Erbauer gründete Deutschen Seefischerei-Verein

Ein Juwel in der Jahnstraße: Jugendstil-Villa renoviert

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Die Jugendstilvilla in der Jahnstraße beeindruckt mit ihren vielen schönen Details aus der Bauzeit um das Jahr 1900, ergänzt durch moderne Lichtelemente.  

Bad Arolsen.  In der Barockstadt mit ihren verputzten Fachwerkhäusern sind Backsteingebäude eher die Ausnahme. Um das Jahr 1900 entstanden in der Bahnhofstraße und in der Wetterburger Straße einige schicke Backstein-Villen.

Ein besonders schönes Gebäude im neugotischen Stil wurde im Jahr 1902 für den Verwaltungsjuristen Dr. h.c. Walther Herwig als Sommerhaus in der damaligen Apfelallee, der heutigen Jahnstraße, gleich neben der damaligen VfL-Turnhalle erbaut.

Das Haus war über 100 Jahre in Familienbesitz bis es 2018 an die Dres. Valeska und Johannes Nolte verkauft wurde. Das Medizinerehepaar erkannte den bauhistorischen Wert des Gebäudes und investierte zwischen Dezember 2018 bis September 2019 viel Zeit und Geld in der kunstvolle Restaurierung der Jugendstil-Ausstattung.

Ins Auge sticht zunächst das Treppenhaus mit seiner gusseisernen Treppe und dem bis ins Obergeschoss durchlaufenden, grünen Fliesenspiegel. Die fehlenden und zerbrochenen Fliesen wurden von einer Fliesenmaufaktur in Originalfarbe neu gebrannt.

Kunstvoll geschnitzte Türrahmen

Farbuntersuchungen, die von der Denkmalpflege finanziert wurden, führten zum ursprünglich verwendeten Farbton, einem zarten Lindgrün, das im Zuge der Sanierung auf den neu aufgetragenen Kalkputz aufgetragen wurde. Zuvor waren die Tapeten aus den 50er Jahren entfernt und ein historisches Wandfries freigelegt worden.

„Wir haben uns bemüht, alles Historische zu erhalten, was erhalten werden konnte.“ Dazu gehören auch die 120 Jahre alten Kasten-Doppelfenster aus Eichenholz. Original sind auch die welligen Glasscheiben.

Gediegen repräsentativ wirkt die gute Stube, die wie ein Empfangssaal wirkt. Die breiten Doppeltür-Durchgänge sind mit kunstvoll geschnitzten Holzrahmen eingefasst, die Frauenköpfe wie Galionsfiguren zeigen.

Moderne Gebäudetechnik eingebaut

Auch die schweren gusseisernen Heizkörper sind historisch: In der guten Stube mit ihrer Original-Sitzbank des Erbauers mit dazu passendem Ausziehtisch ist in den Heizkörper ein Schrankfach mit Türen zum Warmhalten von Speisen integriert.

Beheizt wird das Gebäude allerdings heute mit einer modernen Gasheizung. Auch die Wasserrohre und die elektrischen Leitungen wurden komplett erneuert und entsprechend dem Stand der modernen Gebäudetechnik.

Sehr modern, aber in ihrer Schlichtheit optimal zur den vielfältigen Jugendstil-Ornamenten passend wurden die Deckenleuchten ausgewählt

Über den Erbauer der Villa

Der ursprüngliche Bauherr, Walther Herwig (1838- 1912) entstammt einer alten Arolser Familie. Er war zunächst Kreissekretär in Arolsen, Brunnendirektor und Kreisamtmann in Pyrmont und später Direktor und Präsident der Königlichen Klosterkammer in Hannover. Sozialfürsorge lag ihm am Herzen.

Er gründete 1894 den Deutschen Seefischerei-Verein, revolutionierte die Hochseefischerei und die Vermarktung von Seefisch und wurde so zum „Vater der Fischer“. Er erkannte die Bedeutung der wissenschaftlichen Meeresforschung und förderte ihre internationale Zusammenarbeit.

Ein Stück Arolser Stadtgeschichte

Herwig war verheiratet mit der Nichte des Chemikers Robert Bunsen. Dessen Gipsbüste gehört bis heute zu den außergewöhnlichen Einrichtungsgegenständen im Haus. Herwigs Sohn Siegfried (1871 - 1933) wurde 1921 übrigens zum Bürgermeister gewählt. Nur ein Jahr später gab er das Amt wieder auf. In der Arolsen-Chronik von Dr. Helmut Nícolai heißt es dazu: Er bat um die Entbindung von dem Amte, weil ihn die Sorge um einen ererbten Landbesitz im Osten zufiel, der er sich nicht glaubt entziehen zu könne. Infolge unglücklicher Umstände verlor er das Gut; er kam 1930 nach Arolsen zurück und übernahm den Vorsitz des Waldeckischen Geschichtsvereins.“

Impressionen aus der vorbildlich renovierten Herwig-Villa in der Bad Arolser Jahnstraße

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