Bad Arolsen

Einzigartige Daten lagen 60 Jahre lang unbeachtet im Archiv

- Bad Arolsen (-es-). Jahrzehntelang haben Universitäten und Gedenkstätten vergeblich beim Suchdienst angeklopft und um Einblick in historische Dokumente gebeten. Entsprechend groß ist jetzt - nach Öffnung des Archives - das Interesse.

Um Struktur in die großen Mengen an Dokumenten zu bekommen, hat sich die neue Suchdienst-Historikern Dr. Susanne Urban, zunächst einmal selber durch die Aktenberge graben müssen. Dabei stieß sie unter anderem auf die Akten der so genannten „Evakuierungen“ der Konzentrationslager zum Ende des Zweiten Weltkrieges, heute allgemein als „Todesmärsche“ bezeichnet werden.Gedenkstätten wie die des Konzentrationslagers Dachau haben sich bemüht, diesen Teil der Geschichte aufzuarbeiten. Gemeinden, die auf dem Weg der Todesmärsche lagen, haben inzwischen - nach Jahrzehnten - Gedenksteine aufgestellt. Das Thema galt in der bayerischen Provinz lange als Tabuthema. Doch beim Suchdienst gibt es noch viele Originaldokumente aus dieser Zeit, 80 bis 90 Akten, die helfen können, Schicksale aufzuklären. Da sind zum Beispiel die Aufzeichnungen der amerikanischen Besatzungssoldaten, die Einzel- und Massengräber von erschossenen ehemaligen KZ-Häftlingen dokumentierten. Bürgermeister der Region wurden seinerzeit schriftlich aufgefordert, Gräber zu melden. Die Antworten der Nachkriegsbürgermeister sprechen eine deutliche Sprache, wie Dr. Urban berichtet: „Die schrieben meist zurück: Wir haben keine KZler gesehen. Aber im Wald wurden 20 erschossen.“ Manche Opfer wurden mehrfach exhumiert, bis sie schließlich in Massengräbern auf den Geländen der ehemaligen Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg beigesetzt wurden. Mithilfe der Suchdienst-Informationen, die 60 Jahre unbeachtet im Archiv lagerten, können heute viele Schicksale geklärt werden.

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