Einzelhändler in Bad Arolsen trotzen Krise – wieder Leben in der Stadt

Etwas aufatmen

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Shopping in Bad Arolsen. Die Geschäfte haben wieder geöffnet, und die Schutzmasken gehören dazu. 

Leere Einkaufsstraßen, öde Innenstädte – der Lockdown in der Coronakrise hat zwischendurch das Leben zum Erliegen gebracht. Doch seit einigen Tagen dürfen Einzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen.

„Unser Geschäftsleben in Bad Arolsen hat sich schon normalisiert. Bis auf die Gastronomiebetriebe sind hier alle Geschäfte wieder offen, und es ist so viel los wie vor der Krise“, zeigt sich Ulf Stracke, der Vorsitzende der örtlichen Werbegemeinschaft Handel Handwerk und Gewerbe (HHG), erleichtert. „Zum Glück durften wir unsere Werkstatt in Betrieb behalten, so ist uns der Wiedereinstieg in den gewohnten Geschäftsalltag leicht gefallen“, so der Uhrmachermeister und Inhaber von Juwelier Stracke in Bad Arolsen.

„Die meisten unserer Kunden zeigen sich sehr verständnisvoll, doch ausgerechnet viele ältere Menschen haben offensichtlich Schwierigkeiten, mit der neuen Situation klarzukommen und zeigen oft eine Laissez-Faire-Einstellung“, hat Ulf Stracke kopfschüttelnd beobachtet. Er selbst trug schon vor Einführung der Tragepflicht am gestrigen Montag eine Schutzmaske und hält für seine Kunden immer Desinfektionsmittel bereit. Ja, Vorsicht sei immer noch geboten. So würden sich die Mitgliedsbetriebe der HHG auch noch mit der Werbung und weiteren Verkaufsaktionen zurückhalten, um stärkere Menschenansammlungen zu vermeiden.

„Es ist auch nach der Wiedereröffnung der Geschäfte wesentlich ruhiger in der Stadt als vor der Corona-Krise, der Publikumsverkehr ist deutlich schwächer. Doch in den vergangenen Tagen sind die Leute wieder etwas agiler. Auch unser Geschäft läuft wieder normal, an einigen Tagen richtig gut – insgesamt befriedigend“, so Jürgen Kommalein, der Inhaber des Herrenbekleidungsgeschäfts Masc Fashion in Bad Arolsen. Zum Glück gebe es beim Sortiment noch keine Engpässe. „Unsere Kunden sind genau wie wir froh, dass wir wieder geöffnet haben. Sie verhalten sich sehr diszipliniert und verständnisvoll“, betont Kommalein. Nur sechs Personen, also vier Kunden, dürfen sich gleichzeitig in seinem Laden aufhalten – also gebe es kein Problem, den Sicherheitsabstand einzuhalten.

„Unsere Kunden haben sich sehr gefreut, dass wir unsere Läden wieder geöffnet haben. Doch die Kaufzurückhaltung spüren wir deutlich“, zeigt sich Hermann Wieners, der Geschäftsführer von Home & Body Fashion sorgenvoller. Sein Unternehmen hat elf Verkaufsstellen, unter anderem die Wäsche-Points in Korbach und Bad Arolsen sowie den Schiesser Wäsche Store in Korbach.

„Der deutsche Michel ist eher vorsichtig – so wissen wir zurzeit noch nicht, wohin die Reise läuft. Im nächsten Jahr droht ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland – das schafft Kaufzurückhaltung. So rechnen wir für unser Unternehmen in diesem Jahr mit Umsatzeinbußen von 25 Prozent“, so Wieners. Verschärft werde die Situation vom ausbleibenden Geschäft mit den Touristen. Die Folgen der Kaufzurückhaltung seien auch in anderer Hinsicht absehbar: „Es gibt einen Stau bei unseren Lieferanten, die ihre Frühjahrs- und Sommerware nicht oder nur mit starker Verzögerung loswerden. So werden die Sachen in diesem Jahr deutlich länger, wahrscheinlich bis September in den Läden bleiben. So profitieren die Kunden von sinkenden Preisen. Im Mai bieten wir 20 Prozent Rabatt auf alles, auch auf reduzierte Ware. Zusätzlich planen wir in den nächsten Wochen gezielte Sonderaktionen, zum Beispiel mit rabattierten Gutscheinen im Schiesser Wäsche Store in Korbach.“

Doch die Textilindustrie zeige sich flexibel. So hat Hermann Wieners schon den nächsten Schub an Schutzmasken bestellt, die ab Mai in seinen Geschäften erhältlich sein werden.

Besonders hart trifft die Krise die Gastronomie, zumal die Restaurants weiterhin geschlossen sind. Doch Ulrike Mertens, die Inhaberin der Luisen-Mühle in Mengeringhausen, resigniert nicht. „Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen und sind froh, dass unser Abholservice gut läuft. Viele Stammkunden, aber auch neue Gesichter kommen. Schnitzel, Matjes und unser selbst hergestelltes Rindfleisch sind zurzeit gefragt.“ Und natürlich Kreativität: Um das Angebot attraktiv zu halten, wechselt die Küchenleitung wöchentlich die Speisekarte.   

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