Trotz Einschränkungen im Normalbetrieb mit akuten Problemen nicht warten 

Covid-Station Bad Arolsen: Eine eigene Klinik in der Klinik

Geschlossener Bereich: Schwester Tatjana Volke-Berens mit Kollegin übernimmt in Schutzkleidung Patientin mit Corona-Verdacht auf die Covid-Station. Foto: Walter Knüppel

 Bad Arolsen – Im Krankenhaus Bad Arolsen ist die Corona-Lage vergleichsweise ruhig. Um die Versorgung auf der Covid 19-Station in der Pandemie sicherzustellen, mussten  planbare  Eingriffe zurückgestellt werden. Doch läuft die Versorgung der Patienten weiter, das gilt besonders für alle akuten Fälle wie Knochenbrüche, Gallensteine oder Blindarmentzündungen.

„Es ist keine heroische Tat, sich zurückzuhalten“, sind sich Geschäftsführerin Anne Bülling und Chefarzt  Walter Knüppel einig. Zudem seien die Patienten durch die strikte Trennung der Corona-Patienten von den übrigen Klinikbereichen sicher vor Infektionen mit dem Virus.

Zwei Fälle nachgewiesen

Bisher wurden zwei Covid 19-Patienten mit nachgewiesenen Infektionen behandelt, einer von ihnen verstarb. Der andere ist wieder genesen. An eine Beatmungsmaschine musste niemand angeschlossen werden. Hinzu kommen täglich durchschnittlich drei Verdachtsfälle, die ebenfalls wie Corona-Patienten eingeschleust und behandelt werden.

Vor ein paar Wochen wurde neben dem Haupteingang in einem abgesperrten Bereich ein weiß-blaues Fieberzelt aufgestellt, in dem Patienten mit grippeähnlichen Symptomen und Verdacht auf eine Ansteckung mit dem neuen SARS-Virus voruntersucht werden.

Geschlossener Bereich: Schwester Tatjana Volke-Berens mit Kollegin übernimmt in Schutzkleidung Patientin mit Corona-Verdacht auf die Covid-Station. Foto: Walter Knüppel

Rund um das Krankenhaus führt ein abgeschirmter Gang zur Nordwestseite der Klinik, an der die Tür der Warenannahme in einen einen hermetisch abgeriegelten Zugang in die Klinik umgewandelt wurde. Weiter geht es in einem exklusiv für diese speziellen Patienten reservierten Aufzug hoch in die Covid-Station.

Strikt getrennt

„Das ist ein Krankenhaus im Krankenhaus“, verdeutlicht Knüppel die Situation. Auf der Intensivstation ist ein Bereich mit zwei Betten für Corona-Fälle abgetrennt. Je nach Eskalationstufe kann der Bereich binnen Minuten auf sechs Betten ausgeweitet werden. Im Katastrophenfall wären bis zu zwölf Betten möglich. 

So improvisiert wie draußen an der Klinik Hinweisschilder und Zelt wirken mögen, drinnen im Krankenhaus werden die erforderlichen Hygieneregeln professionell angewandt: „Darauf verstehen sich die Kliniken“, bekräftigt Bülling. Dazu gehört auch, dass die Lüftung im Covid-Bereich ein eigenes System darstellt.

Im Netzwerk eingebunden

Derzeit stehen sieben Beatmungsmaschinen zur Verfügung, eine weitere soll noch geliefert werden. Drei mobile Geräte stehen außerdem bereit. Die Klinik hat eine eigene pneumologische Abteilung für den Bereich Lungenfachmedizin unter Regie von Walter Knüppel.

Das Krankenhaus Arolsen ist vom hessischen Sozialministerium in die zweithöchste von vier Versorgungsstufen für Covid-Patienten eingeordnet worden. Das mit zur Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) zählende Klinikum Kassel ist als Haus der Maximalversorgung in der ersten Stufe eingeordnet.

Im  Intensivregister

Mit dem Klinikum Kassel und weiteren GNH-Häusern gehört auch das Krankenhaus Bad Arolsen im DIVI-Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. 

Bei DIVI sind aus dem Landkreis auch die Hessenklinik Korbach, die Asklepios-Klinik, die Neurologische Klinik Westend und die Werner Wicker Klinik (alle Bad Wildungen) sowie das Kreiskrankenhaus registriert. Die Kliniken im Landkreis sind zudem dem Notfallsystem Interdisziplinärer Versorgungsnachweis (IVENA) angeschlossen.

Vollschutzkleidung

Die Mitarbeiter im Covid-Bereich sind mit den speziellen Schutzmasken und der nötigen Vollschutzkleidung ausgerüstet. Nachschub gibt es über die GNH. „Wenn es eine größere Welle geben sollte, müsste der Staat nachhelfen“, sagt Chefarzt Walter Knüppel. Er stellt aber auch fest: „Wir profitieren alle davon, dass die Infektionsrate in Hessen, insbesondere im Landkreis Waldeck-Frankenberg, derzeit sehr niedrig ist.“ 

Dennoch herrscht eine „gespannte Wartehaltung“, so Geschäftsführerin Anne Bülling denn allein in Bad Arolsen gibt es 1000 stationäre Plätze in Senioren-Einrichtungen, bei der Schön-Klinik oder im Bathildisheim. 

Alle mit Mundschutz

Neben dem Covid-Bereich gibt es das „normale Krankenhaus“, in dem der Betrieb, bis auf die Einschränkungen bei bestimmten Eingriffen und Behandlungen, wie bisher weiterläuft. Allerdings unter Auflagen: Patienten, Mitarbeiter und alle Besucher müssen mindestens Mund-Nase-Schutz tragen, sich am Eingang der Hände desinfizieren und den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten.

 Darauf achtet schon hinter der automatischen Eingangstür ein Mitarbeiter einer Security-Firma, der Eintretende auch nach möglichen gesundheitlichen Problemen fragt, speziell nach Fieber oder ähnlichen verdächtigen Anzeichen für eine Atemwegserkrankung. 

Am besten alle testen

„Am liebsten würden wir bei allen, die das Haus betreten einen Abstrich machen, ähnlich wie bei einer Alkoholkontrolle“, sagt Geschäftsführerin Bülling. Dieses Prozedere gibt es aber noch nicht. Hingegen wird von jedem stationären Patienten bei der Aufnahme ein Abstrich genommen. Durch die erhöhte Leistungsfähigkeit des Labors in Kassel liegt am Folgetag das Ergebnis vor. 

„Wir bieten maximale Sicherheit für alle Patienten“, unterstreicht Knüppel. Schließlich sind in dem Haus zwei Arztpraxen und große Ambulanzen mit entsprechend hoher Besucherfrequenz untergebracht. 

Spenden für Ultraschallgerät

Überwältigt ist Knüppel von der hohen Spendenbereitschaft, durch die der Klinik-Förderverein Gute Besserung ein neues Ultraschallgerät anschaffen kann. Das Geld ist nun da, das Gerät wird nun erwartet. Damit soll die Trennung der Diagnostik zwischen Infektbereichen und normalen Funktionsabteilungen unterstützt werden.

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