Wie gehen die Rhoder mit Stadtkeller und Dorfgemeinschaftshaus um?

Diskussion hat gerade erst begonnen

Das Dorfgemeinschaftshaus gehört zu den am intensivsten genutzten öffentlichen Gebäuden in Rhoden, doch der Sanierungsbedarf ist mit 600 000 Euro extrem hoch. Fotos: Schulten

Diemelstadt-Rhoden - Eigentlich hätte der Anbau an die Stadthalle Rhoden nie gebaut werden dürfen. Auch ohne diesen recht neuen Versammlungsraum verfügt Rhoden über mehr öffentliche Räume als die Diemelstadt sich leisten kann und will. Deshalb wird jetzt darüber nachgedacht, auf welche Gebäude die Stadt vielleicht verzichten kann.

Übers Jahr gerechnet stehen die öffentlichen Räume in Rhoden zu 80 Prozent leer. Das haben die vom Magistrat beauftragten Immobilienfachleute der RGV Bad Arolsen in einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse festgestellt. RGV-Geschäftsführer stellte die Details der Erhebung am Freitagabend bei einer öffentlichen Ortsbeiratssitzung im Dorfgemeinschaftshaus vor.

Dieses städtische Gebäude gehört zu den am intensivsten genutzten der Stadt. Hausfrauen, Schützen, Sänger, das Waldarbeitermuseum und private Festgesellschaften nutzen das Dorfgemeinschaftshaus seit Jahren gern und häufig.

Doch das Haus an der Landstraße ist in die Jahre gekommen. Es gibt erhebliche Mängel in der Bausubstanz. Die Betonplatte des Balkons ist nicht mehr sicher. Die Bauexperten rechnen mit einem Sanierungsbedarf von rund 600000 Euro bei derzeit 10000 Euro jährlichen Unterhaltungskosten.

Gegen einen Verkauf spricht jedoch aus Sicht vieler Rhoder die zentrale Lage. Der moderne Anbau an der Stadthalle könnte eine Alternative sein, liegt jedoch eher am Stadtrand.

Hochzeiten im Schloss?

Die Bausubstanz des Stadtkellers ist ebenfalls so schlecht, dass die Experten den Verkauf empfehlen, um die Sanierungskosten von 400000 Euro plus Dachstuhl von der Stadt abzuwenden. Das Gebäude neben der Stadtkirche war früher Rathaus, ist jetzt Gaststätte und beherbergt das Trauzimmer und das Stadtarchiv. Beide öffentliche Nutzungen ließen sich leicht auslagern. Trauungen könnten künftig im Schloss stattfinden. Dort wäre bestimmt auch Platz für ein Stadtarchiv.

Aber soll die Stadt Diemelstadt sich tatsächlich so massiv im Schloss ausbreiten? - Das wäre auch mit Kosten verbunden.

Andererseits - darauf verwies Bürgermeister Elmar Schröder vor rund 100 Zuhörern im Dorfgemeinschaftshaus - andererseits haben die Rhoder nach dem Auszug des Altenheimes mit vielen Aktionen und Willensbekundungen der Waldeckischen Domanialverwaltung signalisiert, dass sie bereits seien, einiges zum Erhalt des Schlosses beizutragen.

Fakten auf dem Tisch

Derzeit investiert die Domanialverwaltung 7,6 Millionen Euro in den ersten Sanierungsabschnitt des Schlosses. Die EWF-Tochter VEW wird einige Büroräume im Schloss beziehen. Aber riesige Flächen warten noch auf ein schlüssiges Nutzungskonzept.

„Soll sich die Diemelstadt da engagieren?“, fragte Bürgermeister Schröder und versicherte mehrfach, dass noch keinerlei Entscheidung über die künftige Nutzung der öffentlichen Gebäude in Rhoden gefallen sei. Der Magistrat habe mit der Beauftragung der Immobilienexperten von RGV nur dafür gesorgt, dass alle Fakten auf den Tisch gekommen seien. Nun sei es an den Bürgern und dem Ortsbeirat, eine Entscheidung vorzubereiten.

Derzeit bestehe zwar kein Grund zur Eile, aber es sei schon sinnvoll, bei den Planungen im Hinterkopf zu behalten, dass das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz nicht ewig laufe.

In diesem Zusammenhang berichtete die zuständige Mitarbeiterin des vom Magistrat beauftragten Trägerbüros NH Wohnstadt, Susanne Engels, dass in drei Jahren über die letzten Förderanträge entschieden werde.

Bis Ende 2013 wurden bereits öffentliche und private Maßnahmen für rund drei Millionen Euro über den Städtebaulichen Denkmalschutz im Stadtteil Rhoden umgesetzt.

Noch mehr große Aufgaben

Die Gestaltung des Schlossplatzes, zahlreiche private Maßnahmen, der Abriss des Bauhofs, die Sanierung des Rathauses und insbesondere der Rückbau der Landstraße werden nach heutiger Schätzung weitere 3,8 Millionen Euro aus der Stadtsanierung benötigen. Dazu sind für die Landstraße zusätzlich Mittel des Verkehrsministeriums nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz von 1,1 Millionen Euro erforderlich und die Stadt muss zusätzlich 1,7 Millionen Euro für Wasser und Kanal in der Landstraße einplanen.

Diese Summen müssen in einer der nächsten Stadtverordnetenversammlung mit Prioritäten und Zeiträumen versehen werden. Klar ist allerdings, dass die Stadt den letzten Förderantrag an das Land 2017 abgeben kann.

Dennoch wurde angesichts dieser Zahlen und Fakten deutlich, dass die Stadt in nächster Zeit auch eine Entscheidung darüber fällen muss, welche Gebäude auch in Zukunft in städtischer Regie betreiben werden können und welche nicht.

Erst die Pflicht, dann die Kür

„Es handelt sich bei all diesen Ausgabepositionen weitestgehend um freiwillige Maßnahmen, die die Stadt erst ausführt, wenn nach den Pflichtaufgaben noch Freiräume im Haushalt bleiben“, so Bürgermeister Schröder im Ortsbeirat.

Schröder weiter: „Die Diskussion um die Zukunft des sanierungsbedürftigen Stadtkellers und Gemeinschaftshauses in Verbindung mit der Frage, ob und wie sich die Stadt in den Räumlichkeiten des Schlosses engagieren will, ist nicht tagesaktuell zu beantworten, das braucht viele Gespräche.“

Hierbei habe die Ortsgemeinschaft Rhoden mit allen aktiven Vereinen eine Menge mitzureden. Die sachliche Diskussion im Rahmen der öffentlichen Ortsbeiratssitzung zu eröffnen sei daher ein wichtiger und richtiger Schritt im Sinne der Rhoder Bevölkerung, so der Rathauschef abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare