Beschluss zum Flächennutzungsplan steht an · Baubeginn für 2014 angestrebt

Entscheidung zum Windpark

+
Windkraftanlagen auf den Anhöhen zwischen Kohlgrund und Neudorf.

Bad Arolsen - Die Vorbereitungen für den Windpark im Stadtwald Mengeringhausen kommen nun in eine entscheidende Phase: Der Beschluss des geänderten Flächennutzungsplans steht an.

Das Bekanntwerden der gemeinsamen Pläne des Unternehmens wpd on­shore in Kassel und der Stadt Bad Arolsen 2009 hat eine Bürgerinitiative auf den Plan treten lassen und im vorvergangenen Jahr zum Einzug der Bürgerliste in die Stadtverordnetenversammlung geführt, die als Hauptziel die Verhinderung des Windparks mit anvisierten 15 Anlagen zum Ziel hat. So weit muss wpd jedoch aller Voraussicht nach nicht zurückstecken. Der wpd-Projektmanager geht nun von elf bis zwölf Anlagen aus, die noch gebaut werden dürfen und das Vorhaben nach wie vor für das Unternehmen wie für die Stadt interessant erscheinen lassen: „Es geht auch um Pachteinnahmen und steuerliche Einnahmen für die Stadt“, räumte Bürgermeister Jürgen van der Horst gestern Nachmittag in einem Pressegespräch ein. Doch neben den wirtschaftlichen Vorteilen werde ein Beitrag zum Klimaschutz angestrebt. Geplant sind dabei auch ein bis zwei Anlagen unter Bürgerbeteiligung.

Sorgfältig geprüft

Um das planerische Fundament dafür zu bereiten, seien viele Aspekte untersucht worden: „So sorgfältig und transparent ist nach meinen Beobachtungen noch kein vergleichbares Verfahren verlaufen.“ Inzwischen sei das zweite Offenlegungsverfahren gelaufen, bei dem sich sowohl die sogenannten Träger öffentlicher Belange (Naturschutzbehörden und -verbände etc.) als auch Bürger zu Wort melden konnten.

Bürger beteiligt

In rund 20 Zusammenkünften hätten Bürger zudem die Gelegenheit genutzt, zu den Plänen Stellung zu nehmen. Dabei stehe die Detailplanung noch aus und müsse unter anderem noch geprüft werden, in welchem Maße Rücksicht auf das Vorkommen von zwei Rotmilan-Paaren zu nehmen ist.

Mit über 200 Hektar seien die Vorbereitungen auf das Projekt gestartet, sagte Dr. Heiko Sawitzky (Planungsgruppe für Natur und Landschaft; Hungen). Mittlerweile seien es nach Einsprüchen des Naturschutzes, der Luftverkehrsbehörden und aufgrund von Belangen der Naherholung nur noch 125 Hektar. 43 Stellungnahmen von Bürgern und 27 von Trägern öffentlicher Belange hätten berücksichtigt werden müssen. Besonders im Bereich des Vogelschutzes seien Einwendungen gekommen.

Umfangreiche Datensätze über Vorkommen, Nistverhalten und andere Gesichtspunkte des Vogel- und Fledermausschutzes seien erstellt worden. Ein Gegengutachten der Bürgerinitiative, das im November 2012 dem Regierungspräsidenten überreicht worden sei, habe jedoch ein anderes Bild des Vogelschutzes gezeichnet. Doch sei das Papier aufgrund der angewandten Methodik nur eingeschränkt oder gar nicht verwendbar. So sei die im Gelände verbrachte Zeit des Gutachters der BI zu kurz gewesen. Die Vogelschutzwarten gäben Standards vor, die bei dem Gutachten der BI nicht eingehalten worden seien, stellte Sawitzky fest.

Es habe aber auch Übereinstimmungen gegeben. Etwa im Hinblick auf das Vorkommen von Rotmilanen: „Eine sehr sensible Vogelart im Bereich von Windkraftanlagen.“ Doch die von der BI dargestellten Auswirkungen auf die Brut seien nicht nachvollziehbar. Gleichwohl gelte es, einen problematischen Brutstandort am Waldrand und in der Nähe von Wohnhäusern eingehend zu prüfen. Dass dort eine Windkraftanlage gebaut werden könne, sei fraglich.

Längerer Weg

„Wir hätten frei planen und einen Bauantrag stellen können, nachdem der Regionalplan in Bezug auf Windvorrangflächen nach Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs ungültig geworden war“, sagte Ekkehard Darge. Doch habe sich wpd gerade auch mit Rücksicht auf die Stadt als Partner und die kommunalpolitischen Belange für den längeren Weg und eingehende Prüfungsverfahren entschieden. Deswegen sei die Änderung des Flächennutzungsplans eingeleitet worden. In einem halben Jahr werde das Verfahren beendet sein.

Bürger weiter beteiligen

Dann müsse noch ein Baugenehmigungsverfahren begonnen werden, wie Bürgermeister van der Horst dazu erklärte. Dazu werde das Bundesimmissionsschutzgesetz angewendet. Auch hier werde wpd die Bürger beteiligen: „Die maximale Prüfung ist in dem gesamten Verfahren gewährleistet“, sagte der Rathauschef.

Anvisiert wird der Bau der Windkraftanlagen für 2014. Bei der Auswahl der Standorte profitiert wpd von den Erfahrungen an Standorten in Nordwaldeck und Messdaten, wobei die positiven Prognosen nach unten korrigiert werden mussten. Geplant ist das Aufstellen von 199 Meter hohen Nordex-Anlagen, die speziell für das Binnenland geeignet sind, leiser laufen und weniger Flächen benötigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare