Gelegenheit für die Bürger, gehört zu werden: Diese Chance wollen sie nutzen.

Mehr Verlierer als Gewinner

„Entlang der Trasse gibt es rund 100 Häuser, die mit Familien bewohnt sind. Es gibt hier noch Kinder und Jugendliche, rechnet Ümit Kahyar-Tandler vor und verweist auf die Hauptstraße: „Da wohnen höchstens noch 30 Familien. Es gibt dort mehr allein lebende Senioren und fast keine Kinder mehr. Andererseits haben sich an der Hauptstraße Firmen angesiedelt, die von der Straße leben. Da gibt es eine Werkstatt, den Schnellimbiss für Trucker und das Gewerbegebiet mit Baufirmen.“

Bürgermeister Stefan Dittmann habe im WLZ-Bericht zu seinen ersten 100 Tagen kommentiert, beim Bau der Umgehungsstraße gebe es Gewinner und Verlierer. Hier scheine es aber mehr Verlierer als Gewinner zu geben. Das Ganze sei doch kein Glücksspiel.

Im Übrigen seien schon viele ehemalige Anwohner der Hauptstraße auf den Schilling gezogen, um dem Lärm zu entgehen. „Welchen Sinn macht es dann noch, die Umgehungsstraße zu bauen?“ - Das fragt auch Hartmut Seidler, der sich noch an die Bürgerabstimmung Anfang der 80er -Jahre erinnern kann. Die ging seinerzeit mit 53,9 Prozent gegen die Umgehungsstraße aus. Eine ähnliche Abstimmung würde heute wahrscheinlich noch deutlicher dagegen ausfallen, schätzt Seidler.

Und er macht noch eine andere Rechnung auf: Die Umgehungsstraße ist mit 23 Millionen Euro kalkuliert. Bis sie fertig ist, wird sie 30 Millionen Euro kosten. Man könnte doch den 30 Familien an der Hauptstraße 500000 Euro geben. Dann hätte der Bund immer noch 15 Millionen gespart.

Wen Kommunalpolitiker nun argumentierten, die Straße werde seit 50 Jahren geplant. Deshalb komme die Kritik nun zu spät, dann müssten sich dieselben Kommunalpolitiker fragen lassen, warum sie in den letzten Jahrzehnten die Neubaugebiete ausgerechnet dort geplant hätten, wo nun die Umgehungsstraße verlaufen solle. Die vor Jahren vom Straßenbauamt vorgeschlagene Troglösung parallel zur Bahntrasse wäre die bessere Lösung gewesen.

Auch Marina Tandler zitiert eine Aussage von Bürgermeister Dittmann im jüngsten WLZ-Bericht: Twiste sei dazu prädestiniert, eine attraktive Wohngemeinde zwischen Korbach und Bad Arolsen zu werden, habe Dittmann richtigerweise festgestellt. Dann dürfe man aber die schönen Wohngebiete nicht mit einer breiten Bundesstraße zerstören. Dazu seien das Ackerland und die Natur zu schade.

Wer sich der Bürgerinitiative anschließen möchte, kann sich per E-Mail an diese Adresse wenden: BI-Twiste@gmx.de

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