Denkmalschutzpreis für Grafenschloss in Landau 

Gilt hier in Landau "My Home is my Castle" oder "My Castle is my Home"? - mit Bildergalerie

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Das von Alexander Fitz aufwendig restaurierte Schloss Landau mit seinen vielen Nebengebäuden wurde mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg ausgezeichnet.

Bad Arolsen-Landau. Es gehörte schon eine Menge Mut und Phantasie dazu, als Alexander Fitz Ende 2014 die seit zwei Jahren leerstehende Schlossanlage von Landau mit dem sogenannten Brunnenhaus aus Backstein, das Torbogenhaus und die alten Scheunen von der Domanialverwaltung kaufte.

 Von der alten Pracht und Herrlichkeit des ehemaligen Grafenschlosses mit seinen Anfängen im 13. Jahrhundert und vielen Umbauten im 16., 17. und 18. Jahrhundert war nicht mehr viel übrig geblieben.

Im Dritten Reich war hier eine Schulungsstätte für Landwirte untergebracht. Seit den 60er Jahren wurde das Schloss schrittweise als Altenheim ausgebaut.

Dabei nahmen die Planer und Handwerker kaum Rücksicht auf die alte Bausubstanz. Die ursprünglichen Bodenplanken und Parkettböden wurden großzügig ausgeschnitten, wenn dort Badewannen eingebaut werden sollten.

Was ist mit "Landauer Sandwich" gemeint?

Neue Bodenbeläge wurden bedenkenlos auf wertvolle Parkett geklebt. Bis zu sieben Schichten unterschiedlichster Beläge bildeten das "Landauer Sandwich", wie der neue Schlossherr Alexander Fitz gerne erzählt.

So mussten die  von ihm beauftragten Planer und Handwerker viele Bausünden aus vergangenen Jahrzehnten wieder rückgängig machen. Hinzu kamen die erwarteten und üblichen Sanierungsarbeiten an Dach und Mauerwerk.

Alles in allem erwies sich vor allem das Schloss als sehr massiv gebaut. Die bis zu 1,50 Meter dicken Außenwände würden das Klima im Haus prägen, wenn nicht eine moderne Wandheizung an den Innenwänden angebracht worden wäre. Die hinter Putz versteckten Heizschlangen liefern eine wohlige Wärme, machen aber das Aufhängen von Bildern zu einer Herausforderung, die sich nur mit einer Wärmebildkamera meistern lässt.

Welche Überraschungen ergaben sich bei der Sanierung?

Eine Überraschung war der Zustand des Daches: „Wir hatten nur die Nordseite untersucht und für gut befunden, dann aber stellte sich heraus, dass die Südseite 70 Jahre älter und dringend sanierungsbedürftig war.

Eine weitere Überraschung bei der Schlosssanierung war die Feststellung, dass einer der dicken Sandsteinsäulen im Gewölbekeller angeknackst ist. Hydraulikstützen nehmen ihr einen Teil der Last ab. Die umgebenden Gewölbe wurden abgefangen. Demnächst soll unter Leitung eines Statikbüros der Austausch der defekten Stütze und der Einbau einer neuen Sandsteinsäule erfolgen.

„Für solche Überraschungen hatten wir rund 20 Prozent der ursprünglichen bausumme eingeplant“, verrät Alexander Fitz.

Kann sich eine solche Investition jemals rentieren?

Dennoch kam eins zum anderen. Sanierung und Neugestaltung des Schlosses, der Umbau der Brunnenhauses zum Hotel mit 25 Luxuszimmern und einem herrlichen Restaurant unter Glas sowie die Sanierung der Scheune und deren Umbau zur Festscheune haben gut und gerne zwölf Millionen Euro gekostet.

Eine weitere Million hat der Bau der Heizzentrale hinter der Festscheune gekostet. Zwei riesige Pelletöfen produzieren genügend Wärme, die über eine Nahwärmeleitung in alle Gebäude des Ensembles geleitet wird.

Inzwischen hat Fitz auch den alten Engelhard’schen Hof erworben, der baulich ebenfalls zum Areal gehört. Auch hier knattern wieder die Bagger. Hier kann unter anderem ein Regionalwarenladen entstehen.

„Wir wollen uns nichts vormachen“, bekennt Fitz: „Das ganze Objekt kann man unter rein wirtschaftlichen Aspekten nicht schönrechnen. - Das kann man nur rechtfertigen, wenn man hier auch lebt und arbeitet. Das geht nur inhabergeführt. Hotel, Gastronomie und Hofladen diesen allein dem Unterhalt des Gebäudes.“

Wie profitiert die Region Nordwaldeck?

Aber das leisten sie auf eine sehr anmutige Weise. Davon profitieren die ganze Bergstadt und die ganze Region Nordwaldeck.

Restaurant und Hotel bieten ein Ambiente, das weit und breit einzigartig ist. Familienfeste, Firmenveranstaltungen lassen sich hier in einmaliger Atmosphäre ausrichten.

Nicht ohne Grund ist der größte Saal im Schloss als Trauzimmer ausgewiesen. Nach der Trauung müssen die Hochzeitsgäste nicht weit bis zum Hotel laufen.

Für den Umbau und die Sanierung des Schlosses hat Fitz so gut wie keine öffentlichen Zuschüsse beantragt und erhalten. 9000 Euro fallen bei einer zweistelligen Millionensumme kaum ins Gewicht.

Und auch die 1000 Euro Anerkennungsprämie für den Denkmalpreis des Landkreises sind angesichts der statischen Herausforderung im Kellergeschoss nur ein Tropfen auf den zersplitterten Sandstein.

Dennoch weiß Fitz die Anerkennung des Landkreises für seinen denkmalpflegerischen Einsatz sehr zu schätzen.

In historischen Dimensionen nur Gast im Schloss

Dass er ein Herz für Baudenkmäler hat, konnte er bereits beim Kauf und der Sanierung des alten Amtsgerichts in der Rauchstraße unter Beweis stellen.

Doch sein denkmalpflegerisches Engagement reicht viel weiter: In Salzburg lässt seine Hotelgruppe gerade das Palais Faber hochwertig sanieren und in ein modernes Hyperion-Hotel mit 113 Zimmern umbauen.

Sein Kredo im Umgang mit Baudenkmälern ist überzeugend: „Ich bin in dieser Immobilie nur zu Gast. Vor uns haben viele andere Generationen hier gewohnt.“

Besonders beeindruckt ist Fitz vom Waldecker Grafen Christian- Ludwig (1635 - 1706), der das Schloss 1680 aufstocken ließ, um hier genügend Wohnraum für seine elf Kinder aus erster Ehe und 14 Kinder au zweiter Ehe zu schaffen.

Aber solche Ambitionen in Sachen Kinderreichtum hat Fitz nicht. Er ist Vater eines 17-jährigen Sohnes und einer zweijährigen Tochter.

Impressionen von der vorbildlich restaurierten Schlossanlage mit Schlosshotel finden Siein dieser Bildergalerie.

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