Metropolit der Syrisch-Orthodoxen Kirche besucht Bad Arolsen

Christen fühlen sich im Stich gelassen

Bad Arolsen - Eindringlich bittet der Metropolit der Diözese in Libanon und Tripoli, Mor Theophilus George Saliba, um Hilfe für die Christen in Syrien und dem Irak. Der hohe Geistliche der Syrisch-Orthodoxen Kirche stattet gegenwärtig seinen Glaubensbrüdern und -schwestern in Bad Arolsen einen Besuch ab.

„Wir heißen jede Form der Hilfe willkommen“, sagte er bei der Besichtigung der Räumlichkeiten der Hilfsorganisation in der Bahnhofstraße 41. Erfreut sind die Christen aktuell über eine Lieferung von Lebensmitteln aus einem Supermarkt in Warburg. Neben Geldspenden, die über Bankverbindungen in die libanesische Hauptstadt Beirut in den Mittleren Osten gelangen, werden Lebensmittel und Kleidung benötigt. Besonders wichtig sei es, den Kindern der Flüchtlinge schulische Bildung zukommen zu lassen.

Derzeit haben 400 Familien aus dem Irak und 2500 Familien aus Syrien eine Zuflucht im Libanon gefunden. 10.000 Familien sind bereits seit den ersten Übergriffen 2011 auf die christlichen Minderheiten im einstigen Zweistromland geflohen. 1500 Familien leben noch in Syrien, 500 bis 700 im Irak. Doch sie sind weiterhin bedroht.

Schlimme Dinge weiß der Repräsentant der Syrisch-Orthodoxen Kirche zu berichten: Entführungen von Nonnen, die Trennung von Kleinkindern von ihren Müttern, hohe Lösegeldforderungen für die Freilassung der Entführungsopfer. Leib und Leben der Christen sind bedroht. Doch leider sei es nicht möglich, die Vereinten Nationen für eine Hilfsaktion in Syrien oder dem Irak zu gewinnen. Stattdessen werde er, so erklärt Mor Theophilus George Saliba kopfschüttelnd, an die syrische Regierung verwiesen. Doch die Regierung sei selbst schon nicht mehr in der Lage, die Situation in den Griff zu bekommen.

Die arabischen Länder in der Region würden ihre Hilfe nur auf die muslimische Bevölkerung ausrichten. So sind es private Spenden von syrisch-orthodoxen Christen aus Europa und Nordamerika und einige wenige muslimische Organisationen, die auch den Christen Hilfe zuteilwerden ließen. Der Rat der Kirchen im Mittleren Osten kümmere sich um die Flüchtlinge, die Caritas, das Rote Kreuz und das Welternährungsprogramm oder andere Organisationen kümmern sich zwar auch um die Flüchtlinge. Doch das reicht nicht. So fehlen Wohnmöglichkeiten für die Familien im Libanon. „Ein Leben zwischen muslimischen Flüchtlingen ist kaum vorstellbar“, verweist der Geistliche auf das Spannungspotenzial.

So ist Mor Theophilus George Saliba derzeit in Deutschland unterwegs, um Gespräche über weitere Unterstützung in den Flüchtlingsgebieten zu führen. In dieser Woche ist eine Begegnung mit Vertretern des katholischen Erzbistums in Paderborn geplant. Daran werden auch Vertreter des in Arolsen ansässigen Vereins und der Gemeinde teilnehmen, die zum Hauptsitz der syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland in Warburg gehört.

Von Armin Haß

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare