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Ehefrau mit 30 Stichen getötet: 49-Jähriger wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft verurteilt

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Vor dem Landgericht in Kassel muss sich ein 49 Jahre alter Iraker verantworten. Er soll seine Ehefrau mit 30 Messerstichen getötet haben. Archivfoto: Matthias Schuldt
Vor dem Landgericht in Kassel musste sich ein 49 Jahre alter Iraker verantworten. Er soll seine Ehefrau mit 30 Messerstichen getötet haben. © Matthias Schuldt (Archiv)

Mit 30 Messerstichen hat im Juli vergangenen Jahres ein Mann seine Ehefrau in Bad Arolsen getötet. Ihre fünf Kinder sahen bei der Tat zu. Am Mittwoch fiel vor dem Landgericht Kassel das Urteil gegen den 49-Jährigen. Der Angeklagte wurde wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Bad Arolsen/Kassel – Richter Geisler sprach in seiner Urteilsbegründung von einer problembeladenen Ehe zwischen dem aus dem Irak stammenden Paar. Das habe sich bereits kurz nach ihrem Kennenlernen gezeigt. Die Familie des 32-jährigen Opfers stand der Verbindung immer ablehnend gegenüber, wie die Schwester als Zeugin ausgesagt habe.

Dennoch sei es zur Heirat gekommen. Deutlich machte das Gericht im weiteren Verlauf, dass die Beziehung über die Jahre nicht so negativ verlief, wie sie von der Familie der getöteten Ehefrau dargestellt worden war. Es habe gemeinsame Fahrten und Ausflüge gegeben, Kindergeburtstage seien gefeiert worden, und wenn der Angeklagte auch eine moslemisch ausgerichtete religiöse Einstellung habe, sei diese nicht überzogen gewesen.

Dennoch kam es immer wieder zu Streit zwischen den Eheleuten, wie auch ein Freund des Angeklagten vor Gericht aussagte. Eine Trennung sei für das Opfer wegen der fünf gemeinsamen Kinder offenbar nicht infrage gekommen, sagte Richter Geisler.

Gutachter und Zeugen hatten den Angeklagten im Verlauf der Verhandlungen vom Charakter her als krankhaft impulsiv beschrieben. So soll er seine Ehefrau bereits im Jahr 2009 mit einem Messer bedroht haben und einem früheren Vermieter gleichfalls mit dem Tod gedroht haben. Nicht gelungen sei ihm, sich in den vergangenen Jahren in Deutschland zu integrieren, so das Gericht. Noch immer könne er sich nicht deutsch verständigen.

Am Tattag, so blickte Richter Geisler zurück, fuhr das Ehepaar Möbel einkaufen, um die neu bezogene Wohnung in Bad Arolsen einzurichten. Schon da gerieten sie in Streit, der sich bis zum Abend hinzog. Was schließlich der Anlass für die Tat war, mochte auch das Gericht nicht endgültig beurteilen. Die Kinder hatten bei ihrer Vernehmung ausgesagt, dass es gegenseitige Beleidigungen gab, der Vater die Mutter schlug und an den Haaren in die Küche zog.

Als er dort auf sie einstach, soll der Satz gefallen sein: „Das hast du davon“. Den Kindern, die die Tat mitansahen, sagte er später: „Eure Mutter ist in der Hölle“.

Der Angeklagte verfolgte die Urteilsbegründung mit vor dem Gesicht verschränkten Händen, hin und wieder wischte er sich Tränen aus den Augen. Angesichts des Tatablaufs ging das Gericht von keiner geplanten oder heimtückischen, sondern einer impulsiven Tat aus, ausgelöst von verschiedenen Faktoren. Die Staatsanwaltschaft hatte von einem schweren Fall des Totschlags gesprochen und forderte eine lebenslange Haftstrafe. Die Nebenklage plädierte sogar auf Mord. (Peter Kilian)

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