„Deutschstunde“ als Theateraufführung – Volksbildungsring bietet Einführungsvortrag

Pflicht ging vor Menschlichkeit

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Pflichterfüllung vor Menschlichkeit – das Theaterstück „Deutschstunde“ nach dem Roman von Siegfried Lenz in der Inszenierung von Stefan Zimmermann ist am Sonntag, 22. April, ab 19.30 Uhr in der Fürstlichen Reitbahn in Bad Arolsen zu sehen.

Der Volksbildungsring präsentiert am Sonntag, 22. April, um 19.30 Uhr in der Fürstlichen Reitbahn des Welcome Hotels in einem Gastspiel des „agon-Theaters“ München das Schauspiel „Deutschstunde“ nach dem Roman von Siegfried Lenz.

Dazu bietet der Volksbildungsring am Freitag, 20. April, um 19.30 Uhr in den Räumen der „ars vivendi“-Seniorenresidenz einen Einführungsvortrag durch Oberstudiendirektor Wilfried Schuppe an.

Siegfried Lenz, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, beschäftigt sich in der Deutschstunde mit der für Deutschland durchaus typischen Thematik, dass Pflichterfüllung als Erziehungsideal lange vor Menschlichkeit ging, ganz besonders während der NS-Herrschaft.

Zum Nachdenken bringen

Der vielfach ausgezeichnete israelische Schriftsteller Amos Oz über Lenz: „Einer der wichtigsten Vertreter der Weltliteratur. Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten? Lenz bringt uns dazu, darüber nachzudenken“. Die Deutschstunde ist nach wie vor Pflichtlektüre im Schulunterricht. Nicht ohne Grund, denn Siegfried Lenz hat sich damit „zum Volksschriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur geschrieben“, wie Marcel Reich-Ranicki treffend bemerkte.

Noch nie war die „Deutschstunde“ auf einer Bühne zu sehen. Die neue Bühnenfassung - die erste von Autor und Verlag autorisierte - ist also eine kleine Sensation. In ausgewählten Szenen konzentriert sie das Geschehen auf das Kernthema, den Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“, den der 20-jährige Siggi Jepsen 1954 in einer Besserungsanstalt schreiben soll. Zunächst bleibt das Blatt leer, doch dann kann Siggi kein Ende finden. Heft um Heft füllt sich. Zu sehr beschäftigt ihn, was er als Kind und Jugendlicher während des Krieges erleben musste.

Sein Vater, der kleine Dorfpolizist Jens Ole Jepsen, hatte seinen Jugendfreund, den als „entartet“ gebrandmarkten und mit Berufsverbot belegten Maler Max Ludwig Nansen, bespitzelt, überwacht und denunziert. (Vorlage der Figur ist der berühmte Expressionist Emil Nolde).

Pflichterfüllung ging vor Menschlichkeit. Und selbst nach dem Ende des Regimes verfolgte Jepsen den Maler beharrlich weiter - seine Mission schien keinen Auftrag mehr zu brauchen.

Lenz wurde nicht nur zum genialen Denker über die deutsche Nazi-Diktatur, sondern auch zum menschlichen Botschafter zwischen dunkler Vergangenheit und demokratischer Gegenwart - vor allem mit der „Deutschstunde“, in der er das Unvorstellbare vorstellbar machte, getreu seinem Motto: „Ich schreibe, um die Welt zu verstehen“.

Theaterkarten sind im Touristik-Service Bad Arolsen, Große Allee 24, Tel. 05691/801240 und bei der WLZ in Korbach erhältlich. Restkarten an der Abendkasse ab 18.30 Uhr.

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