Bad Arolsen-Wetterburg

"Das war die Wetterburger Umgehungsstraße"

- Bad Arolsen-Wetterburg (-ah-). Unerwartet hat der Ortsbeirat Wetterburg mit einem 3:3-Votum am Montagabend eine Nord-West-Umgehung abgelehnt und sich für eine Trasse durchs Wetterholz entschieden. Mit der Stimme des zurzeit in Afghanistan als Bundeswehroffizier eingesetzten Ortsvorstehers Gerd Frese wäre die Abstimmung wahrscheinlich für eine Umgehung verlaufen.

Bei den Befürwortern einer Umgehungstraße, darunter auch Frese, und Bürgermeister Jürgen van der Horst löste die Empfehlung für die im Mai tagende Stadtverordnetenversammlung Betroffenheit aus, BI-Sprecher Wilhelm Ammenhäuser hatte noch zu Beginn der Sitzung an den stellvertretenden Ortsvorsteher Werner Otto eine Liste von 412 Unterschriften für die Umgehung überreicht. Otto nutzte die Sitzung zu einer Erklärung für die betroffenen Landwirte, die nach seiner Ansicht unzumutbare Härten zu erwarten hätten, wenn eine Nordumgehung ihre Ländereien durchschneide und das vorhandene Feldwegenetz nur noch durch eine für Schlepper schwer zu befahrende, steile Unterführung der Bahnstrecke fahren könnten. Die bereits in den 70er Jahren ausgesiedelten Familien würden durch eine Umgehung in ihrer Existenz bedroht, sagte der selbst einen der Aussiedlerhöfe besitzende Otto: „Wir Landwirte werden das Möglichste tun, damit Ihnen die Realisierung schwerfällt.“ Für eine Entlastung der Anwohner der Ortsdurchfahrt sei er schon, allerdings favorisiert Otto die im vorigen Jahr von dem Kollegen Heinz Brühmann angeregte Umfahrung durch das Wetterholz. Die durch das Waldgebiet zwischen Neu- Berich und dem Twistesee führende frühere Wildunger Landstraße sei billiger und entlaste den Ort komplett, ist er überzeugt. Zudem erklärte Otto, der Ort sei „tot“, die gastronomischen Betriebe würden gefährdet, wenn die ehemalige Ortsdurchfahrt nach Eröffnung einer Umgehung von der Landesstraße „abgehängt“ würde. Dieter Waßmuth dagegen trat entschieden für eine Nord-West-Umgehung ein, die durch das Arolser Holz zur ehemaligen Bundesstraße 450 geführt würde und damit auch Bad Arolsen vom Verkehr verschonen würde. Die von den Landwirten dargestellten Probleme seien nachvollziehbar, hier müsse ein gerechter und tragfähiger Ausgleich gefunden werden. Allerdings schränkte Bürgermeister van der Horst in der Sitzung ein, dass die Landwirte freiwillig keine Flächen bereitstellen würden. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Bad Arolsen habe in einer Vorbewertung Kosten von sieben Millionen Euro für eine Wetterholz-Trasse errechnet – bei einer Entlastung der Ortsdurchfahrt von nur 30 bis 40 Prozent. Dagegen biete die vorgeschlagene Nordumgehung mit Kosten von 3,8 Millionen Euro und einer Entlastungsquote von mindestens 88 Prozent am ehesten die Chance, verwirklicht zu werden: „Es gibt diese oder keine Lösung.“ Ein Ausgleich der Flächenverluste sei schwierig zu erreichen, räumte der Rathauschef ein. Eine Möglichkeit biete eine optimierte Planung, die alle Landwirte gleichmäßig belaste. Zudem biete die Flurbereini-gung Chancen für einen Ausgleich. Die Stadt weiche diesen Schwierigkeiten nicht aus, aber es müssten eingefahrene Gleise verlassen werden, um eine Entlastung für den Ort zu erreichen und dadurch neben einer Verbesserung der Wohnqualität die touristische Entwicklung Wetterburgs zu fördern. Der – von Landwirten angeregte – Einbau von teuren, synchron geschalteten Schrankenanlagen auf den fünf Bahnübergängen im Bereich der Aussiedlerhöfe sei nicht sinnvoll, zumal größere Flächen zusätzlich beansprucht würden, um einen Begegnungsverkehr zu ermöglichen. Das beim ASV beschäftigte Ortsbeiratsmitglied Stephan Brühne machte deutlich, dass mit einem „Nein“ die Umgehung „für immer gestorben“ sei. Auf der Grundlage eines plausiblen Vorschlags könne das seit Jahrzehnten verfolgte Projekt 2011 neu bewertet und das Land 2012 dem ASV einen Planungsauftrag erteilen. „Wir haben schon ein schlüssiges Konzept“, sagte van der Horst ergänzend. Jedoch müssten Nord- und Westumgehung im Zuge der Landesstraße 3080 beziehungsweise der Kreisstraße 7 getrennt betrachtet werden. Beide Projekte wären aber förderungswürdig. Brühne schätzt, dass in acht bis zehn Jahren bei zügigem Planungsfortschritt mit dem Bau einer Umgehung begonnen werden könne.Mit fünf Ja-Stimmen votierte der Ortsbeirat bei einer Enthaltung für die Wetterholz-Variante. Mit 3:3 Stimmen wurde eine Nord-West-Umgehung abgelehnt. – „Das war unsere Umgehungsstraße“, schloss Otto den Tagesordnungspunkt ab.

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