Demenzkranke sollten gezielt zu Tätigkeiten motiviert und gefördert werden

Einfühlsam den Alltag gestalten

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Bad Arolsen. - Lebensqualität schätzen und Lebensfreude geben – mit dieser Einstellung gehen die Schülerinnen der Altenpflegeschule des Diakonissenhauses ans Werk, wenn sie sich zu Alltagsbetreuern ausbilden lassen. Der Lehrgang befähigt dazu, einfühlsam mit dementen Heim-bewohnern umzugehen.

Die soziale Betreuung der Heimbewohner gehört ganz selbstverständlich zum Standardangebot der Pflegeheime. Die Pflegekassen haben sich bereit erklärt, die Betreuer zu finanzieren, um die Betreuung der Pflegeheimbewohner quantitativ zu verbessern. „Oftmals bleibt in der Altenpflege wegen der Pflegeaufgaben viel zu wenig Zeit, um sich intensiv um den psychischen Zustand der Einzelnen zu kümmern“, wie eine Seminarteilnehmerin feststellt.

Fähigkeiten fördern

Die Aufgabe der zusätzlichen Betreuer ist es, die Heimbe-wohner zu Aktivitäten zu motivieren und Tätigkeiten zu fördern, die das Wohlbefinden der Betreuten positiv beeinflussen. Diese Tätigkeiten können sich um den Haushalt drehen, wie Kochen und Backen, sie können aber auch kulturellen Wert haben, wie Ausflüge oder der Besuch von Veranstaltungen. Es kann zudem auch kreati-ves Arbeiten gefördert werden, indem gemalt, Erinnerungsalben gebastelt oder handwerkliches Geschick geübt wird. Zudem sollen die Betreuer Ansprechpartner für die Heimbewohner sein und ihnen durch ihre Anwesenheit Ängste nehmen und Sicherheit und Orientierung vermitteln.

Lebenserfahrung nötig

Das benötigte Grundlagen-wissen zu Demenzerkrankung, allgemeines Altenpflegewissen, Gruppenorganisation sowie Umgangs- und Kommunikationsformen werden im Seminar vermittelt. Im Jahr 2010 hat die Altenpflegeschule den ersten Kurs gestartet. Nach den positiven Rückmeldungen der Teilnehmer folgten weitere Angebote dieser Art. Die Teilnehmer sollten soziale Kompetenzen, Bodenständigkeit und eine positive Haltung gegenüber kranken und alten Menschen mitbringen. „Sie sollten wissen, was Leben heißt, und Teilhabe daran ermöglichen“, erklärt die Schulleiterin Silke Kaufmann. Ein bestimmter Schulabschluss oder eine bestimmte Berufsausbildung ist dafür jedoch nicht Voraussetzung. Die Teilnehmer können mit der regionalen Agentur für Arbeit ihre Möglichkeiten zur Finanzierung abklären und eine Förderung beantragen. Der Kurs richtet sich an alle Menschen, die gerne mit Älteren zusammenarbeiten. Dabei muss keine Erfahrung mit Heimbewohnern vorhanden sein, denn das Seminar ermöglicht auch Quereinsteigern und Wiedereinsteigern die Qualifikation. Rollenspiele helfenDie Qualifizierungsmaßnahme besteht aus einem sechswöchigen Betreuungspraktikum in einem Alten- und Pflegeheim und einer theoretischen Qualifizierung von etwa sieben Wochen. In den Theo-riestunden setzten die Schüler das Gelernte auch beispiels-weise in Rollenspielen oder Gruppenarbeit um.

Schließlich halten sie bei einem Abschlusskolloqium einen kurzen Vortrag zu einem Betreuungsthema, um für den Beruf der Alltagsbetreuung zertifiziert zu werden.Die Teilnehmer des fünften Seminars haben verschiedene Motivationen, einige möchten in ein neues Arbeitsfeldeinsteigen, andere haben bereits Erfahrungen in der Pflege. Unter ihnen ist auch eine Frau, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Pflege tätig sein kann, dennoch mit alten Menschen zusammenarbeiten möchte.

Es kommt viel zurück

„Die Dankbarkeit und das Leuchten in den Augen der Menschen haben mich zur Teilnahme an diesem Seminar motiviert“, erklärt sie. Eine andere bestätigt: „ich habe Musik studiert und möchte den Senioren mit einer Musiktherapie Freude bereiten“. Pflegeleiterin Silke Kaufmann sieht bei den Teilnehmern nahezu immer eine positive Entwicklung und ist erstaunt darüber, wie schnell sich die Teilnehmer in die Aufgaben hineinarbeiten und lernen, diese umzusetzen.

Weitere Informationen zu Inhalten oder Fördermöglichkeiten der Ausbildung zum Alltagsbetreuer unter der Telefonnummer 05691/ 979632.

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