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150 Jahre Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim in Bad Arolsen: Revolution in der Fürsorge

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Von: Armin Haß

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Ein Festausschuss plant die 150-Jahr-Feier des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim, von links: Pfarrer Oswald Beuthert, Geschäftsführer Stefan Kiefer, der pensionierte Verwaltungsleiter Wilfried Höhle, Sonja Henke WDS Altenhilfe und Pflege), Bettina Bohlken (Öffentlichkeitsarbeit) und Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert.
Ein Festausschuss plant die 150-Jahr-Feier des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim, von links: Pfarrer Oswald Beuthert, Geschäftsführer Stefan Kiefer, der pensionierte Verwaltungsleiter Wilfried Höhle, Sonja Henke WDS Altenhilfe und Pflege), Bettina Bohlken (Öffentlichkeitsarbeit) und Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert. © Armin Haß

Das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim (WDS) in Bad Arolsen wird 150 Jahre alt. Die aus ihr hervorgegangene DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH wird daran mit einem Festwochenende vom 1. bis 3. Juli 2022 erinner.

Bad Arolsen - Das Motto „Tief verwurzelt - weit verzweigt“ greift zurück auf die im Hochmittelalter gegründete Stiftung Hospital St. Elisabeth in Frankenberg, auf Wurzeln aus der Reformationszeit mit dem Landeshospital Flechtdorf, aus dem 19. Jahrhundert mit dem Waldeckschen Diakonissenhaus und aus den 1970-er Jahren auf dem Weinberg in Vöhl-Asel.

Jugendhilfe bis Altenpflege

Seit einigen Jahren arbeiten die Einrichtungen in der DIAKO Waldeck-Frankenberg zusammen. Diese stehe für verschiedene Einrichtungen, von der Jugendhilfe bis zur Altenpflege, vom Betreuten Wohnen bis zum Bildungszentrum und für ein christliches Menschenbild im Umgang miteinander, so Pfarrer Oswald Beuthert (Sprecher der Geschäftsführung)..

Mit der Aufnahme des ersten Kindes im Waisenhaus Sophienheim am 2. März 1872 beginnt die Geschichte des WDS. Am 1. Juli 1887 wurde das Sophienheim umgewidmet zur Stiftung Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim. Daher wurde das erste Juli-Wochenende 2022 für das Jubiläumsfest ausgewählt, so Geschäftsführer Stefan Kiefer.

Fest auf dem Schlosshof

Am Freitag, 1. Juli, stehen Mitarbeitende und Ehemalige auf dem Hof des Arolser Schlosses im Mittelpunkt, dabei wird an die Stiftung der Fürstin Helene erinnert. Etwa 400 Personen werden zu dem Open-Air-Abend erwartet. Die Bevölkerung ist für Samstagabend eingeladen: Dann tritt die zu den besten weiblichen A-cappella-Popgruppen zählende deutsche Band Medlz auf, die in der Region das Publikum bereits begeisterte Der Eintritt ist frei.

Das Bürgerfest am Sonntag, 3. Juli, wird mit einem Festgottesdienst mit Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann eröffnet. Anschließend erwartet die Gäste ein buntes Bühnenprogramm, gestaltet von heimischen Vereinen und Künstlern, für die Kinder wird es eine Spielstraße geben.

Neue Strukturen

Die DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH ist eine Einrichtung der Stiftung WDS Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim in Bad Arolsen und der Stiftung Hospital St. Elisabeth in Frankenberg.

Neben vier Altenpflegeheimen betreibt sie drei Tagespflegen, zwei Diakoniestationen, zwei Einrichtungen des Betreuten Wohnens, das Angebot Essen auf Rädern, ein Bildungszentrum mit Aus- und Weiterbildung für Pflegeberufe und Altenpflegehilfe sowie die Jugendhilfeeinrichtung Sophienheim und das Seminarzentrum Edersee.

Das war revolutionär

Für ein so kleines Fürstentum wie das waldeckische war die wohltätige Stiftung in Ermangelung der heute selbstverständlichen sozialen, pflegerischen und medizinischen Einrichtungen umwälzend, wie Pfarrer Beuthert erklärt.

So wurde in Arolsen ein diakonisches Konzept für örtliche Belange entwickelt und umgesetzt. Es fußt(e) auf den Ideen und praktischen Beispielen des evangelischen Sozialreformers und Begründers des Kaiserwerther Verbandes, Pastor Theodor Fliedner, sowie des protestantischen Pfarrers und Leiters der diakonischen Anstalten in Bethel,

Ein Brief war der Anfang

Ein Brief der Fürstin Helene, die 1862 Pfarrer Fliedner um Entsendung einer Diakonisse aus dem Kaiserswerth bat, zeigt, dass sie sich um soziale Themen kümmerte und das Geschehen außerhalb Waldecks genau verfolgte.

Aus Kaiserswerth kamen gut ausgebildete Pflegekräfte. Wilhelmine Rothe, eine aus Korbach stammende Krankenschwester, war die erste Diakonisse in Arolsen und sie tat ihren Dienst im damals neuen Landkrankenhaus Arolsen.

Diakonissen waren in Arolsen in verschiedenen Berufsfeldern tätig. Unser Bildvon 1936 zeigt „Kindergärtnerinnen“, wie die Erzieherinnen lange genannt wurden, mit den Schulanfängern vor dem Kindergarten an der Krummelstraße in Arolsen, der nun in der Trägerschaft des Evangelischen Zweckverbandes der Kindertagesstätten getragen wird.
Diakonissen waren in Arolsen in verschiedenen Berufsfeldern tätig. Unser Bildvon 1936 zeigt „Kindergärtnerinnen“, wie die Erzieherinnen lange genannt wurden, mit den Schulanfängern vor dem Kindergarten an der Krummelstraße in Arolsen, der nun in der Trägerschaft des Evangelischen Zweckverbandes der Kindertagesstätten getragen wird. © Privat

Durch das später entstandene Diakonissenhaus bekamen junge Frauen - was damals nicht selbstverständlich war - eine pflegerische und eine erzieherische Ausbildung und einen Arbeitsplatz mit sozialer Absicherung. Das sei revolutionär gewesen, bekräftigt Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert.

Armes Waldecker Land

In einem Vortrag zu 300 Jahre Arolsen über die Entstehung des WDS beleuchtete Pfarrer Beuthert die soziale Situation in dem kleinen Fürstentum: 1861 bestand die waldeckische Bevölkerung aus 50 531 Bewohnern, davon lebten 35 Prozent als Tagelöhner und 32,6 Prozent in der Landwirtschaft, wobei die wenigstens Landeigentum hatten.

Zudem gab es mehr Frauen als Männer. Das hing mit der Erbfolge zusammen, die den erstgeborenen Sohn zum Alleinerben machte und die anderen Söhne in vielen Fällen zum Auswandern nach Westdeutschland oder nach Nordamerika bewegte. Industrie gab es hier nicht, andere Beschäftigungsmöglichkeiten waren rar. Frauen boten sich ebenfalls kaum reguläre Einkünfte. Die Menschen hungerten. Und in den Krankenstuben bot sich ein Bild des Jammers, wie aus den Erinnerungen des Herbser Lehrers Höhle hervorgeht.

Beginn am Stadtrand

Mit der Stiftung der Fürstin Helene wurde der Bau des Mutterhauses am Stadtrand des kleinen Städtchens mit noch nicht einmal 300 Einwohnern ermöglicht. Hinzu kam die finanzielle Unterstützung durch vermögende Unternehmer. Getragen wurde die Einrichtung der Armenfürsorge durch ein Frauenkomitee.

Das war die Keimzelle für das Diakonissenhaus, aus dem so viele in der Pflege und sozialen Berufen Tätige kamen kamen. Bis ins 21. Jahrhundert lebten noch Diakonissen im Mutterhaus. (Armin Haß )

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