1. WLZ
  2. Waldeck
  3. Bad Arolsen

Haus mit weniger als 90 Quadratmetern: Ein Zuhause im Kleinformat

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Julia Janzen

Kommentare

Eine Frau vor einem Fachwerkhaus
Blickfang im Kleinformat: Brigitte Illian vor dem Haus in der sogenannten Trompetergasse, in dem sie seit acht Jahren lebt. Das Haus ist mitten in der Stadt und doch gut versteckt. © Julia Janzen

Es ist sicher eines der kleinsten Häuser der Barockstadt, in dem Brigitte Illian lebt. Weniger als 90 Quadratmeter misst die Wohnfläche ihres Zuhauses auf zwei Etagen. Und dennoch: Woanders leben? Das kommt für die 76-Jährige nicht in Frage.

Bad Arolsen - Das Haus, in dem Brigitte und Walter Illian in Landau mit den beiden Kindern den Großteil ihres Lebens verbrachten, war groß und stand auf einem ebensolchen Grundstück. Doch irgendwann, so sagt sie, sei es ihnen zu groß geworden und etwas zentraler leben wollten sie auch. Durch Zufall seien sie in der Zeitung auf das kleine Häuschen gestoßen, das in der sogenannten Trompetergasse mitten in Bad Arolsen steht.

„Es war ein Segen, dass wir dieses Haus gefunden haben“, sagt Brigitte Illian. Schon beim ersten Besuch wussten sie, dass dies ihr neues Heim sein sollte. „Ich habe mich noch nie so Zuhause gefühlt wie hier.“ Nicht lange nach dem Einzug verstarb Walter Illian, seitdem lebt die 76-Jährige allein in dem Fachwerkhaus.

Tür in einem kleinen Verschlag
Haus im Haus: Mit Ziegeln gedeckt ist die kleine Toilette. © Julia Janzen

Das sei im Übrigen gar nicht so klein, findet sie. Zeitweise hätten sie sogar zu dritt darin gewohnt und das sei kein Problem gewesen. In der unteren Etage gibt es Wohn- und Essbereich, voneinander getrennt durch offenes Fachwerk, zudem Schlafzimmer, Küche und ein „Haus im Haus“, wie Brigitte Illian sagt: Die Toilette samt Waschbecken hat ein kleines Dach aus Ziegeln. Das eigentliche Bad und zwei weitere kleine Zimmer in der oberen Etage sind über eine schmale Holztreppe zu erreichen.

Und die Füße seien nie kalt, berichtet sie lachend. Denn ein kleiner Holzofen sorgt an kalten Tagen für heimelige Wärme im ganzen Haus.

Gebaut 1723 für den Hofbäcker

Zu entdecken sind in dem liebevoll eingerichteten Heim auch immer wieder Bilder, die die gebürtige Volkmarserin selbst gemalt hat. Auch wenn die Hände der ehemaligen Friseurin mittlerweile nicht mehr so wollen wie früher, malt sie manchmal immer noch.

Es ist ruhig rund um das Haus, das an einem kleinen Weg liegt. Autos dürfen dort nicht fahren, doch Fußgänger kommen häufig dort vorbei. Und die bekommen stets etwas zu sehen: Entlang des Weges hat Illian zahlreiche kleine Figuren platziert, viele Blumen und sogar zwei Sitzbänke. Auch wenn leider immer mal wieder Dekoration gestohlen oder sogar zerstört wird, wie sie sagt, und die Pflanzen viel Arbeit machen: Brigitte Illian gestaltet den Weg immer wieder schön bunt.

Das Innere eines Fachwerkhauses
Obere Etage: Neben dem Bad sind zwei weitere kleine Zimmer unterm Dach. © Julia Janzen

Nicht nur für Vorbeikommende, sondern auch für sich selbst. Denn in den warmen Monaten spielt sich das Leben für sie vor allem draußen ab. Zu den Nachbarn hat sie einen engen Kontakt, mit ihnen teilt sie sich auch den Garten, der zu ihrem Häuschen gehört.

Umgeben von hohen Hecken gibt es dort eine Wiese, auf der manches Mal gemeinsam gegrillt wird, und auch eine Gartenhütte. „Ich wurde so gut aufgenommen hier in Arolsen, alle helfen einem“, sagt sie.

Über das Haus selbst ist nicht allzu viel bekannt, heißt es von den Arolser Stadtführern der „Gilde 1719“. Im Jahr 1723 wurde es gebaut, damals wohl für den Hofbäcker Schneider. Anschließend hätten unter anderem drei Generationen der Goldschmiede-Familie Grube dort gelebt.

Vielen Einheimischen ist das Gebäude wohl auch als Musikschule bekannt. Sie war früher einmal in dem Haus untergebracht. Der Spitzname Trompetergasse stammt aber eher von mehreren Musikern, die vor langer Zeit dort einmal gelebt haben. Seit acht Jahren ist das Fachwerkhäuschen in der Trompetergasse nun das Zuhause von Brigitte Illian. Und auch wenn es manchmal mühsam für sie geworden ist, die schmale Treppe in den zweiten Stock hinauf zu steigen, will sie bleiben „bis zum letzten Atemzug“. jj

Auch interessant

Kommentare