Arolser Pils und Altwaldecker Dunkel kommen bald aus Brauerei in Holzminden

Ende einer langen Tradition

Bad Arolsen - Aus wirtschaftlichen Gründen stellt die Privatbrauerei Brüne in Bad Arolsen die Bierproduktion vor Ort ein und verlagert sie nach Holzminden-Allersheim. Pils und Altwaldecker Dunkel soll es weiterhin in Flaschen und als Fassbier geben.

Damit endet eine über 100-jährige Familientradition in der ehemaligen Residenzstadt, Bier wurde bereits zu Klosterzeiten gebraut: Nachweislich schon 1131. Daher wurde das Brauhaus zum ältesten Hessens und zu den ältesten in Deutschland gezählt. Doch mit einem Ausstoß von 4000 Hektolitern jährlich hat sich die Produktion in Arolsen nicht mehr gelohnt, hinzu kommt ein erheblicher Investitionsbedarf, wie Geschäftsführer Dirk Brüne auf Anfrage der WLZ gestern mitteilte.

Die Entscheidung sei der Familie schwergefallen, bekunden Dirk Brüne und sein Bruder ­Andreas unter einem Portraitgemälde von Firmengründer Heinrich Brüne. Der Urgroßvater der beiden Geschäftsführer hatte die Brauerei 1892 gepachtet und 1910 gekauft, ihr Vater Heinrich-Otto Brüne ist weiterhin Gesellschafter des kleinen mittelständischen Unternehmens.

Einen Schub erfuhr das Unternehmen durch die Auflage des Altwaldecker Dunkels zur Fürstenhochzeit 1988. Interesse an einer Übernahme und dem Betrieb als Museumsbrauerei hatte der frühere Chef der Warsteiner Brauerei bekundet, die zum gleichen Zeitpunkt in den Bau des heutigen Welcome-Hotels investierte. Doch zerschlugen sich diese Überlegungen schnell.

Die Technik ist überholt, Investitionen in eine neue Anlage rechnen sich aus Sicht der Familie nicht. Zudem dürften neue Richtlinien für Lebensmittel und die Kennzeichnung von Bieren sowie Anforderungen der Großabnehmer Edeka und Rewe an Dokumentation und Zertifizierung von Produktionsabläufen den Aufwand zusätzlich in die Höhe treiben. Die Abfüllanlage sei für einen Ausstoß von 20000 Hektolitern ausgelegt, auch Lager und Gärtanks seien zu groß, wie Dirk Brüne feststellt.

Betriebswirtschaftlich sei die richtige Entscheidung getroffen worden, bekräftigt er. Die Räumlichkeiten würden als Lager für Fässer und Bierkisten genutzt. Neben den eigenen Bieren werden Cola, Volkmarser Wasser, Weizen- und alkoholfreies Bier weiter von Brünes vertrieben. Dafür werden drei Vollzeitkräfte im Unternehmen bleiben, allerdings verlieren die beiden Mitarbeiter der Produktion ihren Job. Und die Kommunalbetriebe verlieren einen wichtigen Kunden: Die Brauerei hat immerhin etwa 1200 Kubikmeter Wasser verbraucht.

Anfang August wird voraussichtlich der letzte Brauvorgang in Bad Arolsen erfolgen, der Gerstensaft für „das“ Viehmarkt ist bereits produziert. Bis zum Oktober dürfte noch original Arolser Bier verfügbar sein. Mit der Brauerei in Allersheim haben die Arolser einen deutlich größeren Partner gewählt: Dort wird das Zehnfache des Ausstoßes in Arolsen hergestellt. Zudem sind dort zwei Braumeister beschäftigt.

Die beiden Geschäftsführer Brüne wollen sich die Option offenhalten, Fassbier in kleineren Mengen für Stammkunden und das Brauhaus-Restaurant zu produzieren. Doch das ist alles Zukunftsmusik und abhängig von der weiteren Entwicklung.(ah)

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