40.000 Hainbuchen und Traubeneichen in den Waldboden gebracht

Der richtige Zukunfts-Mix für den Mengeringhäuser Stadtwald

Ein junger Manner, der als Pflanzer auf einer kahlen Waldfläche arbeitet hält einen kleinen Eichen-Pflänzling in die Kamera.
+
Slowakische Pflanzer bringen im Stadtwald Mengeringhausen in Rekordzeit 40.000 Hainbuchen und Traubeneichen in den kahl geräumten Waldboden. Zum Schutz der Pflanzen vor Wildverbiss haben sie zwei Kilometer Zaun gezogen.

40.000 Pflänzchen in vier Tagen in die Erde zu bringen, das ist schon eine rekordverdächtige Leistung, die sieben slowakischen Pflanzer im Auftrag einer Forstbaumschule aus Pinneberg im Stadtwald von Mengeringhausen erbringen.

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Auftraggeber der Aufforstaktion sind die Stadt Bad Arolsen und der Landesforstbetrieb Hessen-Forst, der sich zum Jahresende aus der Beförsterung der Kommunalwaldflächen verabschieden muss.

Insofern sei die mit erheblichen Mitteln vom Land Hessen bezuschusste Pflanzaktion fast so etwas wie ein Abschiedsgeschenk, schwärmte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Gleichzeitig unterstrich van der Horst, dass die Trennung der kommunalen Waldbesitzer vom Dienstleister Hessen-Forst durch ein kartellrechtliches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erzwungen wurde und nicht etwa bedeute, dass man im Streit auseinandergehe.

Start in einer schwierigen Zeit für den Wald

Tatsache sei jedoch, dass der Übergang von Hessen-Forst auf die neue Kommunalwahl GmbH bei der Domanialverwaltung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt erfolge, weil die Wälder der Region gerade ihre größte Krise erlebten. Der Klimawandel habe zu einer ungünstigen Abfolge von Sturmschäden, Borkenkäferbefall und mehreren Dürrejahren geführt. Das Ergebnis sei verheerend.

Das bekräftigte auch Forstamtsleiter Martin Klein: Hessenweit seinen rund 10.000 Hektar Waldfläche kahl. Besonders betroffen seien Fichte und buche, aber auch die Kiefern und Eichen hätten schwer zu leiden. Auch von den 960 Hektar Arolser Stadtwald seien rund ein Viertel verloren.

Hainbuchen und Traubeneichen mit Bedacht ausgewählt

Bei der Wiederaufforstung komme es darauf an, den wichtigen Mix zu finden. Auf vielen Flächen funktioniere die Naturverjüngung gut, also das Nachwachsen neuer Bäume aus den reichlich im Boden vorhandenen Samen.

Es gebe aber auch ehemalige Fichtenflächen, auf denen keine Samen anderer Baumarten zu erwarten sei. Um den Waldumbau auch auf diesen Flächen zu ermöglichen, würden nun zum Beispiel im Stadtwald Mengeringhausen Hainbuchen und Traubeneichen gepflanzt. Auf anderen Flächen seien andere Baumarten sinnvoll. Das hänge von vielen Faktoren ab.

Zaun soll Wildverbiss verhindern

Das Konzept hierzu stammt von Revierförster Dieter Kisselbach, der den Stadtwald Mengeringhausen schon seit Jahrzehnten kennt und deshalb auch von Hessen-Forst bis zum Ende seiner Dienstzeit an die Kommunalwald GmbH „ausgeliehen“ wird.

Hier haben Stürme, Borkenkäfer und Trockenheit den Wald vernichtet: Forstamtsleiter Martin Klein, Revierförster Dieter Kisselbach, Bürgermeister Jürgen van der Horst und der Leiter der Kommunalwald GmbH, Hendrik Block, staunen bei einem Selbstversuch mit dem Spaten über das enorme Tempo der Pflanzer aus der slowakischen Republik.

Kisselbach wählte eine knapp fünf Hektar große Kahlfläche aus und ließ zunächst vier Zäune mit insgesamt zwei Kilometern Länge errichten, um dauerhaft Wildverbiss bei den frisch angepflanzten Bäumen zu verhindern. Die sieben slowakischen Waldarbeiter schafften die zwei Kilometer Zaun in gut einem Tag. Dann machten sie sich an die Pflanzarbeit.

Zertifiziertes Saatgut verwendet

Die ein Jahr alten Pflänzchen lieferte eine zertifizierte Forstbaumschule aus Pinneberg. Haro Heintze versicherte, dass nur zertifiziertes Saatgut aus zertifizierten Beständen verwendet werde.

Die vielen Eicheln, die im aktuellen Mastjahr in der Großen Allee den Boden bedecken wären für eine professionelle Aufforstaktion ungeeignet und dürften nicht verwendet werden, bestätigt Forstamtsleiter Martin Klein.

Wald dient als Daseinsvorsorge

Die aktuelle Pflanzaktion kostet rund 18.000 Euro pro Das Land Hessen ist mit 50 Prozent an den Zaunkosten und 85 Prozent an den Pflanzkosten beteiligt. Zum Freiräumen der Windwurffläche gewährte das Land einen Zuschuss von 4,80 Euro je Festmeter Fichtenholz.

Das sei zwar eine gute Anschubfinanzierung für die Aufforstung, gab Revierförster Kisselbach zu bedenken. Allerdings müsse man dabei im Hinterkopf haben, dass dem Stadtwald nun das Holz fehle, das eigentlich in 30 Jahren hätte geerntet werden sollen.

Neben dem Holzwert sei der Wald zudem wichtiger Sauerstofflieferant und CO2-Speicher, Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Ebenso wichtig sei die Funktion als Wasserspeicher. (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare