Diskussion mit Ministerin Sinemus

Digitalisierung an waldeckischen Schulen verläuft schleppend

Eine Diskussion über die Digitalisierung der Schulen führten die IT-Fachleute und Unternehmer Andreas Pohl und Benjamin Willers (von links) mit der Digitalministerin Dr. Kristina Sinemus und dem bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Armin Schwarz (2. von rechts). Bürgermeister Jürgen van der Horst moderierte die Diskussion, im Hintergrund links Dominik Wohl und rechts Petra Gerhold von der Stadt Bad Arolsen.
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Eine Diskussion über die Digitalisierung der Schulen führten die IT-Fachleute und Unternehmer Andreas Pohl und Benjamin Willers (von links) mit der Digitalministerin Dr. Kristina Sinemus und dem bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Armin Schwarz (2. von rechts). Bürgermeister Jürgen van der Horst moderierte die Diskussion, im Hintergrund links Dominik Wohl und rechts Petra Gerhold von der Stadt Bad Arolsen.

Der Frust über die schleppende Digitalisierung an heimischen Schulen kam gestern in Bad Arolsen beim Besuch der hessischen Digitalministerin Dr. Kristina Sinemus zur Sprache.

Bad Arolsen – Die IT-Fachleute und Unternehmer Andreas Pohl und Benjamin Willers brachten ihren Unmut bei der Diskussion mit Sinemus und dem bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Armin Schwarz, im Bad Arolser Rathaus vor.

Die coronabedingte Schließung der Schulen Mitte März und die Versuche des Homeschoolings haben nach Einschätzung der beiden IT-Fachleute deutlich gemacht, dass bei der Digitalisierung an den Schulen viel versäumt worden und auch sechs Monate später noch nicht genug geschehen sei.

Bei der Versorgung mit digitalen Endgeräten für Schüler und Lehrer oder bei der Unterstützung von digitalem Unterricht via Videoplattformen, was bei einer möglichen Verschärfung der Pandemie im Herbst von Winter die Probleme verschärfen dürfte. Willers: „Es brennt und drängt!“

Pohl und Willers, beide auch Väter von Schülerinnen im Teenageralter, beklagten Kompetenzgerangel und fehlende Planung, die speziell an der Basis im Bildungssystem wesentlich zur Entwicklung digitaler Strukturen beitragen könnte.

Bauarbeiter brauchten auch einen Plan, bevor sie loslegen. Pohl kritisierte, dass wegen der Pandemie einige gesetzliche Regelungen außer Kraft gesetzt worden seien, aber die Datenschutzvorschriften einen digitalen Unterricht hemmten.

Digitalministerin Sinemus, Mutter einer 14-jährigen Tochter, und MdL Schwarz räumten Probleme durch bürokratische Hemmnisse und Regelungen durch fehlende Tablets und Server-Kapazitäten ein.

Auch gebe es Schwierigkeiten mit dem Schulportal des Landes als freiwillig nutzbare Plattform für digitalen Unterricht. Bei einem früheren Gespräch unter Mitwirkung von Bürgermeister Jürgen van der Horst mit den beiden IT-Experten und Vertretern von acht Schulen aus Nordwaldeck im Rathaus wurden die Probleme bei der Digitalisierung und der Fortbildung von Lehrkräften diskutiert. Das war vor den Sommerferien.

Der Frust bei den IT-Unternehmen und Vätern von Schülerinnen ist aber nach den Ferien nicht kleiner geworden. Pohl: „Dabei haben wir auch technische Lösungen aufgezeigt und ehrenamtliche Hilfe angeboten. 300 Firmen bieten im Zuge von ,TeamsmachtSchule’ ehrenamtliche Unterstützung an.“

Sinemus räumte ein, dass überall in Hessen Probleme bei der Digitalisierung beklagt würden, dass aber auch beispielsweise bei dem Besuch einer Schule im Odenwald Lob über die bisherige Digitalisierung ausgesprochen wurde.

Das geschieht nach den Worten von Schwarz in Zusammenarbeit zwischen dem Digital- und dem Kultusministerium. Finanziell habe das Land die vom Bund bereitgestellten 317 Millionen Euro aufgestockt, sodass innerhalb von fünf Jahren eine halbe Milliarde für die Digitalisierung bereitgestellt werden könne.

Er räumte ein, dass auf den weiteren Ebenen bessere Kooperation wünschenswert sei. „Es menschelt halt überall“, erklärte Ministerin Sinemus.

Zudem gibt es nach Auskunft von Schwarz Produktionsengpässe bei den chinesischen Herstellern von Tablets. So seien von den 105 000 bestellten Tablets für sozial Bedürftige bisher 60 000 geliefert worden. Aber auch für Lehrer würden Endgeräte ausgeliefert.

Ein wesentlicher Knackpunkt ist der Support, also die technische Betreuung. Hier seien die Landkreise als Schulträger in der Pflicht. von den insgesamt 65 000 Lehrern seien bereits im vorigen Jahr 7900 für den digitalen Unterricht fortgebildet worden.

Das Land wolle auch mit Dritten die Schulung durch die Akademie für Lehrkräfte verstärken., das Land stelle die Mittel bereit. Die Kooperationsangebote von Pohl nehme er, Schwarz, gerne an.

Als wichtige Plattform solle das Schulportal, für das sich inzwischen 1000 der insgesamt 2000 hessischen Schulen angemeldet haben, nach den Worten von Sinemus weiter ausgebaut werden. Ab 2021 werde die Möglichkeit von Videokonferenzen über das Portal angeboten, bis dahin solle es eine Zwischenlösung geben. Auch die Serverkapazitäten sollen angepasst werden.

Dankbar nahmen die Ministerin und der Landtagsabgeordnete die Kooperationsangebote der IT-Fachleute an. Gerne werde sie ein Gespräch mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes organisieren.

Inzwischen seien aber Ausnahmen beim Datenschutz möglich. Auch dürfe die, laut Pohl kostenfrei angebotene Microsoft Teams-Plattform, genutzt werden. „Wir haben das gleiche Ziel, müssen aber noch nacharbeiten“, sagte die Ministerin. (Von Armin Haß)

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