Feier zur Eröffnung von Stadtbücherei und zum Abschluss der Bürgerhaus-Sanierung

„Ein Werk, das seinesgleichen sucht“

Bad Arolsen - Das Unerwartete wurde Wirklichkeit: In der von Haushaltsdefiziten geplagten Stadt Bad Arolsen ist es gelungen, eine neue Bibliothek zu schaffen – sie wurde am Samstag feierlich unter dem Namen Christine-Brückner-Bücherei eröffnet.

In den Reden zur Eröffnung wurde deutlich, dass alle Bedingungen in einem sehr engen Zeitraum stimmten: 2009 appellierten Büchereifreunde eindringlich an die Stadt, neue Räume anzubieten. Ein Jahr später bot sich der Stadt die einmalige Möglichkeit, die 2,12 Millionen Euro teure energetische Sanierung des über 40 Jahre alten Bürgerhauses zu 90 Prozent vom Land bezuschusst zu bekommen. In diese Planungen wurde dann der Aufbau einer neuen Stadtbücherei integriert. Später ergab sich dann die Möglichkeit, auch das Museumsdepot und das Stadtarchiv aus angemieteten Räumen just in dieses Bürgerhaus neben der Bibliothek zu verlagern und damit Mietzahlungen einzusparen. Lesen zum Nulltarif Doch ohne den Anstoß durch die Büchereifreunde um Anne Rüter und Eva Gröll-Wachenfeld wäre es wohl nicht zu der Einweihung gekommen, wie in der Feierstunde auch deutlich wurde. Die beiden bibliophilen Damen haben mit der Gründung eines Fördervereins vor fünf Jahren die Basis für die Finanzierung und den laufenden Betrieb der Bibliothek geschaffen. Ziel war und ist es, für alle Schichten der Gesellschaft praktisch zum Nulltarif Lesestoff anzubieten. „Ohne Ihre wunderbare Leistung wären wir nicht so weit“, bescheinigte Bürgermeister Jürgen van der Horst Anne Rüter und Eva Gröll-Wachenfeld vom Fördervereinsvorstand. Entscheidend seien „nicht die Politiker, sondern die Menschen, die in ihre Aufgabe verliebt sind und ein bisschen verrückt im positiven Sinne“. In dem „Kombinationsprojekt“ Bürgerhaus und Stadtbücherei spiegelt sich nach den Worten des Rathauschefs ein Paradigmenwechsel wider – weg von einer Versorgungsmentalität und hin zu bürgerschaftlichem Engagement. Das Bürgerhaus bilde mit der Bücherei ein soziales Zentrum und gehöre mit zur Daseinsvorsorge. „Ein Werk, das seinesgleichen sucht“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat im vollbesetzten Bürgerhaussaal. In Zeiten, in denen Schwimmbäder geschlossen würden, werde nun wieder etwas in Betrieb genommen, was verloren gegangen schien. Neben der Brehm-Bibliothek, der Fürstlichen Hofbücherei, der Stiftung Waldeckische Landesbibliothek, der Bücherei des Waldeckischen Geschichtsvereins sowie der evangelischen Kinder- und Jugendbücherei habe ein Angebot für ein breites Publikum gefehlt, sagte der Landrat. Bürgerhaus umgemodelt Dabei ist das gesamte Bürgerhaus umgemodelt und architektonisch zum Rathausplatz und zur Rathausstraße hin geöffnet worden, wie Architekt Arno Puy (Büro Müntinga und Puy) berichtete. Die Bibliothek wurde in diesem Zug von einem früheren Turnraum in einen hellen, einladenen Bereich direkt an der Front zur Rathausstraße gebaut. Das Bürgerhaus war in den 60er-Jahren um eine Aula aus den 30er-Jahren herum durch den Anbau von zwei Gebäudeflügeln im Stil der Zeit neu gebaut worden, wie Puy zurückblickte. Die 60 Zentimeter dicken Wände des Turn- und Veranstaltungssaals bilden nun noch den baulichen Rahmen für den großen Saal. Seit den 60er-Jahren sind mehrere Umbauten vorgenommen worden und hat der Zahn der Zeit unter anderem an den zuletzt gesperrten Treppen genagt. Letztlich galt es, energetische, technische und ästhetische Mängel zu beseitigen, wie Puy erklärte. 50 Prozent EnergieersparnisDurch die im vorigen Sommer abgeschlossenen Sanierung wurde nach den Worten des Architekten die Klarheit des Gebäudes wiederhergestellt, wurden die bauliche Hülle und die Zugänge so gestaltet, dass das Bürgerhaus offener wirkt und barrierefreie Zugänge bietet. Durch Dreifach-Verglasung und wärmender Hülle mit Tonplatten gelinge es, die Energiekosten um mehr als die Hälfte zu senken, sagte Puy.

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