Katholische Feier zwischen Altpapier-Paketen

Darum findet Gottesdienst in einem Abfallbetrieb statt

Bewahrung der Schöpfung: Pfarrer Peter Heuel und Ministranten im Recyclingfachbetrieb Peine mit einem Drachenmotiv zum Thema Naturschutz für den Viehmarktsfestzug in Bad Arolsen. Foto: Elmar Schulten.

Bad Arolsen. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Entsorgungsfachbetrieb“, lautete das Motto des Sonntagsgottesdienstes, zu dem die katholische Kirchengemeinde auf das Gelände der Firma Peine im Gewerbegebiet Mengeringhäuser Feld eingeladen hatte.

Mit der neuen Reihe „Kirche unterwegs“ macht die katholische Kirchengemeinde aus der Not eine Tugend: Aktuell wird die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in der Großen Allee aufwendig renoviert.

Das sind die Gleichnisse

Eine gute Gelegenheit, um außer in der Filialkirche Peter und Paul in Mengeringhausen auch einmal an anderen, ungewöhnlichen Orten Gottesdienst zu feiern. Den Anfang als Gastgeber machte am Sonntag die Firma Peine.

Pfarrer Peter Heuel fand auf dem Firmengelände, auf dem wochentags Müll umgeschlagen und weiterbehandelt wird, erstaunlich viele Gleichnisse, die er als Gedankenanstöße in den Gottesdienst einbaute. Mit dem Himmelreich sei es wie mit einem Entsorgungsfachbetrieb. Hier wie dort könnten die Menschen all das abladen, was sie belastet und bedrückt.

So wird man die  Lasten los

Gisela Albrecht aus Sachsenhausen, die den Gottesdienst mit ihrer Gitarre auch musikalisch begleitete, stellte fest, dass auf dem Entsorgungshof zuerst gewogen werde, wie schwer der ganze Müll sei, den die Laster anschleppten. Und wie die Menschen seien die Lastwagen erleichtert, wenn sie ihren Müll abgeladen hätten.

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“, zitierte Pfarrer Heuel die Bibel und fügte hinzu: „Siehe, ich mache alles neu.“

Auch das treffe für den Entsorgungsfachbetrieb, denn hier werde der Müll auch für das Recycling vorbereitet.

So ist der Alltag im Betrieb

Juniorchef Franz Peine führte den rund 150 staunenden Gottesdienstbesuchern vor, wie es sich anhört, wenn die große Schreddermaschine läuft und große, harte Plastikteile in winzig kleines Granulat verwandelt.

Dekoriert war die große Sortier- und Schredderhalle unter anderem mit der großen Plastikschlange, mit der die katholische Kirchengemeinde am Arolser Viehmarktsfestzug teilgenommen hatte. Die war zugleich ein Beitrag zum großen Oberthema „Bewahrung der Schöpfung“ und zur Mahnung, künftig weniger Plastikmüll zu produzieren.

Das ist der Altar

 Den Altar hatten Peine und seine Mitarbeiter aus zwei großen Ballen mit gepresstem Altpapier und Kartonagen gebaut. Außerdem waren zu Klumpen gepresste Altreifen und allerlei anderer Plastikmüll in der Halle ausgestellt.

Daraus und aus all den wertvollen Metallen in schrottreifen Elektrogeräten können neue Produkte entstehen.

Gelegenheit, um Kraft zu tanken

Und so wie die Firma Peine auch eine Lkw-Tankstelle betreibe, sei auch der Sonntagsgottesdienst auf dem Gelände eine Gelegenheit, Kraft zu tanken für die neue Woche, so Pfarrer Heuel bei der Feier der Eucharistie.

Im Anschluss an den Gottesdienst dankte Heuel Juniorchef Franz Peine und allen, die bei der Vorbereitung dieses ungewöhnlichen Gottesdienstes mitgeholfen haben.

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