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Diese Waldecker Sprecher sichern Platt für wissenschaftlichen Sprachatlas

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Sie arbeiten an Waldecker Sprachatlas (von links): Friedrich Franke (Gembeck), Friedrich Gerhard (Kohlgrund), Margot Schmidt (Neerdar), Andreas Karl Böttcher (Massenhausen, Geschichtsverein), die wissenschaftliche Mitarbeiterin Elena Haase (Münster), Friedrich Ladage (Neudorf), Studentin Sina Huß (Münster), Ilse Tilenius (Külte), Wilfried Heidel (Fürstenberg), Lieselotte Schmidt (Meineringhausen) und Christian Heinemann (Zollhaus).

Massenhausen - Aufnahmen für einen wissenschaftlichen Sprachatlas über Waldecker Platt fanden im Spielzeugmuseum Massenhausen statt.

Auf Einladung des Waldeckischen Geschichtsvereins und in Zusammenarbeit mit der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens mit Sitz in Münster wurden Sprachproben in Form von Begriffen, Wörtern, Sätzen und der Grammatik für ISA (Interaktiver Sprachatlas) aufgenommen.

Sie repräsentieren Waldeck

Das Waldecker Platt - oder auch Niederdeutsch genannt - ist eine eigenständige Sprache und westfälische Untermundart. Südlich der Sprachgrenze durch das Waldecker Land wird bereits Nordhessisch gesprochen, das in den Augen von Sprachforschern allerdings als Dialekt gilt.

Insgesamt ging es um 71 Vokabeln oder Sätze, die festgehalten wurden. Außerdem galt es bei den Übersetzungen von zwölf verschachtelten Sätzen die Grammatik des Plattdeutschen aufzuzeigen. Mit Gewährsleuten aus Neudorf, Gembeck, Külte, Kohlgrund, Zollhaus, Neerdar, Meineringhausen, Fürstenberg und Freienhagenwird im ISA die plattdeutsche Sprachenvielfalt des Waldecker Landes bald online abrufbar sein

Frosch wird zum Höpper

Zu den verschiedensten Themen veranschaulichen die Tonaufnahmen der Plattdeutsch-Sprecher, wie unterschiedlich ein Begriff in den Ortschaften klingt. Unterschiede werden hier klar erkennbar: Alleine beim Wort „Honig“. Spricht man es in einigen Dörfern als „Hannig“ aus, wird das Wort woanders zu „Hunnig“ oder „Hunig, Hünig oder Honnig“. 

Ähnlich ergeht es dem „Frosch“. Der als „Höpper“, „Frosk/Fruosk“ oder „Hüppelfuask“ bezeichnet wird. Beispielsweise die Wörter Käse, Mädchen, Pflaume, Weißkohl, Schnecke oder Amsel müssen in der jeweils örtlichen Mundart wiedergegeben werden. Bei der „Dialektgeographie“ geht es aber auch um Sätze wie „Er hat sich das Bein gebrochen“ oder „Hol mal sieben Eier“. 

Angebot für Schulen

Mit dem Angebot der LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens sollen vor allem auch Schulen erreicht werden, um Kindern und Jugendlichen die lokalen Sprachen vor Augen und Ohren zu führen. Großer Wert wurde auf plattdeutsche Sprecher gelegt, die an Kreis- oder Landesgrenzen wohnen, um die Spracheinflüsse bzw. –übergänge und Vermischungen zu verdeutlichen.

Im Mundartarchiv des Waldeckischen Geschichtsvereins in Bad Arolsen sind Beispiele aus 60 Orten erfasst worden. Weitere werden erbeten. 

Hier sollen auch die Gebiete, wo das Plattdeutsche zum Teil nicht mehr vorherrscht und Nordhessisch gesprochen wird, zum Zuge kommen. Also auch das Edertal, Bad Wildungen und zusätzlich Vöhl als – sprachlich gesehen – geteiltes Gebiet. 

Hier werden Stimmen gesammelt

Interessierte melden sich bei Andreas Karl Böttcher, Leiter des plattdeutschen Arbeitskreises von der Bezirksgruppe Bad Arolsen, unter der Rufnummer 05691/627875. 

 Plattdeutsche Veranstaltungen mit Mundartbeiträgen, Anekdoten und Vertellekes von „Platt-Sprechern“ sowie Vorträgen des Deutschen Sprachatlasses in Marburg sind für Freitag,  18. Januar,  ab 14.30 Uhr in der Walmehalle in  Meineringhausen und am Freitag,  1. Februar,  ab 17 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in  Frebershausen geplant.  red

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