Entlastung von Wetterburg und der Kernstadt Arolsen erreichen

Echte Chance für Umgehung

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Schwerverkehr belastet die Anwohner an der Ortsdurchfahrt von Wetterburg. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen-Wetterburg. - „So dicht dran waren wir noch nie, für die Ortsumgehung Wetterburg besteht eine ernsthafte Realisierungschance“, stellte Bürgermeister Jürgen van der Horst in der Bürgerversammlung fest. Neue Zahlen untermauern die Argumente für eine Entlastung des Ortskerns.

Lange angekündigt und immer wieder verschoben wurde die Präsentation des Zahlenmaterials, das die Verkünder von Hessen Mobil in Wiesbaden und dem Planungsbüro SSP Consult in Bergisch-Gladbach wortreich vor den ungeduldig mit den Füßen scharrenden 300 Bürgern endlich bekanntgaben und so umfangreich nun doch nicht war: Nach den Verkehrsbefragungen und -zählungen 2013 rollen 8000 Kraftfahrzeuge durch die Ortsdurchfahrt der Landesstraße 3080 in Wetterburg, Der Anteil des Schwerverkehrs wird mit sieben Prozent beziffert, der Durchgangsverkehr macht insgsamt 50 Prozent aus.

3500 Kfz sind es auf der Kreisstraße 7 in Wetterburg. Und auf der L 3080 von Wetterburg nach Bad Arolsen sind immerhin noch 6500 Kfz unterwegs. 12 700 Kfz rollen über die Große Allee in Bad Arolsen (630 Lkw). Die ehemalige B 450 in Richtung Landau nimmt täglich 5100 Fahrzeuge auf (290 Lkw). Über die Hagenstraße rollen 4800 Kfz (360 Lkw).

Prognostiziert wird eine Zunahme des Verkehrs allein in Wetterburg um 1000 pro Tag bis 2025. Dann dürfte nach Auskunft von Achim Brandt (Hessen Mobil in Wiesbaden) die Spitze erreicht sein. Die verfügbaren Daten aus Landes- und Bundesbehörden lassen den Schluss zu, dass die Zahl der Einwohner in Bad Arolsen bis 2025 mit minus vier Prozent nicht so stark wie im übrigen Landkreis sinkt. Die prognostizierte Verkehrsentwicklung weist sogar ein Plus aus.

Die beste Entlastungswirkung schreiben die Straßenbauer der Ortsumgehung Wetterburg entlang der Bahntrasse und einer Verlegung der K 7 durch das Arolser Holz in Richtung Landauer Straße zu. Die von den Landwirten favorisierte Trasse durch das Wetterholz hätte nur eine sehr geringe Wirkung, so Friedhelm Kossmann (SSP Consult): Diese Trasse würde gerade 1300 Kfz aufnehmen.

Eine Entlastung bedeutet die Umgehung Wetterburg für die Kernstadt nur dann, wenn so genannte verkehrslenkende Maßnahmen den Durchgangsverkehr auf die neue K 7 durchs Arolser bringen. Ansonsten würden von den insgesamt 9000 Kfz auf der Umgehung Wetterburg immer noch 2000 Kraftfahrzeuge in die Kernstadt verlagert.

Die Planer stehen indes ganz am Anfang, wie Brand betonte. Nach Auskunft von Dieter Zirpins, Teamleiter Planung bei Hessen Monbil in Bad Arolsen, muss als nächstes eine Umweltverträglichkeitsstudie über einen Zeitraum von einem Jahr erstellt werden, bei der auch die Belange der Menschen berücksichtigt werden müssen. Auf dieser Grundlage müssen sogenannte konfliktarme Räume für die Trassen gefunden werden,

Dann werden Trassenvorschläge erstellt und in einer Reihenfolge gebracht. Die Stadtverordnetenversammlung soll am 1. Oktober über die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplanes beraten, im Regionalplan und im Flächennutzungsplan sind bereits neben einer Nordumgehung Wetterburg eine Trasse durch das Arolser Holz verzeichnet worden.

Die Chancen für die Verwirklichung der Umgehungspläne sind so gut wie nie zuvor in der seit rund 40 Jahren laufenden Diskussion, wie Bürgermeister van der Horst deutlich machte. Im Mai sei endlich der Vertrag zwischen Land und Kreis über die Finanzierung des schätzungsweise 6,6 Millionen Euro teuren Projektes im Rahmen eines Kommunalen Interssen-Modells II (KIM II) unterschrieben worden, der die Vorfinanzierung durch den Kreis und die Rückzahlung durch das Land sicherstellt.

Wesentlicher Auslöser ist die Kurhessenbahn mit ihren Bauplänen auf der Strecke zwischen Korbach und Kassel. Und nach der Absage des Landes zu den vom Kreis auf den Tisch gebrachten Nordwest-Umgehung von Volkmarsen zur Entlastung der dortigen Ortsdurchfahrt von dem Schwerverkehr von und zu dem Logistikzenrum rückten die Pläne für eine Ortsumgehung Wetterburg in den Blickpunkt: Über sie sollen künftig die Laster zwischen VW in Baunatal und Volkmarsen rollen. In einem städtebaulichen Vertrag ist die Zusage festgeschrieben, dass der Logistik-Verkehr über diese Strecke sowie über B 450 und B 252 sowie den Autobahnanschluss Zierenberg rollen soll. Laut Achim Brand von Hessen Mobil prognostiziert VW 500 Lkw zwischen 3,5 und 40 Tonnen pro Tag, davon 350 nach oder von Baunatal.

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