Die älteste Einwohnerin der Stadt hat immerhin ein Drittel der Arolser Stadtgeschichte miterlebt

Ein ganzes Jahrhundert miterlebt: Bad Arolserin blättert durch ihr Familienalbum

+
Sie kann auf ein Jahrhundert zurückblicken: Die Bad Arolserin Lina Farin (106) mit Martina Massenkeil vom Team der Bad Arolsen Company, das sich um die Seniorin kümmert.

Bad Arolsen.  Sie hat bereits ein Jahrhundert erlebt: Lina Farin, geb. Stöcker (105), in Bad Arolsen kann sich anhand von zahlreichen Fotografien detailreich an Menschen und Ereignisse seit den 20-er Jahren erinnern, greift aber auch ins aktuelle Tagesgeschehen ein.

Als langjährige WLZ-Leserin hat sie beispielsweise ein Unterrichtsprojekt des Ehrenpräsidenten des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Oberst a.D. Jürgen Damm (Bad Arolsen), durch Bereitstellung von Feldpostbriefen unterstützt. In der Zeitung las sie, wie intensiv sich der mit 80 Jahren deutlich jüngere frühere Bundeswehroffizier mit der jüngeren Geschichte befasste.

Da ihr jüngerer Bruder Karl 1942 an der Front durch einen Bauchschuss ums Leben kam, bewegt die alte Dame dieses Thema sehr. Sie weiß aber auch: „In diesen Briefen stehen meistens solche Sachen drin: Es geht mir gut, ich bekomme genug zu essen.“ Mehr sei nicht erlaubt gewesen. Und doch sind ihr solche Briefe als Dokumente wichtig. Als in der WLZ über den Korbacher Künstler Wolfgang Saure und sein bunt illustriertes Kinderbuch über Müllvermeidung berichtet wurde, da orderte sie einige Exemplare, um sie Schülern zur Verfügung zu stellen. Sie engagiert sich damit auf ihre Weise mit für den Umweltschutz.

In ihrem hohen Alter hat die aus einer Arolser Familie gebürtige Lina Farin praktisch ein Drittel der Stadtgeschichte von Arolsen miterlebt. Nach der Schule ,half sie im elterlichen Haushalt und danach, bei Bekannten ihrer Mutter, als Haushaltshelferin für eineinhalb Jahre in Dortmund. Von 1931 bis 1947 war sie tätig in der Thüringischen Stadt Gotha bei der Lebensbank.

Konfirmanden 1930 in Arolsen. Au f dem Bild ist unter anderem Karl Stöcker (vorne, 2. von links) zu sehen. Pfarrer war Bernhard von Haller. 

Als Gotha nach dem Krieg erst von den Amerikanern und dann von den Russen besetzt wurde, ging sie 1947 wieder zurück nach Arolsen.

Wer von den heutigen Arolsern hat noch den Namensgeber des evangelischen Gemeindehauses, Propst Bernhard von Haller, persönlich erlebt? Lina Stöcker wurde von dem Pfarrer mit Wurzeln in Estland 1927 eingesegnet. Und sie kann aufgrund ihres wachen Gedächtnisses ziemlich genau anhand eines Bildes sagen, welche Mädchen damals mit ihr zur Einsegnung in der Stadtkirche geführt wurden.

Als in der WLZ ein altes Bild mit einem Lieferwagen des Spirituosen-Herstellers Kirchner und Menge an der heutigen Schlossstraße veröffentlicht wurde, konnte sie mühelos die übrigen auf dem Bild gezeigten Mitarbeiter identifizieren, die der Besitzer des Fotos nicht benennen konnte.

Ein Großteil der Fotos ist in einer Zeit entstanden, als hauptsächlich Berufsfotografen über eine Kamera verfügten. Lange Zeit wurden Platten verwendet und Magnesium zur Erzeugung des Blitzlichts verwendet. Die Fotografierten mussten still stehen, damit das Bild scharf wurde. Die große Anzahl von alten Bildern bildet nur einen winzigen Bruchteil des gesamten heutigen Aufkommens an Fotos. Heutzutage wird mithilfe von Smartphones myriadenfach geknipst. Ob alle Urheber nach ein paar Jahren noch wissen, was und wen sie da fotografiert haben?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare