1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Bad Arolsen

Duales Studium in Bad Arolsen anvisiert

Erstellt:

Von: Armin Haß

Kommentare

Berufsbildungswerk Bad Arolsen: Der Landkreis regt die Schaffung eines Campus der Technischen Hochschule Mittelhessen an.
Berufsbildungswerk Bad Arolsen: Der Landkreis regt die Schaffung eines Campus der Technischen Hochschule Mittelhessen an. © Armin Haß

Über die Möglichkeiten eines Dualen Studiums bei der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) informierten Vertreter der THM und des Landkreises im Berufsbildungswerk (BBW) Bad Arolsen. Gekommen waren etwa 65 Vertreter von Firmen und Institutionen aus der Region.

Bad Arolsen – Das BBW war deswegen als Veranstaltungsort ausgewählt worden, weil Landrat Jürgen van der Horst den Aufbau eines THM-Campus Nordwaldeck im BBW anregt. Das vom Bathildisheim getragene BBW wird ab 2023/2024 in Kassel konzentriert.

Zwei Standorte bereits

Neben den bestehenden Standorten Bad Wildungen und Frankenberg, an denen das von der THM getragene Wissenschaftliche Zentrum Duales Hochschulstudium (ZDH) Studienmöglichkeiten anbietet, soll ein auf die Bedürfnisse der Unternehmen der Region in und um Nordwaldeck zugeschnittenes und ergänzendes Angebot aufgebaut werden. Surch attraktive Ausbildungsangebote vor Ort soll eine Abwanderung in die Ballungszentren eingedämmt werden.

Der Weg zum Studium führt über einen Ausbildungsplatz bei einem Unternehmen, stellte Jens Hoßfeld, Geschäftsführender Direktor Studienbetrieb, fest. So müssten sich junge Leute vorab gründlich Gedanken über ihren künftigen beruflichen Werdegang machen.

Firmen gefragt

Neben regionalen Firmen in Bad Wildungen und Frankenberg zählt sich auch der Landkreis als guten Kunden, so Landrat van der Horst. Die Kreisverwaltung lasse Leute für Ingenieurwesen oder IT ausbilden.

Der Landkreis stellt die Räumlichkeiten und zählt mit zu den Förderern und Partnern des ZDH: Der Reigen reicht vom Bund über das Land, die Europäische Union, IHK und Stifterverband bis zu den Kreisen und Städten, in denen ein Campus besteht. „Wir wollen eine Antwort darauf geben, dass wir Talente an die großen Städte verloren haben“, begründete Landrat van der Horst das 2009 mit dem Campus Frankenberg begonnene Engagement des Landkreises.

Anfragen aus dem Landkreis

Am Informationsabend zur THM nahmen neben Firmenvertretern unter anderem die Bürgermeister aus Diemelstadt, Marsberg, Twistetal, Volkmarsen und Bad Arolsen sowie der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Hochsauerlandkreis, Frank Linnekugel, teil. Interesse bekundet auch die Stadt Warburg, in der die Hochschule Ostwestfalen-Lippe ihren vor zwölf Jahren etablierten Außenstandort aufgegeben hat.

Irene Merkel, Geschäftsführerin der Kommunalen Betriebe Nordwaldeck, äußerte Bedarf in den Bereichen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, aber auch für die Bäderbetriebe.

Das wäre neu

Jens Wehmeyer, Geschäftsführer des Sozialunternehmens Bathildisheim, fragte nach Studienmöglichkeiten für soziale Berufe. Ein Studium für den Bereich Soziale Arbeit wäre laut Prof. Minnert ein neues Angebot für die THM, gleichwohl sei der Bedarf in diesem Bereich hoch. „Wir haben immer Dinge gemacht, die neu sind“, machte er deutlich.

Für einen Studiengang, der noch eine über ein Jahr laufende Akkreditierung erfordert, wären 15 Teilnehmer mindestens erforderlich, so Landrat van der Horst. Zudem müssten die Unternehmen eine langfristige Perspektive für das Angebot schaffen, das freilich die bestehenden Studiengänge in Waldeck-Frankenberg nur ergänzen sollte.

Rundgang durchs BBW

Welche räumlichen Voraussetzungen das BBW bietet, konnten die Teilnehmer der Informationsveranstaltung bei einem Rundgang sehen. Seit ein paar Jahren wird die Einrichtung neben der noch laufenden Ausbildung beim BBW in verschiedneen Berufen von der Bundeswehr für Fortbildungen genutzt. Laut Geschäftsführer Wehmeyer könne die Nutzung noch zehn Jahre dauern.

Für die Stadt und den Landkreis sei die Einrichtung eines Campus ein wichtiges Projekt, mit dem die Region und ihre Unternehmen zukunftsfähig gemacht werden könnte, sagte Bürgermeister Marko Lambion. Es gehe darum, gut ausgebildete Arbeitnehmer zu gewinnen, die mit ihrer Kreativität auch den Kreis bereicherten.

Weiter dran bleiben

Der Landkreis und das ZDH wollen mit den Unternehmen weiter im Gespräch bleiben, um bald zu konkreten Ergebnissen zu kommen: „Sie sind nach dem ersten Aufschlag nun gefordert“, rief Landrat van der Horst den Repräsentanten von Firmen und Institutionen zu.

Duales Studium im BBW Bad Arolsen? Von links: Bürgermeister Thomas Schröder (Marsberg), Christian Schreier (Technische Hochschule Mittelhessen, THM), Uwe Hainbach (THW), Bürgermeister Stefan Dittmann (Twistetal), Prof. Jens Minnert (THM), Jens Wehmeyer (Bathildisheim), Bürgermeister Marko Lambion (Bad Arolsen) , Landrat Jürgen van der Horst und Bürgermeister Elmar Schröder (Diemelstadt).
Duales Studium im BBW Bad Arolsen? Von links: Bürgermeister Thomas Schröder (Marsberg), Christian Schreier (Technische Hochschule Mittelhessen, THM), Uwe Hainbach (THW), Bürgermeister Stefan Dittmann (Twistetal), Prof. Jens Minnert (THM), Jens Wehmeyer (Bathildisheim), Bürgermeister Marko Lambion (Bad Arolsen) , Landrat Jürgen van der Horst und Bürgermeister Elmar Schröder (Diemelstadt). © Armin Haß

Immer mehr Unternehmen setzen auf uns“, sagt Prof. Jens Minnert, Leitender Direktor Wissenschaftliches Zentrum Duales Hochschulstudium (ZDH) der THM in Wetzlar. Derzeit seien gut 1000 Unternehmen Mitglieder an den sieben Standorten in Hessen. 500 Dozenten sind dort für aktuell 1800 Studierende im Einsatz. Dadurch wird eine individuelle Betreuung der Studenten am Campus und in den Unternehmen geboten.

Das ist die Erfolgsquote

Das ZDH verzeichnet aufgrund der engen Verzahnung mit den Firmen eine Erfolgsquote von über 90 Prozent, dabei werden die Studien in der Regelzeit abgeschlossen. Die Zahl der Absolventen seit Gründung des ZDH wird mit 4300 beziffert. Die Hälfte der Studierenden hätten bereits vorher eine Ausbildung absolviert und wollten nun ihre Kompetenzen durch eine Studium erweitern, so Minnert.

„Wir gehen dorthin, wo uns Unternehmen haben wollen“, sagt Minnert. Dafür zahlen die Unternehmen je nach Göße zwischen 100 und 500 Euro jährlich an Mitgliedsbeiträgen an den Verein Competence Center Duale Hochschulstudien - Studium Plus (CCD), 270 Euro monatlich pro Student für den Bachelor-Studiengang und 360 Euro pro Monat und Studierenden auf dem Weg zum Master-Abschluss. Eine eine angemessene Vergütung der Studenten, orientiert am Bafög-Höchstsatz von 900 Euro, plus Urlaub wird vorausgesetzt.

Diese Studiengänge werden geboten

Derzeit werden Studiengänge in den Bereichen Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Bau, Wirtschaft), Softwaretechnologie, Management der Medizin für Bachelor sowie für den Masterabschluss in Future Skills und Innovation, Prozessmanagement, Systems Engineering und Technischer Vertrieb angeboten.

Die Studiengänge laufen über dreieinhalb Jahre im Vollzeitstudium, abgewechselt von immer länger werdenden praktischen Phasen. Die Inhalte werden zugeschnitten auf den Bedarf der beteiligten Firmen.  (Armin Haß )

Auch interessant

Kommentare