Twistetal/Kassel

Erholung der Kinder grenzt an medizinisches Wunder

- Kassel/Twistetal. „Wir stehen vor einem medizinischen Wunder!“, zitierte die Staatsanwältin das Staunen des Arztes in der Göttinger Klinik über die Fortschritte bei den drei Kindern, die von ihrem Vater mit dem Hammer fast erschlagen worden wären.

„Wir waren froh, als wir die Kinder über den Flur unserer Klinik laufen sahen“, erklärte ein Oberarzt des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld in Kassel gestern bei dem Prozess vor dem Landgericht Kassel gegen den 40-jährigen Vater. Dorthin waren die beiden Mädchen und der kleine Bruder acht Tage bis drei Wochen nach der Tat schrittweise zur Frührehabilitation verlegt worden. Die Kinder schwebten zeitweise in Lebensgefahr. Komplizierte Operationen waren erforderlich. Der 40-jährige Angeklagte hatte am 3. April mit einem Hammer auf die rechten Schädelseiten der Kinder eingeschlagen. Zum Teil war Hirnmasse zerstört worden. Deswegen und wegen der noch gar nicht absehbaren seelischen Folgen der Hammerattacke befürchtet der Kasseler Kinderarzt und -neurologe Intelligenzdefizite, Bewegungseinschränkungen und Beeinträchtigungen bei der Wahrnehmung. Bei dem Sohn bestehe der „Verdacht auf Halbseitenblindheit“. Die bei den Kindern festgestellten Beschädigungen am Gehirn könnten auch im Laufe des Wachstums nicht kompensiert werden. „Es grenzt für uns an ein Wunder, dass die Kinder sich so entwickelt haben nach den Operationen“, sagte der Oberarzt. Umso größer sei die Befürchtung, dass doch noch Schäden blieben. Neben motorischen Behinderungen müsse auch die emotionale und soziale Entwicklung beobachtet werden.Alle leiden nach der Tat an Schlafstörungen, zwei Kinder würden nachts einnässen, wie der gestern als Zeuge angehörte Kinderarzt aus Frankenberg erklärte. Er berichtete allerdings auch von Problemen vor der Tat: Bei der Ältesten war Epilepsie festgestellt worden. Zudem seien die Kinder bei der Frühförderstelle wegen Minderbegabung, Entwicklungsstörungen und Problemen der Motorik vorgestellt worden. Weitere neurologische Untersuchungen, psychologische Betreuung und Ergotherapie, die Betreuung durch eine Familienhelferin und eine weitere kieferorthopädische Betreuung der ältesten Tochter stehen nach der bisherigen medizinischen Versorgung nach der Tat noch an. Zudem muss beobachtet werden, wie die mit Kunstknochen oder noch zu rettenden Schädelsplitter geschlossenen Löcher verheilen.

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