Zu Besuch beim Kleingärtnerverein Bad Arolsen

Comeback der Kleingarten-Idylle

Udo Risch, der Erste Vorsitzende des Kleingärtnervereins Bad Arolsen, freut sich, dass das Leben im Kleingartenverein wieder aufblüht. Aber er macht sich auch Sorgen, weil die Feste in der Coronazeit ausfallen.
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Udo Risch, der Erste Vorsitzende des Kleingärtnervereins Bad Arolsen, freut sich, dass das Leben im Kleingartenverein wieder aufblüht. Aber er macht sich auch Sorgen, weil die Feste in der Coronazeit ausfallen.

Gartenzwerge, akkurate Rasenflächen – das Kleingärtner-Image war lange spießig. Doch heute ist es nicht nur wegen Corona wieder in. Auch im Kleingärtnerverein Bad Arolsen.

„Knoblauch, Zwiebeln und Schalotten wachsen jetzt schon ganz gut. Die Erdbeeren sind auch super gewachsen.“ Inge Friedrich ist mit den ersten Erbnissen ihrer Gartenarbeit zufrieden. Jeden der wenigen Sonnentagen im April nutzt sie, um die Beete auf die Gemüsesaison vorzubereiten. Die Frühlingsblumen entlang der Parzellengrenze haben Frost und Schnee gut überstanden und sorgen für ein bisschen Farbe im Idyll. Keine der 48 Parzellen ist eingezäunt, als Begrenzung reichen allen Pächtern Blumenbeete oder Sträucher. „Das ist hier schon immer so“, erzählt Udo Risch, der im Mai sein 20-jähriges Gartenjubiläum feiert und seit vier Jahren Vorsitzender des Vereins ist.

Keine Zäune, aber Gartenzwerge und viele andere Tonfiguren.

„Wir sind eine Gemeinschaft, aber respektieren uns und die Privatsphäre des anderen. Außerdem hat sich jeder mit Hecken oder Holzschutzwänden an seiner Laube ein kleines Stück abgetrennt, wenn man mal wirklich allein sein will.“

Ein gutes Miteinander

Mehr als eine Million Kleingärten gibt es in Deutschland, mit einer Gesamtfläche von mehr als 46.000 Hektar. Sie alle unterliegen dem Bundeskleingartengesetz. In unzähligen Paragrafen wird nahezu alles geregelt: Ein Garten muss zu einem Drittel als Nutzgarten dienen, ein Drittel darf bebaut werden, ein Drittel gehört den Zierpflanzen und Blumen. Eine Laube darf nicht größer sein als 24 qm sein, Hecken dürfen nur eine bestimmte Höhe haben, man darf den Garten nicht gewerblich nutzen, muss Ruhezeiten einhalten. Regeln, die das Schrebergartenklischee als Paradies für Spießbürger zu bestätigen scheinen. In den vergangenen Jahren und noch einmal mehr seit der Corona-Krise hat sich dieses Bild aber verändert. Vor allem Migranten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und aus Südosteuropa eroberten und versorgen nun die deutschen Kleingärten. Sie arbeiten gerne in ihren Gärten und freuen sich, die Familie mit Obst und Gemüse versorgen zu können. Aber auch immer mehr deutsche Familien mit Kindern sind jetzt unter den Pächtern.

Zwischen Blumen und Gemüse ist immer Zeit für Gespräche.

Udo Risch hat die Veränderung miterlebt. „Ganz so unproblematisch war es natürlich am Anfang nicht. Die osteuropäischen Pächter haben sich nur wenig oder gar nicht am Vereinsleben beteiligt. Sie wollten sich eher mit ihren eigenen Freunden in ihrem Schrebergarten treffen als mit den deutschen Vereinsmitgliedern im Vereinshaus. Es war schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Das hat sich aber geändert. Wir tauschen Gartentipps aus, trinken mal ein Bier zusammen, auch der Vorstand hat eine osteuropäische Stimme. Und wenn wir eines unsere vielen Feste feiern, sind die meisten mit dabei. Die Kinder machen ja sowieso keine Unterschiede, sie spielen einfach miteinander“.

Das im Juni übliche Kinderfest fällt auch in diesem Jahr aus.

 Von Anfang an, seit seiner Gründung im April 1948, sind Kinder im Bad Arolser Verein gerne gesehen. Schon damals wurde bei der Anlage der Parzellen ein großer Platz als Spielplatz ausgewiesen, und der besteht bis heute. Einmal im Jahr wird im Juni ein großes Kinderfest gefeiert, zu dem alle Kinder eingeladen sind. Im Mai hat der Familienwandertag seinen festen Platz im Kalender, und auch an Himmelfahrt wird gewandert. Selbstverständlich besucht auch der Nikolaus den Verein.

Das Gartenfest im Sommer ist ein Fest für alle. Ein Knobelturnier und Haxenessen stehen im Herbst an. Ein Höhepunkt ist natürlich der Viehmarkt, der direkt vor der Haustür liegt. Ehrensache, dass der Verein jedes Jahr mit einem Mottowagen im Festzug zur Eröffnung mitfährt.

Das Vereinshaus kurz nach der Gründung des Vereins Anfang der 50er Jahre.

„Wir sind eine aktive Gemeinschaft, aber jetzt… Wir können ja auch unser Gemeinschaftshaus nicht mehr für private Feiern vermieten.“ Udo Risch macht sich Sorgen. Die Feste und vor allem der Viehmarkt machen ja nicht nur Spaß und stärken das Gemeinschaftsgefühl, sondern sie sorgen auch für ein finanzielles Polster. Auch dieses Jahr können sie nichts mehr organisieren. „Noch ein Jahr können wir das ohne Pachterhöhungen nicht mehr stemmen. Noch haben wir ein bisschen Zeit. Wer weiß schon, was nächstes Jahr ist.“

Ein bezahlbares Hobby

Sorgen um die Gärten in seiner Anlage aber muss er sich nicht machen. Alle sind verpachtet, und auf der Warteliste stehen bereits acht Bewerber. Vor allem junge Familien mit Kindern, aber auch Alleinstehende interessieren sich mehr und mehr für das Gärtnerleben im Verein. Kein Wunder, denn es ist ein durchaus bezahlbares Hobby. Die Pacht für den Schrebergarten darf laut Bundeskleingartengesetz maximal viermal so hoch sein wie die Pacht, die für Flächen im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau verlangt werden. Für Bad Arolsen heißt das: Pacht und Mitgliedsbeitrag kosten zusammen 100 Euro im Jahr, hinzu kommen Nebenkosten für Wasser und Strom. Wer einen Garten übernehmen kann, muss dem Vorpächter eine Ablösung zahlen, deren Höhe von der Bewertungskommission festgelegt wird. Sie liegt zurzeit bei 700 bis 800 Euro.

Inge Friedrich erwartet eine gute Erdbeerernte.

Jetzt warten die Arolser Gärtner auf den Sommer, freuen sich auf ihre Blumen, das Gemüse und auf einen Plausch mit den Nachbarn. Wenn der Erste Vorsitzende dann im Sonnenschein einen Spaziergang entlang der Gärten macht, nach links und rechts grüßt, mal zu einem Gespräch stehen bleibt und sich schließlich um die Einrichtung seiner Hochbeete kümmert, sind seine Sorgen vergessen – zumindest für dieses Jahr.          Barbara Liese

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Kleingärtnervereins Bad Arolsen.

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