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Bürgermeisterwahl am 27. März: Wie soll sich Arolsen künftig entwickeln?

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Von: Elmar Schulten, Armin Haß

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Ein Mann steht in der Großen Allee von Bad Arolsen vor dem Rathaus der Stadt Bad Arolsen.
Der langjährige CDU-Stadtverordnetenvorsteher Marko Lambion tritt am 27. März 2022 bei der Bürgermeisterwahl in Bad Arolsen als parteiunabhängiger Kandidat an. © Elmar Schulten

Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 27. März, haben die WLZ-Redakteure Armin Haß und Elmar Schulten den einzigen Bürgermeisterkandidaten, Marko Lambion, gebeten, eine Reihe von Fragen zur künftigen Stadtentwicklung zu beantworten.

Sie treten als einziger Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am 27. März an. Hätten Sie sich einen Gegenkandidaten, eine Gegenkandidatin gewünscht?

Als Kandidat hat es für mich zu jeder Zeit die höchste Priorität mit meinen Vorstellungen und Argumenten über alle Parteigrenzen hinweg ein gemeinsames Verständnis von einem lebens- und liebenswerten Bad Arolsen mit all seinen Stadtteilen zu wecken. Ganz im Sinne des vorherrschenden kommunalpolitischen Klimas in unserer Stadt, welches von Ziel- und Sachorientierung sowie Verständnis und Kompromissbereitschaft geprägt ist und damit sicherlich auch ein Grundstein für die positive Entwicklung der vergangenen Jahre ist. Ich freue mich deshalb, dass ich meine Kandidatur auf ein breite politische Basis stellen kann und viele der in Bad Arolsen vertretenen Parteien bereits frühzeitig mein Angebot angenommen haben ein gemeinsames Programm für die Zukunft zu entwickeln. Dies ist mein Kurs, meine Vorstellung, um in Bad Arolsen um die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu werben und er ist unabhängig von der Anzahl der Kandidaten.

Als gebürtiger Arolser und langjähriger Stadtverordnetenvorsteher sind Sie mit allen kommunalpolitischen Themen bestens vertraut. Sie benötigen also strenggenommen keine Einarbeitungszeit und keine 100-Tage-Schonfrist. Welche Themen werden Sie an Ihrem ersten Arbeitstag, dem 2. Mai, vorrangig anpacken? Wie wird Ihr erster Arbeitstag aussehen?

Sollte ich am 27. März das Votum der Bad Arolser Bürgerinnen und Bürger erhalten, werde ich unmittelbar in intensiven Gesprächen die Amtsübernahme vorbereiten. Dabei sind für mich meine Erfahrung aus sechzehn Jahren kommunalpolitischer Tätigkeit sicherlich genauso förderlich wie die stets transparente Art, mit der Jürgen van der Horst allen Beteiligten Einblick in seine Arbeit gewährte. Deshalb werde ich sein Unterstützungsangebot gerne genauso nutzen wie das des Magistrats und den zukünftigen Kolleginnen und Kollegen der städtischen Verwaltung. Sehr hilfreich ist außerdem der enge und vertrauensvolle Austausch mit unserem Ersten Stadtrat Udo Jost. Mit einem „Bürgermeister im Praktikum“, wie sich Hendrik Vahle in Volkmarsen selbst sehr sympathisch beschrieben hat, wird die verbleibende Zeit voraussichtlich nicht vergleichbar sein. Eine gewisse Einarbeitungszeit wird deshalb notwendig bleiben. Von einer besonderen Schonfrist gehe ich nicht aus.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der städtischen Finanzen ein? Wie wollen Sie reagieren, wenn die Baukosten steigen und die Zuschüsse geringer fließen?

In Bad Arolsen hat man es sich angewöhnt gut zu wirtschaften, die Haushaltskonsolidierung konnte erfolgreich abgeschlossen werden und so steht unsere Stadt heute grundsätzlich gut da. Viele der letzten Jahre waren geprägt durch große Förderprogramme und einer stabilen Konjunktur. In dieser Zeit haben wir aufgrund unserer umsichtigen Haushaltsführung den finanziellen Spielraum erarbeitet, um die Komplementärmittel zur Realisierung der begonnenen Projekte bereitstellen zu können. Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine, die auch Einfluss auf die zur Verfügung stehenden Steuerzuweisungen haben werden, lassen sich weitreichende Prognosen derzeit schwer erstellen. Für den kommunalen Haushalt werden wir daher in gewohnter Weise die Einnahmen- und Ausgabenseite stets genau in den Blick behalten, vorsichtig planen und umsichtig agieren.

Bitte nennen Sie drei Schwerpunkte der künftigen Stadtentwicklung.

Bei Sicherstellung eines soliden Haushalts möchte ich Bad Arolsen bei steigender Lebensqualität zu einem klimafreundlichen und möglichst energieautarken gesicherten Gesundheitsstandort entwickeln.

Wie wollen Sie als Bürgermeister diese Themen angehen?

Die allumfassende Klammer ist eine grundsolide nachhaltige Haushaltsführung, dies sind wir auch den nachfolgenden Generationen schuldig. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die erschütternde aktuelle geopolitische Entwicklung durch den Krieg in der Ukraine werden uns hier vor neue Herausforderungen stellen. In Bad Arolsen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den städtischen Finanzen bereits gelebter Alltag, davon gilt es nicht abzuweichen. Dies vorausgesetzt gilt es zur Steigerung der Lebensqualität in Bad Arolsen attraktiven und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen und eine alle Teilnehmer in gleicher Weise berechtigende Verkehrssituation herzustellen, unseren Kindern und Jugendlichen Platz für ihre persönliche Entwicklung zu geben, z.B. durch koordinierte Entwicklung unserer Kindergärten, und die Unterstützung unserer Selbständigen, Gewerbetreibenden und Unternehmer, z. B. durch Ausbau und Modernisierung unserer Datennetze oder eine vorausschauende Bodenbevorratung, weiter auszubauen. Zur Erreichung unserer Klima- und Energieziele setzte ich auch auf einen gewissenhaften Einsatz erneuerbarer Energien, den weiteren Schutz unserer Gewässer durch Renaturierung, eine nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung unseres Stadtwaldes und die energetische Sanierung städtischer Gebäude. Den Gesundheitsstandort werden wir vor allem durch den Erhalt unseres Krankenhauses in Kooperation mit der Gesundheit Nordhessen, die Entwicklung eines Konzepts für ein Ärztezentrum, die Kooperation mit den Schön-Kliniken und den niedergelassenen Ärzten erreichen.

Arolsen hat in den 70er und 80er mit dem Schlagwort „Stadt im Walde“ geworben. Welche Bedeutung werden künftig die Alleen und Parkanlagen im Stadtgebiet haben?

Unsere Alleen und Parkanlagen tragen maßgeblich zum charakteristischen Charme unserer Stadt bei. Sie dienen der Naherholung, erhöhen die Aufenthaltsqualität und sie sind Teil unseres Klimaschutzkonzepts. Die sechsreihige Große Allee ist Bestandteil unseres barocken städtebaulichen Alleinstellungsmerkmals. Der nachhaltigen Erhaltung und Entwicklung unserer Alleen und Parkanlagen sowie deren Ausbau, z. B. in der Thieleaue, gilt unser besonderes Augenmerk.

Die Versiegelung von Flächen wird immer kritischer bewertet. Die Ausweisung von Neubaugebieten wird immer strenger reglementiert. Wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten? Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Lahrmann-Gelände?

Die nachhaltige Bereitstellung von bezahlbarem, attraktivem Wohnraum für Jung und Alt ist eine der Kernaufgaben für eine gute Lebensqualität. Ein Fokus muss dabei auf der Entwicklung unserer Ortskerne liegen, z.B. durch Unterstützung bei der Schaffung von Wohnraum durch Instandhaltung oder Abriss verfallener Bausubstanzen und die Fortschreibung bestehender und Umsetzung neuer Förderprogramme, wie Dorferneuerung oder Stadtumbau.

Im Stadtparlament wurde schon mehrfach darüber gesprochen, wie die Bahnhofstraße für Fahrradfahrer sicherer gemacht werden könnte. Manche Radfahrer ziehen es sogar vor, regelwidrig auf dem Gehweg zu fahren. Was ist Ihre Strategie in diesem Fall?

Wir müssen in Bad Arolsen das Verkehrskonzept stetig weiterentwickeln und dafür Sorge tragen, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Dies gilt es vor allem dort schnell umzusetzen, wo ein erhöhtes Konfliktpotential herrscht. Die Situation in der Bahnhofsstraße konnte durch die Reduzierung der Geschwindigkeit bereits verbessert werden. Vor einem übereilten Aktionismus gilt es, das Verkehrskonzept in der Bahnhofstraße im Dialog mit den Verkehrsexperten für Radfahrer stetig weiter zu verbessern, z.B. durch Schutzstreifen für Radfahrer oder Schaffung und Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten für Radfahrer parallel zur Bahnhofstraße. Die Bahnhofstraße hat als einzige durchgehend beidseitig befahrbare Ost-West-Achse zwischen evangelischer Kirche und Bahnhof Bedeutung für den Verkehrsfluss in Bad Arolsen. Jeder Eingriff in den Verkehrsfluss hat unmittelbare Auswirkung auf die Verkehrssituation in der Großen Allee. Auch die Bedürfnisse der Anwohner und Gewerbetreibenden muss in die Entscheidungsfindung einfließen.

ZUR PERSON

Marko Lambion (51) ist in Bad Arolsen geboren und aufgewachsen, hat sein Abitur an der Christian-Rauch-Schule gebaut und seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr in Mengeringhausen abgeleistet. Er ist verheirat mit seiner Frau Ines. Beide haben zwei Kinder, einen 15-jährigen Sohn und eine zwölfjährige Tochter. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Osnabrück hat Lambion sein Referendariat in Osnabrück, Oldenburg und Bremen absolviert. Mit dem zweiten juristischen Staatsexamen in der Hand sammelte er erste berufliche Erfahrung in einer Anwaltskanzlei in Lübeck. In dieser Zeit absolvierte er auch einen Lehrgang zum Fachanwalt im Steuerrecht. Seit 2003 ist er als Unternehmensanwalt und kaufmännischer Leiter im Familienunternehmen Lambion in Wetterburg tätig. Das Unternehmen wurde von seinem Urgroßvater gegründet. 

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