Bibliothek Brehm auf 44 000 Bände angewachsen

Eine eigene Bücherwelt im Arolser Barockschloss

Besichtigung der Brehm-Bibliothek im Bad Arolser Schloss durch Mitglieder des Fördervereins der Christine-Brückner-Bücherei. Foto: Armin Haß

 Bad Arolsen – In eine eigene Welt taucht ein, wer die Brehm-Bibliothek im Bad Arolser Schloss besucht. Die Gelegenheit dazu nutzten die staunenden Mitglieder des Fördervereins der seit fünf Jahren im Bürgerhaus untergebrachten Christine-Brückner-Bücherei.

Ein langer, meterhoher Flur mit vielen historischen Karten gibt einen Eindruck von dem Thema der Sammlung des 92-jährigen Schweizer Sammlers und Stifters Adolf Brehm. In den 20 gediegen möblierten Räumen ist eine Universalbibliothek untergebracht, die Werke des deutschen Sprachraums aus Belletristik, Religion, Natur- und Geisteswissenschaften versammelt - Bücher aus einer Zeit vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert.

Das Gesamtkunstwerk

Erstausgaben, kunstvoll gestaltete Bibeln, Handschriften, wertvolle Stiche, Möbel und Uhren, in Leder gebundene Folianten und moderne, in Leinen gebundene Bücher, darunter auch Lesestoff für Kinder, bilden in wandhohen Regalen mit fahrbaren Leitern oder in Teakholz-Vitrinenschränken allein ein Gesamtkunstwerk.

In einem Studierzimmer mit Werken von Goethe und Schiller stehen ein uralter, messingbereifter Rollstuhl, lädt ein Stehpult mit zwei schrägen Auflageflächen für Bücher zum Studium der wertvollen Bände ein.

Das gibt es zu lesen

Das Interieur kommt auch dem Ideal des Bücherstifters und nach wie vor aktiven Sammlers nahe: Die Bibliothek als Stätte des geistigen Austauschs von Menschen mit dem Anspruch auf eine universale Bildung. Ausdrücklich schließt Brehm  dabei auch junge Menschen ein, die in den Räumen aber kaum anzutreffen sind.

Besichtigung der Brehm-Bibliothek im Bad Arolser Schloss durch Mitglieder des Fördervereins der Christine-Brückner-Bücherei. Foto: Armin Haß

Den Stifter selbst, Adolf Brehm, sieht man selten. Den Schweizer drängt es nicht ins Licht der Öffentlichkeit. Er lebt in einer Wohnung über der Bibliothek und hat noch in jüngerer Zeit weitere Werke gesammelt.

Der Bestand nimmt zu

Noch in durchsichtige Schutzfolie verpackt ist eine alte Karte von Pommern mit Informationen über die dortigen früheren Adelsgeschlechter.

Als eigenständige, aufgrund des Sammeleifers auf 44 000 Bände angewachsene Sammlung ist die Brehm-Bibliothek schon eine Besonderheit. Dem gegenüber besteht die Fürstliche Hofbücherei. Diese ist mit ihren 35 000 mehrsprachigen Büchern aus der Zeit vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert verbunden mit den Universitäten Kassel und Marburg und wird intensiv genutzt. 

Es könnten mehr Besucher sein

Ein paar hundert Besucher pro Jahr nutzen die festen Öffnungszeiten der Brehm-Bibliothek oder lassen sich durch die dort seit 2004 tätigen Bibliothekarin Kerstin Braun durch die Räume führen. Es könnten mehr sein. Interessierte sind willkommen. 

Adolf Brehm hat seine Sammlung 1990 in eine zusammen mit dem Landkreis gegründete Stiftung eingebracht und vergrößert sie seither. Möbel und historische Uhren wurden aus dem Stiftungsbesitz an die Energie Waldeck-Frankenberg und die Sparkassenkulturstiftung verkauft, die beide wiederum die Sammlerstücke als Dauerleihgabe für die Bibliothek zur Verfügung stellen. Die Finanzierung ist ein Dauerthema. 

Virtueller Rundgang

18 000 neu angeschaffte Bücher sind in den vergangenen Jahren bereits eingeräumt und inventarisiert worden. Und wenn die nötigen Finanzmittel bereitstehen, dann könnte auch ein schicker Internetauftritt mit einem virtuellen Rundgang zu weitere Bekanntheit der Bücherei beitragen. 

Getragen wird die Bücherei vom Landkreis mit der Waldeckischen Domanialverwaltung, der Eigentümerin des Schlosses. Da Stiftungen unter der Niedrigzinsphase leiden, sind 2015  zusätzliche Steuergelder vom Kreistag für den Erhalt der Bibliothek bewilligt worden. Zehn Jahre lang sind es, vorerst, 128 000 Euro pro Jahr.

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