BAC-Theater bringt modernes Stück auf die Bühne

E-Mail-Romanze inszeniert

Die quirlige Mittvierzigerin Emmi Rothner alias Ursula Braun will eigentlich bloß ihr Zeitschriften-Abo kündigen.

Bad Arolsen - Von romantischen Luftschlössern und dem Kommunizieren im sprichwörtlichen luftleeren Raum: Mit „Gut gegen Nordwind“ wird erstmals eine E-Mail-Liebesgeschichte im BAC-Theater gezeigt.

Der Ansturm auf die Premierenvorstellung lässt vermuten, dass Daniel Glattauer und Ulrike Zemme mit ihrem Stück über eine Romanze via Chatroom den Zeitgeschmack quer durch die Generationen getroffen, vielleicht sogar eins zu eins abgebildet haben.

Wer hat schließlich nicht schon, mehr oder minder anonym, mit einer Emmi oder einem Leo korrespondiert, ohne ein Stück weit neugierig zu werden auf die Person, die sich hinter der Buchstabenkombination verbirgt? Eine Entdeckungsreise auf elektronischem Weg unternommen, ohne etwas von sich selbst preisgeben zu müssen?

Um solch „virtuelle Alternativen“ dreht sich Glattauers Stück. Die quirlige Mittvierzigerin Emmi Rothner will eigentlich bloß ihr Zeitschriften-Abo kündigen. Wäre da nicht ein hartnäckiger Tippfehler, der sie wiederholt im E-Mail-Postfach Leo Leikes landen lässt.

Lakonische Mitteilungen, eine „herzliche Massenmail“ und schließlich ein reger Austausch zwischen der Verheirateten und dem Uni-Dozenten folgen. Beide interessieren sich zunehmend für die eigentlich wildfremde Person, vor einer persönlichen Begegnung schrecken beide vorerst zurück. „Wir steuern auf eine große Ernüchterung zu. Wir können das nicht leben, was wir schreiben“, gibt Leo „seiner“ Emmi in einem hellsichtigen Moment zu verstehen - ein lange hinausgezögertes Treffen soll Klarheit bringen.

Mal witzig und mal traurig, zwischen Komik, Momenten der Verzweiflung und sprühender Euphorie bewegt sich das Emotionsspektrum, mit dem Ursula Braun und Andreas Erdmann ihre Figuren lebendig werden lassen. Allein das mitreißende, ganz und gar ungekünstelt wirkende Spiel der beiden Darsteller lohnt schon den Besuch der BAC-Inszenierung unter Regie von Tina Rummel. Geschickt gelöst ist auch das Bühnenbild: an gegenüberliegenden Wänden sind die Schreibtische von Emmi und Leo aufgestellt.

Räumlich scheinbar vereint und doch getrennt, agieren die Darsteller in ihrem jeweiligen Reich und kommen sich manchmal zum Greifen nahe, ohne sich je zu berühren. Eben ganz so, wie es eine im Internet geborene „Liebes-Utopie, aus Buchstaben erbaut“, bedingt.

„Gut gegen Nordwind“ ist noch fünfmal im BAC-Theater, In den Siepen 6, zu sehen: am 15., 16., 22., 23. und 30. November jeweils um 19.30 Uhr. Infos unter www.bac-theater.de

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