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Rock mit Pathos - Magnum: The Monster Roars

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Von: Achim Rosdorff

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Magnum: The Monster Roars.
Magnum: The Monster Roars. © Steamhammer (SPV)

Das 22. Album von Magnum aus Birmingham heißt „The Monster Roars“. Die in den typischen, pathosreichen Melodic Rock gehüllten Songs klingen überraschend frisch.

„Magnum“ ist lateinisch und heißt „das Große“. Das passt zum hymnischen Stil der Engländer, die ihren melodischen, keyboardlastigen Rock gern bombastisch steigern. Auch die neuen Songs orientieren sich an „On A Storytellers Night“ von 1985, bis heute die Albumreferenz der Band. So gibt’s erneut Classic Rock, wie ihn die Fans erwarten: Die von Bob Catleys markanter, warmer Stimme getragenen, oft majestätischen Songs zaubern feierliche, mystische Atmosphäre. Von Dramatik bestimmt, treiben sie in tiefen Gefühlsmeeren zu neuen Ufern der Fantasie. Denn Songwriter und Gitarrist Tony Clarkin – zusammen mit Bob Catley seit 1972 Kern der Band – vertont gern Fantasy-Themen. Das spiegelt sich in den sagenhaft naiven Figuren aus der Märchenwelt auf jedem Albumcover von Magnum - „Der Herr der Ringe“ lässt grüßen. Doch so zornig die Fratze des neuen Monsters auch dreinblickt, von Metal ist die Musik weit entfernt.

Bei Lyrik und Sound geht’s trotz einiger gesellschaftskritischer Themen kaum düster und wütend zu. Eher leidenschaftlich, wie bei der großen Liebe. Ja, die neuen Songs mit den alten Strukturen klingen schön geheimnisvoll. Erst plätschern Piano-Passagen lieblich dahin, dann brechen plötzlich gewaltig tosende E-Gitarrenwellen los – melodisch gekrönt von eingängigen Refrains. So wird nicht nur dem Titelsong Leben eingehaucht. Laut und leise im aufrüttelndem Wechsel und/oder mit knackigen Tempowechseln versehen – so gehen auch „The Present Not The Past“, „Remember“ oder „That Freedom Word“ unter die Haut.

Kraftvoller Pop-Rock wie bei „I Won’t Let You Down“ und rifflastiger Hardrock wie bei „Your Blood Is Violence“ zünden mit den organischen Gitarren- und Schlagzeugparts. Trotz zuweilen etwas hölzerner Soli klingt alles homogen und dennoch kontrastreich. Nur die Bläser der Bigband bei „No Steppin’ Stones“ sind zu viel des Guten und überfrachten den bereits mit üppigen Synthies aufgepeppten Sound.

Bobs Stimme krächzte auf den vergangenen Alben etwas dünn, doch nun entfaltet das 74-Lenze-Organ wieder volle Pracht. So drückt der kleine Sänger mit der inzwischen schütter-grauen Mähne, aber immer noch großen Stimme bei den Balladen „All You Believe In“ und „Walk The Silent Hours“ mächtig auf die Tränendrüse.

Mal stampfend, mal schwebend, mal wattig weich, mal kantig hart – die Rock-Urgesteine zeigen Gefühl ohne Kitsch. Nahe an den AOR-Giganten der 70er und 80er Jahre und einigen Riffs der Hardrock-Briten Thunder.

Feuerzeuge an, hochgereckt und dann in der Menschenmenge im Takt hin und her wiegen - live ist Magnum am schönsten. Also, unser heißer Tipp: Im Frühjahr kommt die Band mit Vorgruppe Gotthard auf Deutschland-Tour. Das erste Konzert steigt am Montag, 18. April, in Frankfurt, in der Batschkapp.

Info

www.magnumonline.co.uk

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