Klassenkameraden und Lehrer erinnern sich

Doris von Sayn-Wittgenstein: Die unbekannte Fürstin stammt aus Bad Arolsen

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Zufrieden mit einem Wahlergebnis: Doris von Sayn-Wittgenstein, Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein, beim AfD-Bundesparteitag in Hannover (Niedersachsen). 

Bad Arolsen. Mit ihrer gescheiterten Kandidatur für den Bundesvorsitz der AfD hat Doris von Sayn-Wittgenstein über Nacht bundesweite Berühmtheit erlangt.

Im Mittelpunkt stand in der vergangenen Woche die eine Frage: Woher kommt ihr wohlklingender Name? Einen ersten Hinweis, den Bild-Zeitung und das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gleichermaßen zitieren, gab eine ehemalige Studienkollegin: Doris von Sayn-Wittgenstein stammt aus Arolsen.

Im Gespräch mit dieser Zeitung berichten ehemalige Klassenkameraden und Lehrer über die bis dahin weitgehend unbekannte Fürstin, von der sich das Haus Sayn-Wittgenstein auch offiziell distanziert hat.

Wer ist Doris von Sayn-Wittgenstein?

Als Doris Ulrich wurde sie 1954 in Bad Arolsen geboren. Die Tochter eines Postsekretärs und einer Vertriebenen aus Schlesien wuchs in der Pyrmonter Straße auf.

Im aktuellen Spiegel-Interview räumt Sayn-Wittgenstein aber nur ein, sie habe „zeitweise“ den Namen Ulrich geführt: Dies sei der Name ihres ersten Ehemannes gewesen, von dem sie seit Jahrzehnten geschieden sei. Bei der Heirat mit ihrem zweiten Mann habe sie dann beschlossen, „ihren Geburtsnamen“ anzunehmen“ – Sayn-Wittgenstein.

Geboren wurde sie jedenfalls in Arolsen unter dem Namen Doris Ulrich. Sie hat drei Geschwister – eine Schwester wurde wie sie selbst Juristin, die andere, Heike Ulrich, machte als Schauspielerin Karriere und spielte in der WDR-Vorabendserie „Marienhof“ mit. Ihr Bruder ist im Filmgeschäft erfolgreich.

Wie also kommt die 63-Jährige „mit der perfekt sitzenden Hochsteckfrisur, dicker Perlenkette und Trachtenjacke“ (Spiegel) auf die Idee, ihr Geburtsname sei eine Sayn-Wittgenstein? – Das geht eigentlich nur durch Adoption.

Was sagen ihre ehemaligen Klassenkameraden über  Doris von Sayn-Wittgensteim?

In der ehemaligen Residenzstadt des Fürstentums Waldeck erinnern sich Klassenkameraden des Jahrgangs 1954 noch gut an das kluge Mädchen, das zunächst die Realschule besuchte, und dann auf den Realschulzweig der Christian-Rauch-Schule wechselte. „Sie war eher unscheinbar, eine graue Maus, aber eine fleißige und gute Schülerin“, sagt ein ehemaliger Klassenkamerad, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Schon beim zehnjährigen Klassentreffen sei „die Doris“ als „von Sayn-Wittgenstein“ aufgetreten. Beim 40-jährigen Jubiläumstreffen im Jahr 2013 sei sie als erfolgreiche Rechtsanwältin auch dabei gewesen. Nun also könne man von ihr bundesweit in vielen Zeitungen lesen. 

Wie war Doris von Sayn-Wittgenstein in der Schule?

Den Spiegel-Artikel hat auch einer ihrer früheren Lehrer aus Bad Arolsen sehr aufmerksam gelesen. Er habe gleich überlegt, ob er nicht seinen ersten Leserbrief schreiben solle, sagt der inzwischen pensionierte Pädagoge. Ihm sei „ein hoher Stapel an Merkwürdigkeiten“ in den Äußerungen seiner früheren Schülerin aufgefallen, merkt er süffisant an.

Doris Ulrich sei im Unterricht „mit dem Mund immer vorne dabei gewesen, habe aber auch substanziell gut zum Unterricht beigetragen“. Als „graue Maus“ habe er das Mädchen mit ihren vielen Wortbeiträgen aber nicht in Erinnerung. Insofern sei er als Lehrer nicht verwundert, dass Doris Ulrich nun mit ihrem rhetorischen Talent bundesweit Schlagzeilen mache. Eine wie auch immer geartete politische Prägung sei in der Schulzeit nicht auszumachen gewesen.

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