Kirchengemeinde und Schützengesellschaft Mengeringhausen

Enge Verbindung seit Jahrhunderten

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Den Heiligen Georg führen sie beide als Symbolfigur: Die Schützengesellschaft Mengeringhausen und die evangelische Kirchengemeinde betonen die enge Verbundenheit.

„Seit Menschengedenken“, heißt es immer wieder in Ansprachen und Rückblicken auf die altehrwürdige Schützenbruderschaft. Mit diesem Wort wird die jahrhundertealte Tradition beschworen. Tatsächlich datiert die Schützenbruderschaft sogar in die Zeit vor der Entstehung der evangelischen Kirchengemeinde zurück: Als die Vereinigung zum Schutz der Fachwerkstadt gegründet wurde, gab es nur die eine Kirche. Erst nach der Reformation 1517, in deren Folge die Waldecker Grafen dem protestantischen Glauben beitraten und damit auch die Religion evangelisch wurde, verbreiteten auch die Mengeringhäuser Pfarrer die christliche Botschaft im Sinne Dr. Martin Luthers. „Nicht nur Staffage“ „Die evangelische Kirchengemeinde ist praktisch Rechtsnachfolger geworden“, stellt Pfarrer Uwe Jahnke fest. Und sie hielt an der Verbindung zu der kirchlichen Schützenbruderschaft fest, die auf der Basis der mittelalterlichen Wehrverfassung nicht für die Verteidigung der Stadt gegen äußere Feinde, sondern auch zur gegenseitigen Unterstützung in den Stadtmauern und zur Sorge um die Armen gebildet wurde. „Der Pfarrer ist nicht nur Staffage“, bekräftigt Jahnke, der 2000 sein erstes Freischießen erlebte und als Pfarrer viele Gottesdienste und Andachten bei dem alle sieben Jahr stattfindenden Heimatfest, bei den Schnadezügen und Ausmärschen hielt. Die Verbindung sei durchaus christlich-theologisch fundiert. „Wir sind dankbar, dass die Kirche hier so verankert und nicht bloß Beiwerk ist“, sagt Jahnke für die Gemeinde. Der gehören freilich viele Schützenbrüder ohnehin seit der Taufe an. Der Osterritt vor dem Freischießen ist auch theologisch aufgeladen, symbolisiert er doch nach der Auslegung des Pfarrers die Verkündigung der Osterbotschaft im ganzen Land. Auch die Gottesdienste bei den Grenzbegängen an Himmelfahrt gehören einfach dazu. Freilich würde sich der Pfarrer nach dem Sammeln zum Osterritt, an dem 400 Menschen die berittenen Schützen verabschieden, auch über eine entsprechend gut besuchte Kirche freuen, die Gottesdienste beginnen schließlich unmittelbar danach. Doch den verhältnismäßig kurzen Weg zur Kirche mit ihrem charakteristisch schiefen Turm finden dann deutlich weniger Menschen als anzunehmen wäre. Die kirchliche Einbindung sei nie in Frage gestellt worden, versichert Vorsitzender Gerald Nelle. Er verfolgt und gestaltet die Geschichte der Schützengesellschaft von Anfang an. „Wir erwarten, dass die Schützenbrüder auch nach einer langen Nacht morgens um 9.30 Uhr zum Festgottesdienst in der Kirche erscheinen.“ Die Verbundenheit zur Kirche müsse allerdings offen gestaltet werden, räumt Pfarrer Jahnke ein, die kirchenfernen Menschen müssten die Gelegenheit bekommen, sich Andachten und Gottesdiensten ohne Bedenken zu entziehen. Schwerter abschleifen Die aus vorreformatorischer Zeit stammende Kirche bietet auch ganz praktisch Voraussetzungen für die Teilnehmer der kostümierten, mit Fahnen, Waffen und Feldzeichen ausgerüsteten Schützenbrüder. Neben der Kanzel ist ein Fahnenständer aufgestellt worden, und vor dem Südportal finden sich im Pflaster Wetzspuren: Hier bietet sich die Gelegenheit, die Schwerter abzuschleifen. Im Gottesdienst werden auch die beiden bekannten Lieder des früheren protestantischen Pastors Philipp Nicolai, „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ gesungen.Bei so viel Tradition ist die Kirche ebenso wie die Schützengesellschaft der Zukunft zugewandt, um beider Bestand zu sichern: Der Pfarrer wird im Nicolai-Haus eine Kinderdisco für die Kinder ab dem Knabenalter und deren Begleiterinnen mit Nebelmaschine, Reflektorkugel und Kinder-DJ ausrichten. Die Disco ergänzt das von evangelischer Kita und der Nicolai-Schule engagiert mitgestaltete Kinderfest. Dass auch die Bad Arolser Kaulbach-Schule in der Projektwoche das Thema aufgreift, freut Gerald Nelle ebenfalls: „All‘ dies zusammen macht auch das Freischießen in Mengeringhausen aus.“

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