Interview über Kreativität, Landleben und Ziele des Duos

Comedy-Band "Das Lumpenpack" mit Jonas Meyer aus Helsen tritt in Kassel auf

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Deutschlandweit erfolgreich: Jonas Meyer (links) und Max Kennel machen Comedy in Form von Musik – alles handgemacht, authentisch und oft bissig.

Bad Arolsen/Kassel. Zwei junge Männer, charmant und frech gleichzeitig, machen Comedy in Form von Musik, die richtig gut ankommt: "Das Lumpenpack".

Deutschlandweit gewinnen sie immer mehr Fans. Ihre Witze sind echte Ohrwürmer, ihre Songs ganze Geschichten – von „Eva P.“ bis „Guacamole“. Das Duo nennt sich selbstironisch „Das Lumpenpack.“

Neben Max Kennel an der Gitarre singt Jonas Meyer, der aus Helsen stammt. Wir haben mit ihm über das Künstlerdasein und den Auftritt am Sonntag, 27. Januar, in Kassel gesprochen.

Die meisten Fans kennen die Songs Ihres aktuellen Programms „Die Zukunft wird groß“ sicher schon. Das Album ist 2017 erschienen. Wie wollen Sie sie noch begeistern?

Wir spielen immer auch unveröffentlichte Sachen. Wir haben einige neue Gags parat und plaudern viel mit dem Publikum. Deshalb entwickelt sich viel Spontanes im Laufe des Abends. Wir können allerdings auch spontan sehr unlustig sein. Viermal unlustig und einmal lustig – das kann wirken.Wir werden oft gefragt, wie das mit den spontanen Witzen funktioniert. Das ist aber hinterher wie bei einem Blackout. Meistens haben wir nach dem Auftritt schnell vergessen, wie wir darauf gekommen sind.

Obwohl Comedy ja oft beim ersten Mal hören am witzigsten ist, hören Ihre Fans die Stücke immer wieder gerne?

Es war am Anfang fast gruselig, als manche Fans beim Konzert unsere Songs mitgesungen haben. Wir haben uns gefragt: Wenn sie jeden Witz kennen, wie können sie dann noch lachen? Aber das ist es offenbar, was uns ausmacht. Für uns ist es eine Gratwanderung: Wir wollen nicht nur Stücke spielen, die witzig sind, sondern die auch als Song funktionieren. Wir hatten das nie so angelegt, aber herausgekommen ist eine coole Mischung aus Einflüssen der Musik und aus Einflüssen ganz verschiedener Bühnenkünste.

Wie bereiten Sie sich auf die Bühne vor?

Wir hatten über den Jahreswechsel lange Zeit frei, deshalb setzen wir uns am Tag vor dem Konzert zusammen hin und gehen alte Nummern durch. Doch eine gewisse Unsicherheit auf der Bühne kann auch lustig sein. Was wir zwischen den Songs machen, ist nicht vorbereitet. Da lassen wir uns frei treiben.

Kassel wird für Sie ja wie ein Heimspiel. Was erwarten Sie davon?

Ich bin in Kassel geboren und habe lange in Bad Arolsen-Helsen gelebt. Deshalb erwarte ich beim Auftritt in Kassel viele Verwandte und Freunde von früher. Seitdem wir als „Das Lumpenpack“ präsenter sind – seit ungefähr anderthalb bis zwei Jahren – melden sich immer wieder ehemalige Schulkameraden bei mir. Es ist lustig, wenn diese Leute nach so langer Zeit wieder in meinem Leben auftauchen.

Ich erwarte auch ein paar Fans aus Eschwege und Umgebung, was ja nicht weit von Kassel entfernt ist. Denn dort spielen wir seit einigen Jahren immer wieder beim Open-Flair-Festival. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Kassel so kann.

Welchen Bezug haben Sie noch zur alten Heimat Helsen und Nordhessen?

Ich bin häufig Zuhause. Meine Eltern und Geschwister wohnen dort. Mit der Zeit wird die Familie für mich wieder relevanter. Im Studium stößt man sich zunächst die Hörner ab und kommt seltener heim. Aber mittlerweile genieße ich die Zeit Zuhause sehr.

Also ist das Dorfleben gar nicht so uncool?

In Helsen wohnen wir am Dorfrand und können zum Twistesee laufen. Über das Landleben kann ich mich gar nicht lustig machen, weil es megaschön ist. Nirgendwo komme ich so schnell zur Ruhe wie dort. Aber es tut mir nur in einer gewissen Dosis gut; nach einer Weile muss ich wieder raus.

Raus – um neue Eindrücke zu gewinnen? Wo lassen Sie sich für Ihre Songs inspirieren?

In der Musik. Ich höre ganz viel Musik, genreübergreifend. Ob deutschsprachiger, prolliger Hip-Hop oder Musik aus den 70ern und 80ern, Die Ärzte und Beatles. Manchmal erwische ich mich sogar dabei, dass ich gerne neidisch auf die Ideen anderer bin und die Künstler gleichzeitig dafür bewundere.

Sie sind teilweise auch politisch. Wollen Sie nicht nur lustig sein, sondern auch provozieren?

Wir wollen in erster Linie unterhalten, aber auch mal Leute piesacken und Streitgespräche führen. Vor allem Max sucht die Konfrontation, auch politisch. Wir haben aber festgestellt, dass wir deutlich lauter werden müssen. Denn unser Publikum hat ähnliche Ansichten wie wir. Deshalb ärgern wir in unseren Songs immer nur einen kleinen Teil der Leute, die wir ärgern wollen. Das ist dieses Filterblasen-Problem. Das gibt es leider auch auf der anderen Seite zum Beispiel unter Menschen mit rechtem Gedankengut, die sich wie in einer Blase befinden.

Wo wollen Sie hin – was will „Das Lumpenpack“ noch erreichen?

Wir hatten diesen Weg ja nie geplant, sondern sind als Quereinsteiger in die Künstlerszene reingerutscht. Große Ziele gab es nie. Wir waren überrascht, dass viele gut finden, was wir machen.

Mein größter Wunsch ist nun, noch eine Weile echt lustig zu sein. Und ich hoffe sehr, dass wir es rechtzeitig merken, falls wir das irgendwann nicht mehr sein sollten, und nicht mit 43 ins Dschungelcamp wandern.

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