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Hochleistungsdrähte aus Bad Arolsen: Extrem biegsam und belastbar

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Von: Elmar Schulten

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Doppellagig isoliert. So sehen die Spezialdrähte für die Automobilindustrie aus. Unser Bild zeigt von links einen zufriedenen Bürgermeister Jürgen van der Horst, die beiden Essex-Furukawa-Geschäftsführer Wilfried Von der Heide und Satoru Ise und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. © Elmar Schulten

Bad Arolsen. Beim Lackdrahthersteller Essex hat die elektromobile Zukunft schon begonnen.

Im Rahmen einer Feierstunde mit Kunden und Ehrengästen aus aller Welt startete das von Superior Essex mitbegründete Joint-Venture-Unternehmen Essex-Furukawa die Produktion von neuartigen Hochleistungsdrähten zur Herstellung von besonders leistungsstarken und beständigen Elektroantrieben.

Der Furukawa-Electric-Vorstandsvorsitzende Mitsuyoshi Shibata erklärte, das Joint Venture sei nicht nur wichtig für Deutschland, sondern für ganz Europa, weil von hier aus mit Hochleistungsprodukten die Elektrifizierung der Automobilbranche vorangetrieben werde.

Was macht die Lackdrähte aus Bad Arolsen so besonders?

Die neuartig isolierten Kupferdrähte sollen Elektromotoren leichter, kleiner und zugleich leistungsfähiger machen. Das sei möglich, weil die mit Isolierlack und einer weiteren Polymer-Schicht ummantelten Drähte enger gewickelt werden können, erklärte der Chef-Technologe Toshinobu Harada den eigens zum Produktionsstart eingeladenen Experten von verschiedenen Automobilherstellern und Zulieferern.

Gleichzeitig bleiben die Drähte auch bei höheren Betriebsspannungen zwischen 600 und 800 Volt und auch bei Dauerbelastung bei Motor-Temperaturen jenseits der 200 Grad über ein ganzes Autoleben lang funktionstüchtig.

Der Elektronik-Riese Furukawa hat mit dieser Technologie schon seit der Jahrtausendwende Erfahrung sammeln können. Mehrere japanische Automarken verwenden den neuartigen Draht schon seit Jahren in ihren Hybridantrieben.

Nun also soll auch der europäische Markt von dieser Entwicklung überzeugt werden. Dazu haben der japanische Konzern Furukawa Electric und die amerikanische Superior Essex ein Joint-Venture-Unternehmen gegründet, das in Bad Arolsen produzieren und schon bald den europäischen Markt beliefern soll.

Was sind die politischen Rahmenbedingungen für Elektromobilität?

„Die aktuellen politischen Diskussionen haben unsere Startvoraussetzungen weiter verbessert, als wir uns das bei Vertragsabschluss vorgestellt haben“, erklärt Essex-Furukawa-Geschäftsführer Wilfried Von der Heide vor Kunden aus der Automobilbranche.

Bei den laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin gehe es auch um das Ende des Verbrennungsmotors und um die Stärkung der Elektromobilität. Auch aus Brüssel kommen Signale, eine massive CO2-Reduzierung in den kommenden Jahren zu fordern, die zwangsläufig auch die Elektrifizierung voran treiben wird.

Das sei genau der Markt, den das neue Unternehmen bedienen wolle.

Essex-Furukawa solle auch dazu beitragen, die aktuell rund 180 Arbeitsplätze am Produktionsstandort Bad Arolsen dauerhaft zu erhalten.

Bisher hatte man sich in Arolsen auf die Herstellung von lackisolierten Rund- und Flachdrähten spezialisiert. Diese Wickeldrähte finden sich unter anderem in Motoren für Waschmaschinen, Wasserpumpen und Scheibenwischermotoren, aber auch in Windgeneratoren.

Was ist das Geheimnis des High Voltage Winding Wire?

Bei Elektroautos fallen aber auch Produkte, die mit den Verbrennungsmotoren verbunden sind weg, wie zum Beispiel Zündspulen, aber dafür werden andere hochwertigere Wickeldrähte im Antriebsstrang benötigt. Hierfür werden neue Produktionslinien in Bad Arolsen installiert.

Bei den Vorarbeiten und dem Aufbau der neuen Maschinen in Bad Arolsen halfen auch Prozesstechniker aus Japan. Arolser Techniker wurden in Japan geschult.

Die neuartigen Kupferdrähte haben ein rechteckiges Profil, werden wie bisher in Brennöfen lackiert und dann im Extrusionsverfahren mit einer zusätzlichen Polymer-Schicht versehen.

Hier geht es zu einer

in Bad Arolsen.

In den kommenden Wochen beginnt die Produktion von Musterdrähten, mit denen zunächst die Kunden aus der Automobilbranche experimentieren und Tests durchführen sollen. Ab Januar 2018 soll dann die Produktion sukzessive anlaufen.

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