Vortrag über neue Buchveröffentlichung

Displaced Persons als frühere ITS-Mitarbeiter: In Arolsen gestrandet

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Fundstücke der Arolsen Archives: der Geschichte der Displaced Persons in Arolsen nach 1945 haben (v.l.) Prof. Silke von der Emde, Dr. Christian Höschler und Isabel Panek nachgespürt und in einem Band veröffentlicht. 

Das Wirken ehemaliger KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge beim Internationalen Suchdienst (ITS) steht im Mittelpunkt einer neuen Veröffentlichung von Arolsen Archives.  

In den Ausstellungsräumen in der Schlossstraße begrüßten die Autoren Dr. Christian Höschler, Isabel Panek und Prof. Silke von der Emde rund 40 Zuhörer, die mehr über Displaced Persons (DPs) in Arolsen wissen wollten. Zivilpersonen, die sich infolge des Kriegs außerhalb ihrer Heimatländer befinden, lautet eine der Definitionen des Begriffs DP.

„Die Idee zu der Buchveröffentlichung ist aus dem Kontext der Dauerausstellung heraus entstanden. Wir wollten das Thema vertiefen, weil es noch nicht hinreichend erforscht ist“, erklärten die Herausgeber Christian Höschler, stellvertretender Leiter der Abteilung Forschung und Bildung von Arolsen Archives, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin Isabel Panek.

So skizzierte Höschler die Unterbringung, Registrierung und Versorgung von Millionen DPs durch internationale Hilfsorganisationen wie UNRRA und IRO nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Rolle der "Displaced Persons" (DPs)

Der Rolle der DPs in Arolsen spürte Isabel Panek nach. Überwiegend aus Osteuropa und dem Baltikum stammend, fanden viele ihren Weg in die Residenzstadt. Hier hatten sie teilweise bereits Zwangsarbeit geleistet oder schon anderweitig für die alliierten Siegermächte gearbeitet. Untergebracht waren die Frauen und Männer in Privathäusern, im Neuen Schloss und auf dem ehemaligen Kasernengelände.

Beim Internationalen Suchdienst wurden sie als politisch Unbelastete eingestellt, um beim Aufbau des Archivs über die Opfer der NS-Verfolgung mitzuarbeiten und Schicksale zu klären. Wie belastend die Arbeit im Suchdienst war, die von den DPs mit enormem Einfühlungsvermögen geleistet wurde, skizzierte die gebürtige Mengeringhäuserin Silke von der Emde, die als Associate Professor of German Studies am Vassar College in Poughkeepsie, New York, lehrt.

Sie hat am Beispiel der Arolsen Archives untersucht, wie Archive Erinnerungen aufbewahren.

Wichtige emotionale Arbeit geleistet

Die DPs haben ganz wichtige emotionale Arbeit geleistet, die einen bestimmten Ton setzte, der heute hier noch herrscht, stellte von der Emde mit Blick auf die Arolsen Archives fest. Die Korrespondenz der DP-Mitarbeiter sei von tiefer Anteilnahme am Schicksal der Opfer geprägt gewesen.

Sie mussten die Sprache in den Dokumenten lesen lernen und in Briefen, etwa an Angehörige, den richtigen Ton finden, erklärte von der Emde.

Am Anfang in Feindschaft 

Einfach hatten es die Suchdienst-Mitarbeiter in der Residenzstadt übrigens nicht, wie die Referentin hervorhob. In den Anfangsjahren hätten die Arolser dem ITS zunächst feindselig gegenübergestanden: die Einrichtung habe die Bevölkerung täglich an ihre politische Vergangenheit erinnert.

Der Band Zweierlei Suche. Fundstücke zu Displaced Persons in Arolsen nach 1945 mitsamt Anhang mit ausgewählten Dokumenten aus den Arolsen Archives ist zum Preis von 9,90 Euro in den Ausstellungsräumen in der Schlosssstraße 10 erhältlich.

(Von Sandra Simshäuser)

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