Kassel/Twistetal

Drohungen und Gewaltfantasien

- Twistetal/Kassel (-ah-). Ein Vorstrafenregister des Angeklagten Werner B. mit Freiheits- und Geldstrafen wegen Raubes, Diebstahls und anderen Delikten wurde gestern vor dem Landgericht Kassel verlesen.

Zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe wegen eines Raubüberfalls auf einen Drogeriemarkt in Northeim-Sudheim am 28. Juni 1995 sind die bisher höchste Strafe, die sich der heute 41-Jährige einhandelte, der sich wegen versuchten Mordes an seinen drei Kindern vor dem Schwurgericht in Kassel verantworten muss. Vorsitzender Richter Volker verlas insgesamt zwölf Eintragungen aus dem Bundeszentralregister. Die Reihe der Einträge reicht von einer beim Amtsgericht Frankenberg wegen Körperverletzung verhängten Geldbuße 1987 über ein Jahr und acht Monate Gefängnis wegen gemeinschaftlich begangenen schweren Diebstahls bis hin zu Bewährungsstrafen wegen falscher Verdächtigung und Ladendiebstahls vor zwei Jahren beim Amtsgericht Korbach. Während der einmonatigen Begutachtung in der Forensischen Klinik Haina nach der Tat, bei der er seine zwei Töchter und den Sohn mit einem Hammer lebensgefährlich verletzt hatte, gab B. gegenüber der Diplompsychologin Gewaltfantasien zu Protokoll. Wut und Hass habe er gegenüber seinem Schwager empfunden. Den Mann, den er mit für die Zerrüttung der Familie verantwortlich macht, hätte er gerne „vertrümmert“, auch von einem Zerstückeln habe er fantasiert und angeblich ein Samuraischwert beschafft. Bei der Begutachtung stellte die Psychologin eine unterdurchschnittliche Intelligenz, jedoch keine geistigen oder hirnorganischen Störungen fest. Seine Gefühlsäußerungen in Bezug auf die Tat hätten manchmal aufgesetzt und theatralisch gewirkt und seien als prozesstaktische Methode benutzt worden, ist die Psychologin überzeugt. Depressive Störungen oder Suizidabsichten seien nicht festgestellt worden. – Der Gutachter wird sich am kommenden Dienstag ausführlich zur Persönlichkeit des Angeklagten äußern. Zur Beurteilung der Gefährlichkeit von B. wurden kurzfristig weitere Zeugen einbestellt. Gestern wurden eine ehemalige Schwägerin und Mitbewohnerinnen der Familie zu angeblichen Morddrohungen vor etwa drei Jahren befragt. Ziemlich einmütig erklärten die Frauen, B. hätte zunächst geschrieen: „Wenn ich die Kinder nicht haben darf, dann darf sie keiner haben.“ Später soll er gedroht haben: „Ich bringe Euch alle um.“ Allerdings erklärten die Frauen, dass trotz der engen Beziehung zu der Mutter der drei Kinder nicht über Strafanzeigen, Gerichtsverfahren oder das Einschalten des Jugendamtes gesprochen worden sei oder man sich nicht mehr richtig erinnern könne. Die Mutter selbst nimmt ihr Aussageverweigerungsrecht in Anspruch. „Es fällt auf“, stellte der Verteidiger von B. fest, dass die Mutter viel über die Bild-Zeitung mitteile, aber nicht vor Gericht aussagen wolle. Die Schwägerin fragte er, ob sie wisse, wie Texte und Bilder von der Familie in die Zeitung gekommen seien und ob es einen Vertrag mit dem Blatt gebe. Davon wisse sie nichts, erklärte die Frau. Eine Freundin erklärte, sie habe sich mit der Mutter vom privaten Fernsehsenders RTL filmen lassen.Das Verfahren wird sich über den ursprünglich als letzten Termin genannten 13. November hinausziehen. Für den 13. und 19. November werden die Plädoyers und für den 24. November wird das Urteil erwartet. Mehr in der gedruckten Ausgabe.

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