Drogenabhängiger Vater vergewaltigt Mutter seines Sohnes

Drogen-Entzug kostet 10.000 Euro pro Monat

Diemelstadt/Kassel - Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten und einer Einweisung in eine Drogenentziehungsanstalt hat die fünfte Strafkammer des Landgerichts Kassel gestern einen 30 Jahre alten Marsberger verurteilt, der am 16. und 17. Dezember 2012 zweimal seine in Diemelstadt von ihm getrennt lebende Ehefrau vergewaltigt und sexuell genötigt hat.

Das Gericht folgte bei der Urteilsverkündung am vierten Verhandlungstag im Wesentlichen den Einschätzungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklagevertretung. Auch von der Verteidigung wurden die Taten im Grunde nicht bestritten. Schließlich hatte sich der Angeklagte am vorletzten Verhandlungstag zu dieser schwammigen Erklärung durchgerungen: „Ich kann nicht ausschließen, dass ich die Taten unter Drogeneinfluss begangen haben könnte.“

Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters hatte der Angeklagte dann aber gleich wieder einen Rückzieher gemacht und hinzugefügt: „Das ist kein Geständnis.“

Auch in seinem Schlusswort konnte sich der Angeklagte weder zu einem Geständnis noch zu einem Wort der Entschuldigung durchringen. Stattdessen war es vor Beginn des letzten Verhandlungstages zwischen seiner Familie und der Familie seiner Ehefrau zu einem verbalen Schlagabtausch auf dem Flur vor dem Gerichtssaal gekommen. Von Einsicht also keine Spur.

Dabei war bei der mehrtägigen Beweisaufnahme deutlich geworden, dass der Angeklagte am Morgen des 16. Dezember 2012 nach einer durchzechten Partynacht in der Wohnung seiner Noch-Ehefrau aufgetaucht war und Sex gefordert hatte. Als diese ablehnte, zog er sie ins Bad, um sie vom gemeinsamen dreijährigen Sohn wegzuziehen. Im Bad fiel er über sie her und befingerte sie. Schließlich konnte sie sich jedoch losreißen. Er verließ polternd die Wohnung und zerschlug aus Wut die Glasscheibe einer Wohnungstür.

Am nächsten Tag erschien er ein zweites Mal mit dem gleichen Anliegen. Sie brachte den Jungen zu Bett und versuchte den unter Drogen stehenden Kindsvater aus der Wohnung zu drängen. Dabei fiel er erneut über sie her. Sie wehrte sich erfolgreich mit Tritten, wurde aber wieder zu Boden geworfen und mit den Worten bedroht: „Ich bring dich um.“ Als er schließlich die Wohnung verließ, fehlten 200 Euro aus ihrer Handtasche.

Als Beweis für diese Vorfälle dienten dem Gericht vor allem Chat-Protokolle des Mail-Nachrichtendienstes What’sApp sowie Aussagen seines Bewährungshelfers und seines psychiatrischen Betreuers sowie des Polizeibeamten, der einige Tage nach der Tat ihre Anzeige zu Protokoll nahm.

Rechtsanwältin Jutta Schwarze, die die Interessen der vergewaltigten Ehefrau vor Gericht vertrat, verwies darauf, dass das Opfer und ihr dreijähriger Sohn durch die beiden Taten traumatisiert seien. Beide hätten sich in psychologische Betreuung begeben und auch schon eine Kur absolviert.

Die Ehefrau habe Angst und wolle eigentlich nur Ruhe: „Meine Mandantin will, dass der Angeklagte keine Möglichkeit mehr hat, auf sie einzuwirken. Aus ihrer Sicht ist eine große Gefährlichkeit des Angeklagten gegeben.“ Es sei zu befürchten, dass der Angeklagte noch einen Schlusspunkt setzen wolle.

Die Sorge kommt nicht von ungefähr: In der Vorstrafenliste des Angeklagten findet sich unter anderem auch - im Zustand der Schizophrenie - ein Messerstich in den Hals des Lebensgefährten seiner Mutter. Unbestritten war aufseiten der Anklage und der Verteidigung, dass die aktuellen Taten unter Drogeneinfluss und im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen wurden. Deshalb beantragte die Verteidigung die Chance, dass der Angeklagte, vor Haftantritt „als freier Mann eine Therapie antreten“ dürfe. Danach könne das Gericht über die Notwendigkeit einer Haft erneut beraten.

Tatsächlich wird der 30-Jährige - wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte - auf Anordnung des Gerichts eine Entziehungskur machen müssen.

In einem persönlichen Schlusswort appellierte der Vorsitzende Richter Stanoschek an den Angeklagten: „Nehmen Sie die Entziehungskur als Chance für ein neues Leben. Diese Entziehungskuren sind nicht billig. Die kosten 10000 Euro pro Monat. Der Staat investiert je nach Dauer zwischen 100.000 und 150.000 Euro in Sie und Ihre Zukunft, nutzen Sie die Chance.“

Im Anschluss an die Entziehungskur wird das Gericht entscheiden, wie viele Monate der Haftstrafe noch abgesessen werden müssen. Von April bis Anfang Dezember war der Angeklagte auch schon sieben Monate im Rahmen einer sogenannten Krisenintervention im psychiatrischen Landeskrankenhaus in Marsberg untergebracht. Auch diese Zeit kann auf die Haftstrafe angerechnet werden.

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