Stationschef Richard Bracht verabschiedet

Engagierter Schutzmann

Bad Arolsen - An seinem 60. Geburtstag ist der Leiter der Polizeistation Bad Arolsen, Erster Polizeihauptkommissar Karl Richard Bracht, gestern im „Schlossgarten“ in den Ruhestand verabschiedet worden.

Als „Schutzmann mit Leib und Seele“ ist der gebürtige Landauer in den Laudationen gewürdigt worden, der mit hohem Verantwortungsbewusstsein, anerkannten Führungsqualitäten und fürsorglich für die Mitarbeiter seinen Dienst engagiert geleistet und sogar vom Krankenbett aus Einsatzbefehle geschrieben hat. Als „echter Waldecker und echter Landauer in der Region verwurzelt“, so der Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Hubertus Hannappel, hat Bracht nach der Realschule am 1. September 1970 die Ausbildung im Polizeidienst begonnen und durch sein Studium die Voraussetzung für den höheren Polizeidienst erlangt. Bereitschaftspolizei, die frühere städtische Polizei in Frankfurt waren erste Stationen in der Dienstzeit des Schutzpolizisten. Wie bei vielen jungen Polizeibeamten der 70er-Jahre markierten die Einsätze an der heftig umstrittenen Startbahn West, die Olympiade in München oder die Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorentz mehr oder weniger direkt den Werdegang junger Polizisten. In diesen Zeitraum fiel die Familiengründung: 1977 heiratete er seine Frau Annette, zwei Jahre später kam Tochter Kerstin und 1984 Sohn Arne zur Welt, der vor den zahlreichen Ehrengästen, Wegbegleitern im Polizeidienst und Kommunalpolitikern den Werdegang des Vaters mit bewegten Worten skizzierte: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, Dich ab sofort nicht mehr mit der Uniform zu sehen.“ Der Polizeidienst ist Bracht auf den Leib geschneidert gewesen. Die wahrscheinlich schönste Zeit war die als Leiter der Dienstgruppe D in Korbach. Für das Weltcup-Skispringen in Willingen mit 120 000 Besuchern ersann er ein Parkleitsystem, um das Verkehrschaos zu begrenzen. Auch der Hessentag 1997 in Korbach war eine Herausforderung, an die sich Bracht gerne erinnert. Mit dem Leiter der Polizeistation, Hartmut Meyer, verband ihn eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und gerne hätte er 2004 dessen Nachfolge angetreten. Dass seine Bemühungen erfolglos blieben, war ein schwerer Schlag für ihn, wie Arne Bracht berichtete. Stattdessen ließ er sich dazu bewegen, die Leitung des 7. Polizeireviers Kassel-Bad Wilhelmshöhe anzutreten. Im Zuge der Sparmaßnahmen des Landes Hessen war absehbar, dass er diesen Posten wohl nicht lange behalten würde. Denn von den damals sieben Dienststellen in dem Bereich blieben noch drei übrig, daher mussten neue Posten für die Führungskräfte gefunden werden. So kam Bracht nach Bad Arolsen. Dabei wollte er nicht dort als Polizist tätig sein, wo er auch wohnte. Doch füllte Richard Bracht auch diesen Posten mit hohem Einsatz aus und engagierte er sich für den Erhalt der Dienststelle. Dabei entwickelte er „sehr gute Ideen für ein neues Domizil der Polizei“, wie Hannappel anerkennend feststellte (weiterer Bericht). Schließlich hat auch die Polizei in Nordwaldeck neben der Kriminalität und Verkehrsdelikten auch mit großen Ereignissen zu tun: Neben dem traditionellen Bad Arolser Kram- und Viehmarkt zählten dazu unter anderem der Besuch der damaligen niederländischen Königin Beatrix und der vorsorglich anberaumte Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften nach der Ankündigung einer vermutlich mit Gewalttätigkeiten verbundenen Facebook-Party, die dann glücklicherweise nicht stattfand, wie sich Bürgermeister Jürgen van der Horst erinnerte. Stellvertretend für seine Kollegen Hartmut Linnekugel (Volkmarsen) und Elmar Schröder (Diemelstadt) lobte er die gute Zusammenarbeit mit Bracht und die regelmäßigen Gesprächsrunden. Wie in Arolsen wird auch in Korbach das Thema Prävention großgeschrieben, die Kooperation mit Bracht in der Kreisstadt lobte Büroleiter Heinz-Willi Müller. Wie es personell in der „Pst. Bad Arolsen“ weitergeht, ist ­geklärt: Achim Jesinghausen wird zum 11. August den Posten des Dienststellenleiters übernehmen. Ihm wünschte Bracht „viel Glück und Erfolg im gleichen Amt an neuer Wirkungsstätte.“ (ah)

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